In diesem Grundlagenartikel zu den P2P Kredite Risiken zeige ich dir welche Risiken in deinem P2P Investment lauern können und wie vielfältig diese sind. Aber du erfährst auch ganz konkret, wie du viele dieser P2P Risiken minimieren kannst, um das Maximum aus deinen P2P Kredit Investments herauszuholen.
Denn nur wer die Risiken eines Investments gut kennt, sollte sich intensiver mit den Chancen beschäftigen.
Was P2P Kredite generell sind und wie man diese unterscheidet als auch welche unterschiedlichen Interessen, Rollen, Plattformen, Kreditgeber und Kreditnehmer existieren, wurde im ersten Teil eines Grundlagenpodcast besprochen und kann gerne nachgehört werden.
Die P2P Kredite Risiken (Stand 2026)
Einleitung
Wer meinen Blog und mein Wirken schon länger verfolgt, weiß, dass ich nicht müde werde, immer wieder auf die Risiken beim Investieren in P2P Kredite hinzuweisen.
Vor lauter Chancen durch die hohen ausgerufenen Zinssätze (die 2026 wieder gerne mal über 12-15% liegen) und den von vielen (auch z.T. natürlich von mir) propagierten Erfolgsstorys in der Form von zweistelligen Rendite-Ergebnissen (XIRR), die natürlich die liebe Leserschaft auch motivieren sollen, fleißig den Affiliatelinks zu folgen, muss man sich den schlummernden Risiken, die man eingeht, stets bewusst sein.
Gerade das Jahr 2025 hat mit steigenden Unternehmensinsolvenzen in Europa gezeigt: Das „risikolose“ Zins-Konto gibt es nicht. Daher gehen wir die P2P Kredite Risiken alle jetzt schön der Reihe nach, von ganz oben der P2P Plattform bis ganz nach unten zu dir als Anleger durch.
Das P2P Plattform Risiko
Fangen wir mit der obersten Ebene für uns als Investor an.
Die eigentliche Plattform und deren Betreiber, wie Mintos oder Bondora.
Welche Risiken sehe ich hier im unmittelbaren Zusammenhang mit den P2P Plattformen?
Was ist das Betrugsrisiko (Plattform) / P2P Betrug & SCAM
Vor allem die spektakulären Fälle und Zahlen aus der Vergangenheit in China – da ging es nur in dem einen Fall um Milliardenbeträge und fast eine viertel Million betroffene Kunden – haben es uns schön vor Augen geführt, dass hinter einer P2P Plattform direkt betrügerische Absichten stecken können.
Das reicht von komplett fingierten Systemen, die Gewinne nur virtuell anzeigen und Auszahlungen unmöglich machen, bis hin zu aufwendigen Schneeball– bzw. Ponzi-Systemen, die wesentlich länger „tragen“ können.
Historisch „schön“ zu sehen war dies bei Kuetzal, Envestio und Monethera.
Auch Grupeer musste auf die Liste der betrügerischen P2P Kredit Plattformen gesetzt werden!
Und auch der Juicy Fields Scam (wenn auch Agrar-Crowdfunding) reiht sich hier ein.
Ein ganz neues Phänomen ist der KI-Betrug (Deepfakes). Betrüger nutzen künstliche Intelligenz, um Video-Calls mit CEOs zu fälschen oder täuschend echte Lizenzen zu generieren. Traut euren Augen in Video-Calls nicht mehr blind!
Allen gemein ist, dass „Investoren“ in solchen Fällen meist zu 100 % mit einem Totalverlust rechnen müssen.
Was tun gegen das Betrugsrisiko?
Zu 100% davor schützen kann man sich vermutlich nicht, aber ein paar Kriterien helfen dann doch beim Abschätzen des Risikos:
- Wie lange ist die Plattform schon am Markt (Track Record)?
- Gibt es geprüfte Bilanzen (audited reports)?
- Handelsregisterauszug prüfen.
- Wichtigstes Update: Regulierung vorhanden? Achtet zwingend auf die ECSP-Lizenz (European Crowdfunding Service Providers) oder eine Banklizenz. Plattformen ohne diese Lizenz operieren heute im „Graubereich“ und sollten gemieden werden.
- Internetrecherche zur Plattform und den Gründern (LinkedIn).
- Adresse existent und nicht nur eine Briefkastenfirma (P.O. Box).
- Reagiert der Support zeitnah und professionell?
- Wurde die Plattform schon einmal von Bloggern „besucht“?
- Gibt es Meinungen/Berichte dazu aus unabhängigen Quellen?
Lies dazu auch meinen ausführlichen Beitrag über
Anlagebetrug und wie man Scam rechtzeitig erkennen kann.
Es gibt viele Warnzeichen, auf die man achten kann.
Insolvenzen von P2P Kredit Plattformen
Auch eine seriöse Plattform muss eines Tages gewinnbringend arbeiten – ist dies nicht der Fall und findet sie keine Finanzierungsgeber mehr, dann kommt unweigerlich eine Insolvenz.
In diesem Fall springt dann in der Regel ein Insolvenzverwalter ein und wickelt das Unternehmen ab.
So geschehen bei:
Das „EstateGuru-Phänomen“ 2025/2026:
Ein Sonderfall ist EstateGuru. Die Plattform selbst ist (Stand 2026) nicht insolvent und meldet sogar wieder operative Gewinne. Aber: Das riesige deutsche Kreditportfolio ist kollabiert. Anlegergelder stecken hier fest („Recovery Drag“). Zwar arbeitet EstateGuru mit Inkasso-Partnern (Steinberg Management) an der Rückholung, aber die deutschen Mühlen mahlen langsam. Das Geld ist nicht zwingend weg, aber es ist auf Jahre illiquide und wird vermutlich nur mit Verlusten zurückkommen. Das zeigt: Auch ohne Plattform-Pleite kann ein ganzes Länder-Portfolio faktisch ausfallen.
In solch einem Fall muss man als Investor nicht unbedingt mit einem Totalverlust rechnen, allerdings ziehen sich Insolvenzen (oder Recoveries wie bei EstateGuru) einige Jahre hin und kosten natürlich auch Geld.
Sodass ich persönlich zuerst einmal meine Einlage auch dort zu 100% abschreiben würde und mich im Anschluss darüber freuen würde, wenn je etwas zurückkommt.
Spätestens dann wäre es für mich ein faktischer Verlust, wenn ich als Investor mich aktiv darum kümmern müsste, meine Ansprüche am besten noch auf Litauisch geltend zu machen (btw.: habt ihr auf allen Plattformen auch brav alle Kreditvereinbarungen immer runtergeladen und archiviert…?).
Meines Wissens hat kaum einer der Anleger der genannten Plattformen sein Geld vollständig wiedergesehen …
Was tun gegen das Insolvenzrisiko?
Dagegen schützen kann man sich meiner Meinung nach nur bedingt.
Vielleicht hilft es, die Bilanzen zu lesen und zu verstehen?
Aber wer traut sich zu, sicher zu entscheiden, dass einer Plattform das Geld ausgehen wird?
Alternativ hilft fleißiges Mitlesen in Foren, da kann man das ein oder andere Mal eventuell Indizien dafür aufschnappen – aber was, wenn das wiederum nur Hysterie ist?
Natürlich hilft auch das Thema klassische Risikodiversifikation weiter, wie bei generell allen Risikobetrachtungen in diesem Umfeld.
Allgemein gilt: Je breiter ich in idealerweise wenig voneinander abhängige (korrelierende) Einzelteile (Anlageformen, Plattformen, Kreditarten, Kreditgeber, Länder, Währungen und Kredite) streue, desto geringer wird mein potenziell eintretender Schaden.
Die Eintrittswahrscheinlichkeit des jeweiligen Einzelrisikos bleibt dabei natürlich unbeeinflusst.
Insolvenzen von einzelnen Kreditgebern
Es müssen ja nicht nur ganze Plattformen ausfallen, es reicht schon, wenn einzelne Kreditgeber auf Marktplätzen (in der Regel Buyback P2P Kredite Plattformen wie z.B. Mintos) ausfallen.
Auch dann wird es langwierig bis aussichtslos, bis man als Anleger an sein Geld kommt.
So ist bei Mintos schon 2017 der Kreditgeber Eurocent ausgefallen, später folgten Aforti, Rapido Finance oder Monego.
In jüngerer Vergangenheit kamen durch den Russland-Ukraine-Krieg weitere russische Anbahner (z.B. Kviku, Revo) hinzu, die Investorengelder einfroren oder nicht transferieren konnten.
Das zeigt handfest: Buyback ist ein Versprechen und keine Garantie.
Liquiditätsrisiko auf P2P Kredit Plattformen (Update 2026)
Natürlich brauchen auch Plattformen Liquidität, allein um das Thema Ein- und Auszahlungen abzuwickeln.
Aber darum geht es mir hier nicht primär. Wenn diese nicht mehr gegeben ist, reden wir über kurz oder lang von einer Insolvenz.
Ich möchte kurz den Spezialfall Bondora Go & Grow exemplarisch aufgreifen (auch andere Plattformen wie Monefit SmartSaver arbeiten an ähnlichen Produkten), bei dem eine hohe, tägliche Liquidität kommuniziert wird.
Schaut man dann genauer in die AGBs, so zeigt sich schnell, dass diese nur so weit garantiert wird, wie die liquiden Mittel des Unternehmens dies auch hergeben.
Im Zweifel kann die Auszahlung auch ausgesetzt oder gestückelt werden!
Wichtige Änderung seit September 2025: Bondora hat den Sekundärmarkt und die API geschlossen. Das bedeutet: Ihr könnt eure Kredite nicht mehr manuell an andere Investoren verkaufen. Die Liquidität hängt nun zu 100% am „Go & Grow“-Produkt und Bondoras Fähigkeit, Auszahlungen zu managen. Ab April 2025 gilt zudem ein einheitlicher Zinssatz von bis zu 6% ohne Limit – aber die Abhängigkeit von der Plattform-Liquidität ist gestiegen.
Das könnt ihr gut mit den Problemen der „offenen Immobilienfonds“ vergleichen, die ebenso eine hohe Liquidität suggeriert haben und dann 2010 in Schieflage gerieten und geschlossen wurden.
Die Abwicklung dauert zum Teil bis heute an.
Das auch dies eintreten kann, zeigten die Verzögerungen, die es bei Mintos Invest & Access Produkt in Zinsflautenphasen gab.
Und auch im Zuge der Corona Börsen Krise 2020 hat es sich handfest manifestiert, dass die gepriesene Liquidität bei Bondora unter Stress nicht voll vorhanden ist.
Anleger mussten wochenlang warten, bis sie ihre Go&Grow Einlagen Stück für Stück wieder ausbezahlt bekamen (immerhin kein Ausfall, „nur“ eine Verzögerung).
Was tun gegen das Liquiditätsrisiko?
Wer auf eine hohe Liquidität zwingend angewiesen ist, der bleibt beim einlagengesicherten Tagesgeld- oder Girokonto oder legt sich sein Geld unter die Matratze und meidet liquide Produktversprechen im Hochrisikobereich.
Betrugsrisiko durch den P2P Kreditnehmer
Prominentestes Beispiel in der Kategorie ist hier Advanon, eine ehemalige Plattform aus der Schweiz.
Hier hat ein Betrüger Anleger um mehr als 2 Millionen € gebracht https://www.moneytoday.ch/news/betrugsfall-advanon-welche-luecke-der-betrueger-ausgenutzt-hat/
Die Plattform existiert in der Form nicht mehr.
Ob die Investoren von dem Betrüger je Geld gesehen haben, entzieht sich meiner Kenntnis.
Im kleinen Stil passiert das sicher auch immer wieder, wie z.B.
Golf Tours, ein Kreditnehmer, der gleich auf zwei Plattformen (Linked Finance und Flender) Geld aufgenommen hat und sich ins Ausland abgesetzt hat, oder auch bei Bondora, die einen eigenen Status (criminal case) dafür haben.
Schön auch der Bericht von Inga, die bei Auxmoney auf Betrüger reingefallen ist, und wie viel Interesse die Plattform daran hatte, das zu verhindern.
Was tun gegen Kreditnehmer Betrugsrisiko?
In solchen Fällen ist man vollumfänglich von der Qualität der Bonitätsprüfung der Plattform abhängig;
das selbst zu übernehmen halte ich für illusorisch.
Hier hilft nur, wie in den meisten anderen Risikofällen auch, nur das Thema Diversifikation weiter.
Ausfallrisiko eines einzelnen P2P Kredits
Erst einmal ist es völlig normal, dass ein Kredit ausfällt.
Würde er es nicht tun, gäbe es auch keine Risikoaufschläge in Form eines (höheren) Zinssatzes.
Dabei können sich Ausfälle bei weniger als einem Prozent bis hin zu zweistelligen Prozentwerten bewegen und trotzdem eingepreist (d.h. unterm Strich für euch lohnend) sein.
Ich habe im Rahmen meiner Diversifikations-Betrachtung vereinfacht aufgezeigt, wie viele Kredite ausfallen dürfen, damit dies nicht renditeschädlich wird.
Kritisch wird es erst, wenn die Ausfälle höher ansteigen als erwartet (z.B. durch eine massive Verschlechterung des Marktumfeldes sprich einer Eintrübung oder Rezession, wie wir sie 2023-2025 erlebt haben).
Hier müssen wir die zwei Fälle mit und ohne Buyback – nennen wir es lieber Rückkaufversprechen – unterscheiden.
P2P Kredite ohne Rückkaufversprechen – klassisches P2P ohne Buyback
Im einfachen Fall ohne Buyback schlagen sich die vermehrten Ausfälle einfach auf die Rendite durch.
Viele Bondora Anleger kennen dies, dass auch ohne eine explizite Krise das eigene Portfolio massiv an Renditeprognose verliert und dann gar ins Negative drehen kann (wobei auch im nachfolgenden Recovery viel wieder hereingeholt wird und sich das Gesamtportfolio damit ins Positive drehen kann, aber das ist eine andere Geschichte).
Was tun gegen klassisches Ausfallrisiko?
Dagegen kann man sich gut wappnen mit ein paar Maßnahmen:
- Eine Plattform wählen mit einem vernünftigen Track Record was Ausfallzahlen angeht – kaum eine hat einen, der länger zurückgeht als Bondora, aber auch Finbee kann einige Jahre aufbieten (Ausfallraten habe ich im Kontext der Diversifikationsbetrachtung gesammelt).
- Zum einen natürlich Diversifikation über möglichst viele verschiedene Kredite auf der Plattform, idealerweise 300 und mehr (je nach erwarteter Ausfallrate).
- Zum anderen auch auf das Recovery vertrauen, nicht panisch vorschnell billig verkaufen (das geht bei Bondora seit der Sekundärmarktschließung eh nicht mehr) – es erstmal aushalten können, auch über Jahre (1-2 Jahre sind die Regel für eine Eintreibung, dank Gericht und Gerichtsvollzieher [vergl. Neofinance]).
P2P Kredite mit Rückkaufversprechen – das beliebte P2P Buyback
Der Grund, wieso viele Anleger Buyback Kredite lieben, liegt natürlich klar auf der Hand – die
vermeintliche Sicherheit, die sie vermitteln – anlegen ohne Risiko.
Im Ausfall bekomme ich als Anleger mein Geld und in der Regel alle Zinsen und eventuell auch Strafgebühren vom Kreditgeber zurück und bin ab diesem Zeitpunkt den Kredit und das Thema Recovery los.
Soweit der „Good Case“ und das, was auch tausendfach passiert, ganz ohne Probleme.
Nur muss einem klar sein, dass Buyback ein Versprechen des Darlehen-Kreditgebers ist, diesen Rückkauf zu tätigen.
Das funktioniert jedoch nur so lange, wie der Kreditgeber finanziell dazu in der Lage ist.
Da die meisten ähnlich einer deutschen GmbH ausgestattet sind, ist hier oft nicht viel an Substanzwerten über die erwirtschafteten Renditen hinaus zu erwarten.
Aus der Vergangenheit kennen wir den besagten Fall Eurocent, die bei Mintos Kredite angeboten haben und diese auch mit einer Buyback Garantie versehen haben.
Eurocent ist in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und hat Insolvenz angemeldet.
Die Anleger haben bis heute immerhin einen Teil ihres Geldes wieder bekommen, aber bei Weitem noch nicht alles.
Damit ist die Buyback Garantie als Risikohebel zu verstehen: Nicht viele einzelne Kredite fallen in einer Schieflage aus, sondern das ganze Kreditgeber-Portfolio wird damit ausfallen (Klumpenrisiko).
Was tun gegen das Buybackrisiko?
Das ist auch der Grund, wieso ich nicht nur auf Buyback Kredite setze und z. B. bei EstateGuru, Linked Finance oder Finbee mit klassischem P2P größere Positionen habe.
Aber auch bei den Buyback Krediten gibt es meiner Meinung nach zumindest weitere Maßnahmen, um
das Risiko zu minimieren bzw. zu verteilen. Auch bei den Kreditgebern gilt: Diversifikation ist das A und O. Nicht alles auf eine Karte setzen!
So habe ich nicht nur bei Mintos, sondern auch über weitere Plattformen eine ganze Menge an Kreditgebern im Portfolio, damit mich ein Ausfall eines Kreditgebers nicht allzu massiv trifft.
Darüber hinaus könnt ihr euch natürlich auch die Mühe machen und jeden einzelnen Kreditgeber durchleuchten, die Geschäftsberichte studieren und bewerten.
Ich schaffe das zeitlich nicht, vielleicht ihr ja ;).
Als Platzhirsch hat an der Stelle Mintos uns einen Teil der Arbeit abgenommen und veröffentlicht ein Ranking (Risk Score) ihrer Darlehens-Kreditgeber, auf dessen Basis man dann entscheiden kann, wie stark man diesen in seinem Portfolio gewichten möchte oder auch nicht.
Wie weit man hier Mintos traut, ist jedem selbst überlassen (übrigens wurden Wackelkandidaten in der Vergangenheit teils erst wenige Stunden vor dem Ausfall abgewertet…), die Alternative bringt viel Arbeit mit sich…

Mintos Kreditgeber Bewertung
Und natürlich verlasse ich mich ein Stück weit auf die Plattformen, die schließlich auch kein Interesse haben, dass ein Kreditgeber bei ihnen Insolvenz anmeldet, und diese dementsprechend kontrollieren dürften.
Währungsrisiko beim Investment in nicht Euro P2P Kredite
Einige Plattformen wie Mintos bieten Kredite in der Länderwährung wie kasachische Tenge oder polnische Zloty an. Früher waren auch Rubel-Kredite mit hohen Zinsen beliebt, was uns zum nächsten Punkt bringt.
Die Fremdwährung verliert an Wert
Viele „schwache“ Fremdwährungen verlieren über die Zeit oft an Wert oder sind zumindest extrem volatil.
Damit hebelt man seine Rendite dann entsprechend in die eine oder andere Richtung – meiner Meinung nach gerade bei „schwachen“ Währungen oft in die negative Richtung.
So hat man z.B. beim Kasachischen Tenge oder der Türkischen Lira in den letzten Jahren massiv verloren.
Besonders drastisch zeigte sich dies beim russischen Rubel nach Beginn des Ukraine-Krieges.
Hier wurden Kredite oft eingefroren und ein Tausch war kaum noch möglich.
Mintos und andere Marktplätze nehmen bei einem Tauschvorgang Gebühren, die von der Rendite abgehen.
Das variiert je nach Währung, schmälert aber den Gewinn sofort.
Steuerlich komplizierter
Die Währungsgewinne – sofern man das Glück hat und welche macht – sind natürlich entsprechend zu versteuern und wie mir scheint, gibt es unterschiedliche Meinungen zu den Varianten, wie dies zu geschehen hat.
Da hilft, um ganz sicherzugehen, vermutlich nur der Steuerberater.
Was tun gegen das Währungsrisiko?
Ich persönlich vermeide aktuell das Währungsrisiko in meinen P2P Anlagen weitgehend, indem ich fast nur in Euro anlege.
Die theoretisch mögliche Mehrrendite ist mir der Aufwand und vor allem das Risiko, das ich damit eingehe, nicht wert – die geopolitischen Ereignisse der letzten Jahre haben mich da bestätigt.
Natürlich kann man sein Währungsrisiko durch Hedging absichern, auch das wäre mir zu viel Aufwand und Rechnerei.
Schließlich kostet eine Absicherung ja auch Geld und damit Rendite, sonst würden das Banken nicht anbieten.
Ob sich das lohnt, müsste man gut gegenrechnen.
Das Länderrisiko (Geopolitik)
Einige P2P Kreditnehmer sitzen in eher instabilen Regionen.
Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat gezeigt, dass aus einem theoretischen „Länderrisiko“ über Nacht ein Totalausfall werden kann.
Kredite in der Ukraine oder Russland sind für viele Investoren seither blockiert oder verloren.
Man sollte sich beim Investieren also durchaus bewusst sein, dass Kriege oder politische Unruhen das komplette Investment in einem Land gefährden können.
Was tun gegen das Länderrisiko?
Zwei Möglichkeiten sehe ich: Auf diese Länder gleich ganz verzichten bzw.
sie entsprechend untergewichten oder damit das tun, was ich sowieso immer predige: breit diversifizieren, um das Verlustrisiko ein gutes Stück abzupuffern.
Politische Risiken durch staatliche Eingriffe in die Kreditvergabe
Regulierung & Formalitäten (Update 2026: ECSP)
Lange Zeit war der P2P Markt im Baltikum kaum reguliert. Das hat sich mittlerweile massiv geändert.
Mit der Einführung der europäischen Schwarmfinanzierungsverordnung (ECSP) gibt es nun strengere Regeln, aber auch mehr Sicherheit für Anleger.
Plattformen wie Mintos, Debitum oder Lande sind mittlerweile regulierte Wertpapierfirmen.
Bei Mintos investiert man nun in „Notes“ (Schuldverschreibungen), was neue Strukturrisiken (Emittentenrisiko der Zweckgesellschaft) mit sich bringt, aber auch mehr Transparenz schafft.
Nichtsdestotrotz ist man z.B. auch als Mintos Anleger nicht davor gefeit, dass einem überraschend eine Sperre bei der Einzahlung von größeren Summen aktiv wird und man erklären muss, woher das Geld kommt (KYC/AML-Prüfungen).
Dies dient der Bekämpfung von Geldwäsche, kann aber nervig sein.
Was tun gegen Regulierungsrisiken?
Da kann man wohl nichts tun, man kann das aber auch positiv sehen – zwar werden solche Regulierungen die Prozesse verkomplizieren und damit verteuern, allerdings können sie für Anleger auch dafür sorgen, dass Mindeststandards eingehalten werden und zumindest die ganz groben bzw. offensichtlichen Betrugsfälle erschwert werden.
Vor Insolvenzen freilich (siehe Collateral) schützen diese auch nicht zu 100%.
Länderspezifische Steuern (Quellensteuer-Chaos 2026)
Mit der Investition im Ausland geht man immer das Risiko ein, dass man eine Quellensteuer im Ursprungsland auf die Zinseinnahmen entrichten muss.
2026 ist das Thema heißer denn je:
- Lettland (Mintos, Debitum, Twino): Hier greift oft eine Quellensteuer von 5% für EU-Privatanleger. Diese 5% sind in Deutschland auf die Kapitalertragssteuer anrechenbar.
- Litauen (PeerBerry, Crowdpear): Hier beträgt die Standard-Quellensteuer oft 15%. Das Problem: Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) sieht oft nur eine Anrechnung von 10% vor. Um die Steuer auf 10% oder gar 0% zu senken, müsst ihr oft eine Ansässigkeitsbescheinigung (DAS-1 Formular) einreichen. Wer das vergisst, verschenkt Rendite!
Was tun gegen das Steuerrisiko?
Die Quellensteuer lässt sich auf die eigene Steuerlast zum Teil ganz oder zumindest teilweise anrechnen.
Details finden sich beim Bundeszentralamt für Steuern. Bei einigen Plattformen kann man sich auch davon befreien lassen oder den Satz reduzieren;
dazu bedarf es der erwähnten Ansässigkeitsbescheinigung nach DBA von der Bundesfinanzverwaltung, ein recht überschaubarer Aufwand.
Zudem ist das Thema Verlustverrechnung in Deutschland („endgültiger Ausfall“) weiterhin komplex und oft erst nach Jahren möglich.[/su_section]
Der P2P Anleger als Risiko
Freut mich, dass ihr bis hier durchgehalten habt.
Eigentlich gehört dieser Punkt ganz nach vorne, bei diesem habt ihr am meisten selbst in der Hand und könnt dafür sorgen, dieses Risiko zu managen.
Gier und fehlende Diversifikation
Hohe Zinsen und ähnliche Renditeerwartungen sorgen bei dem ein oder anderen sicher dafür, dass sich der alte Spruch „Gier frisst Hirn“ bewahrheitet.
Woher kommt denn die Rendite? Natürlich vom Risiko. Wie hoch muss das Risiko sein, um eine Rendite von 12% und mehr in einem normalen Zinsumfeld anbieten zu können?
Was tun gegen mich als Risiko?
Manchmal reicht es einfach, einen kleinen Schritt zurückzugehen und sich das klarzumachen.
Angebote, die als zu schön erscheinen, um wahr zu sein, sind es oft auch nicht.
Weder darf man alles glauben, noch den weitaus größten Fehler machen und „all in“ gehen.
Auch wenn man dann eventuell mit etwas weniger Rendite unterm Strich rausgeht, ist gutes Vermögensmanagement meiner Meinung nach nicht per se Gewinnmaximierung, sondern grundsätzlich Risikominimierung.
Auch wenn ich im P2P Umfeld an vielen Stellen tatsächlich nach maximaler Rendite strebe, so tue ich das allerdings eben nicht im ganzen Vermögensportfolio.
Da macht P2P nur einen kleinen Teil meines Vermögens aus, an der globalen Stelle halte ich mich weitgehend an die Kommersche Strategie aus „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“;
dazu schreibe ich an anderer Stelle auch noch einmal ein paar Worte.
Eine deutlich höhere Gewichtung halte ich auch für „riskant“ und ab 20% und mehr dann nur geeignet für Menschen, die wissen (oder glauben zu wissen), was sie da tun.
Für mich persönlich wäre das nichts.
Und auch innerhalb meiner P2P Anlagen diversifiziere ich massiv, auf allen Ebenen und auch über die Kreditarten wie Immobilienprojekte, Business- und Konsumentenkredite hinweg, um möglichst breit aufgestellt zu sein, damit eine Krise/Einbruch oder Totalausfall mir nicht das ganze Segment mit in den Abgrund zieht.
Der Mangel an Liquidität
P2P Kredite als Anlageklasse sind nur bedingt liquide, auch wenn Kreditgeber damit werben (siehe oben), ist das Geld oft über Monate bis hin zu mehreren Jahren gebunden.
Dies nicht einmal durch außergewöhnliche Ereignisse, sondern allein dadurch, dass es auch lang laufende Kredite von mehreren Jahren gibt, die ich auch gerne mit ins Portfolio aufnehme.
Kommen dann noch Recovery Prozesse dazu, erhöht sich das gerne um weitere Jahre.
Also alles zusammen keine gute Grundlage für eine hohe Liquidität.
Was tun gegen Liquiditätsrisiken?
Der Fakt mitigiert sich allerdings wieder über die Tatsache, dass bei einer hohen Diversifikation regelmäßige Mittelrückflüsse durch Zinszahlungen, Tilgungen und Rückkäufe gegeben sind.
Weiterhin bieten viele Plattformen auch einen Zweitmarkt für die Kreditanteile an;
auf diesem kann man je nach Kreditzustand auch ohne große Kosten Kredite verkaufen (wenn Käufer da sind).
Aber Achtung: Wie oben erwähnt, schließen einige Plattformen (Bondora) diesen Markt mittlerweile oder schränken ihn ein. Prüft vor dem Investieren, ob ein „Exit“ überhaupt möglich ist!
Krankheit oder das Finale, der Todesfall und das Vererben
Ein Thema, das ich auch an anderer Stelle noch deutlich vertieft habe. Jedem ist klar: Eines Tages und leider in der Regel eher überraschend kommt das Thema des eigenen Lebensendes oder aber auch eine Situation, in der wir, warum auch immer, über eine längere Zeit nicht mehr selbst handlungsfähig sind.
Bei klassischen inländischen Konten und Depots ist das recht gut geregelt, mit entsprechender Vollmacht oder einem Erbschein erhalten berechtigte Personen Zugriff auf diese.
Bei ausländischen ist das schon ein Stück schwieriger und bei P2P vermutlich noch einmal deutlich mehr.
Ob gerade die nicht etablierten Plattformen dafür überhaupt einen Prozess haben?
Und dann gilt es auch noch das entsprechende Wissen zu vermitteln, was mit den Konten denn getan werden soll, bzw.
was das denn alles ist…
Was tun gegen das Leben?
Ich bin an der Stelle auch noch nicht 100% „sauber“ aufgestellt.
So habe ich immerhin alle Zugangsdaten zentral in einem Passwort Safe (Keepass eine kostenlose Lösung) erfasst und verteile die regelmäßig an die für mich relevanten Personen.
Die Anleitung, wie dann mit all den Konten & Depots zu verfahren ist, steht aus – kann ja schlecht sagen: „Lies die hunderte Beiträge von meinem Blog, danach flutscht es schon“ 🙂
Fazit zu den P2P Kredite Risiken
Eine ganze Menge an Risiken, die man sich mit P2P Krediten in sein Portfolio holt! 7

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