Ist P2P tot? Die Frage stellt man sich fast von selbst, wenn man die Panik nach dem Fall Ventus Energy sieht. Und dahinter steckt meist noch eine zweite: Welche Plattform ist die nächste? Verständlich. Aber das ist nicht die zentrale Frage, die jetzt mein Geld schützt.

Ist P2P tot, dank Ventus? Was der Fall für die Diversifikation bedeutet!

Ist P2P tot? Die Frage stellt man sich fast von selbst, wenn man die Panik nach dem Fall Ventus Energy sieht. Und dahinter steckt meist noch eine zweite: Welche Plattform ist die nächste? Verständlich. Aber das ist nicht die zentrale Frage, die jetzt mein Geld schützt.

Was mich schützt, sind meine eigenen Hausaufgaben, und die bestehen aus mehreren Bausteinen, nicht aus einem einzigen Schalter, den man umlegt. Das ganze Thema reguliert gegen unreguliert, was eine Lizenz leistet und wo ihre Grenzen liegen, steht im Grundlagenartikel Regulatorisches Risiko bei P2P. Hier schaue ich von der Anlegerseite drauf. Die Details zum Fall Ventus selbst stehen im Ventus-Erfahrungsbericht und in der Podcast-Folge mit Lars.

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Trifft es jetzt wirklich alle?

Dass der Ventus-Fall reihenweise andere Plattformen umwirft, halte ich für unwahrscheinlich. Dafür sind die Strukturen zu unterschiedlich. Und genau das ist der Punkt: Die Plattformen unterscheiden sich, und diese Unterschiede lassen sich bis zu einem gewissen Grad einschätzen.

Der konkrete BaFin-Vorwurf, ein unerlaubtes Einlagengeschäft, passt nur auf Plattformen, die das Geld als unbedingt rückzahlbares Direktdarlehen selbst einsammeln, nicht auf reine Forderungskäufer. Wer der Schuldner ist und wie der Vertrag gebaut ist, steht oft in den Unterlagen. Abschließend klären kann ich das als Anleger nicht, aber eben auch nicht gar nicht. Welche Lizenztypen es gibt und was sie leisten, steht ausführlich im Grundlagenartikel zum regulatorischen Risiko.

Worauf es nach Ventus wirklich ankommt

Worauf ich achte: Das Tragische am Fall Ventus ist für mich nicht, dass eine unregulierte Plattform ins Straucheln geraten ist. Sondern dass viele Anleger ihre Prinzipien über Bord geworfen haben, oder nie welche hatten. Für mich greifen nach so einem Fall mehrere Dinge ineinander.

Das eine ist die Einschätzung, so weit sie eben geht. Ich versuche zu verstehen, wer mein Schuldner ist und wie das Investment rechtlich konstruiert ist, auch wenn ich das als Laie nur schwer abschließend beurteilen kann. Das nimmt mir die Unsicherheit nicht komplett, schärft aber das Bild.

Das andere ist die Haltung zur Größe. Geld, das ich auf einer einzelnen Plattform liegen habe, schreibe ich gedanklich erst einmal ab. Nicht weil ich mit dem Ausfall rechne, sondern weil mich das davor bewahrt, einer einzelnen Sache zu viel anzuvertrauen.

Fremdkapital für P2P kam für mich dabei noch nie infrage und wird es auch nicht. Niemals würde ich mehr in ein einzelnes Investment stecken, als ich tatsächlich habe, und schon gar nicht zusätzliches Geld dafür aufnehmen. Ein Hebel kehrt sich im Schadensfall nämlich gnadenlos um: Fällt das Investment aus, ist nicht nur mein Einsatz weg, die Schulden bleiben trotzdem. Aus einem Teilverlust wird so schnell ein Minus, das größer ist als die Position selbst. Bei einem ohnehin riskanten Investment mit zweistelligen Zinsen ist mir dieses Spiel die paar Prozentpunkte mehr nicht wert.

Und der Baustein, der am Ende dafür sorgt, dass mich ein Einzelschaden nicht blank dastehen lässt, ist breite Streuung. Sie löst nicht das einzelne Problem, aber sie sorgt dafür, dass kein einzelnes Problem mich umwirft. Wie ich ein Portfolio über verschiedene Plattformen, Kreditarten und Länder aufbaue und diversifiziere, habe ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben.

Was bei mir nach Ventus gilt

  • Einschätzen, was sich einschätzen lässt: wer ist Schuldner, wie ist der Vertrag gebaut.
  • Keine einzelne Plattform wird zum Fundament, jede bleibt Beimischung.
  • Niemals Fremdkapital oder Hebel auf P2P-Kredite, für mich noch nie ein Thema.
  • Streuen über Plattformen, Kreditarten und Länder, als Netz für alles, was sich nicht abschließend klären lässt.

Warum die Vorteile von P2P bleiben

Heißt das, dass sich P2P nicht mehr lohnt? Für mich nicht. Die Gründe, aus denen ich überhaupt hier investiere, sind durch Ventus nicht verschwunden.

Die Korrelation zu Aktien und klassischen Anleihen ist gering, das hilft dem Gesamtdepot in unruhigen Phasen. Der Cashflow läuft Monat für Monat, statt dass ich auf Kursgewinne warte. Und die Rendite bleibt unterm Strich, auch nach Ausfällen, für mich attraktiv, sonst wäre ich längst raus.

Wie viel diese Rendite einen einzelnen Ausfall verkraftet, habe ich für mich einmal durchgerechnet. Ich habe meine Ventus-Position gedanklich komplett abgeschrieben, also einen Totalverlust unterstellt. Über meine gesamte P2P-Laufzeit bleibt selbst dann noch ein interner Zinsfuß von knapp 8 Prozent pro Jahr. Im laufenden Jahr, in dem so ein Abschreiber voll durchschlägt, sind es immer noch knapp 5 Prozent. Ein Totalverlust auf einer einzelnen Plattform tut weh, keine Frage. Aber er wirft mich nicht um, und genau das ist der Sinn hinter der breiten Streuung.

Diese Vorteile gelten aber nur, solange die Mischung stimmt. Eine einzelne Plattform, die plötzlich 30 Prozent des Portfolios ausmacht, macht aus all diesen Vorteilen schnell ein Klumpenrisiko. Wie so eine wetterfeste Mischung konkret aussieht, vom ersten Euro bis zum diversifizierten Portfolio, habe ich in einer dreiteiligen Serie Schritt für Schritt aufgebaut:

Mein Schritt-für-Schritt-Plan: die Anfänger-Serie

Wie man so einen Vertrag liest: das Beispiel Devon

Was heißt „sich die Konstruktion anschauen“ eigentlich konkret? Man muss kein Jurist sein, um die entscheidenden Stellen zu finden. Drei Dinge schaue ich mir an: Wer ist am Ende mein Schuldner? Ist die Rückzahlung unbedingt, oder hängt sie an Bedingungen? Und steckt eine Nachrang- oder Rangrücktrittsklausel im Vertrag? Wie aufschlussreich, und wie ernüchternd, das sein kann, sehe ich gerade an einem echten Beispiel, meinem eigenen Vertrag bei Devon, Stand September 2025.

Devon nimmt das Geld als Direktdarlehen auf, mit 15 Prozent verzinst, und reicht es an die eigene Entwicklergesellschaft weiter. So weit ließe sich das dem Ventus-Muster zuordnen.

Was hier auffällt: In Abschnitt 11 steckt aber inzwischen ein qualifizierter Rangrücktritt, und Devon erklärt die Folge im Vertrag selbst erstaunlich offen.

Was der Vertrag selbst sagt (Abschnitt 12, sinngemäß):

Durch den Rangrücktritt wird aus dem Darlehen wirtschaftlich Eigenkapital, gleichgestellt mit dem Kapital der Gesellschafter. Der Anleger trägt ein unternehmerisches Risiko bis zum Totalverlust, bekommt dafür aber keine Mitsprache- oder Informationsrechte.

ist p2p tod dank Ventus?
Der Devon Vertragspassus

Für die BaFin-Frage entschärft dieser Rangrücktritt die Lage, denn meine Rückzahlung ist damit nicht mehr unbedingt.

Nur wird aus dem Darlehen für mich als Anleger damit faktisch Eigenkapital, und ob so eine Klausel im Ernstfall vor allem auch rückwirkend hält, klärt am Ende ein Gericht. Genau deshalb bleibt es bei beidem: hinschauen, soweit es geht, und die Position trotzdem kleinhalten. Asterra Estate hat seinen Vertrag übrigens ähnlich umgestellt.

Mein Fazit

Ist P2P nach Ventus tot? Für mich nicht, aber das Umfeld bleibt eine Weile rau. Welche Plattform als Nächstes wackelt, kann ich nicht vorhersagen. Ob mein Portfolio einen einzelnen Ausfall verkraftet, habe ich dagegen selbst in der Hand, und genau dort setze ich an.

Ich habe inzwischen meine unregulierten Plattformen direkt angeschrieben und ihnen die unbequemen Fragen gestellt. Sobald die Antworten da sind, oder eben ausbleiben, ordne ich das im Blog natürlich dann ein.

Wie haltet ihr es gerade, achtet ihr auf eine feste Obergrenze pro Plattform, oder zählt am Ende vor allem die Rendite? Schreibt es mir in die Kommentare.

Zuletzt aktualisiert am: 25. Juni 2026

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Auf fast allen Plattformen, über die ich berichte, bin ich selbst investiert. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Investitionen in P2P-Kredite und vergleichbare Vermögensanlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalausfall verbunden. Renditen in der Vergangenheit sind keine Garantie für die zukünftige Entwicklung. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich.

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4 Gedanken zu „Ist P2P tot, dank Ventus? Was der Fall für die Diversifikation bedeutet!

  1. Jan

    Hallo Thomas,
    Danke für den interessanten Artikel! Glücklicherweise habe ich nicht bei Ventus investiert. Warum? Ich sehe immer noch das Baltikum-Risiko durch den leider weiter laufenden Krieg. Plattformen, die ausschließlich oder hauptsächlich ihr Portfolio im Baltikum haben, habe ich deshalb in den letzten Monaten abgebaut. Bei Ventus kam dazu, dass mir der Hype und die hohen Zinsen kein gutes Gefühl vermittelt haben.
    Bei Lars las ich mal, dass er in keine Plattform mehr investiert, als er an Zinsen mit dem Gesamtportfolio im Jahr verdient. Ähnlich mache ich dass auch. Ich versuche in keiner meiner rund 20 Plattformen mehr als 10% der Gesamtsumme zu investieren. Allerdings weiche ich schon vorübergehend davon ab, etwa bei Cashbacks.
    Bei der Frage ob reguliert oder nicht tue ich mich schwer die unregulierten Plattformen zu benachteiligen, da sie oft gut laufen. Ich schaue mir eher den Track-Rekord an. Eine Voraussetzung für ein größeres Investment ist für mich, dass die Plattform schon fünf Jahre oder langer läuft. In dieser Zeit hätten sich, so meine Einschätzung, gröbere rechtliche Schwierigkeiten herausstellen sollen. Klar, ist keine Garantie aber ein Anhaltspunkt. Typische Verteter dieser Gattung sind z.B. bondora, swaper, iuvo, monefit (Creditstar) oder robocash.
    Ich bin gespannt, was bei deiner Recherche bei den „Unregulierten“ herauskommt. Vllt. führt das auch bei mir zu Umbaumaßnahmen.

    Beste Grüße und einen entspannten Sommer!

    Jan

    Antworten
    1. Thomas Butz Beitragsautor

      Hallo Jan,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar, das sind sehr wertvolle Gedanken.

      Das mit der 10%-Regelung kenne ich gut. Ich habe das in einem anderen Artikel auch so beschrieben, bei unregulierten Plattformen gehe ich eher von 5 % als Maximalanteil aus. Natürlich ist das nur eine Daumenregel, die etwas Luft zum Atmen lässt. Gerade bei Cashback-Aktionen oder kurzfristigen Chancen kann man da mal aus der Reihe tanzen, ohne gleich zu viel Risiko einzugehen.

      Deine Einschätzung zum Baltikum-Risiko teile ich teils. Der Krieg wirkt wie ein Schatten und viele Anleger haben ihr Exposure in dieser Region stark reduziert.
      Gerade bei Plattformen, die stark auf baltische Kredite setzen, ist das Risiko nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern auch politisch getrieben. Das sollte jeder für sich bei der Portfolioaufstellung mit bedenken.

      Was die Regulierung angeht: Nur nach reguliert oder nicht zu gehen, greift natürlich zu kurz.
      Für mich zählen auch der Track Record und die Stabilität über mehrere Jahre. Fünf Jahre Laufzeit empfinde ich als guten Richtwert, um erste Schwachstellen sichtbar werden zu lassen. Die von dir genannten Plattformen wie Bondora, Swaper oder Robocash zeigen, dass unregulierte Anbieter auch solide funktionieren können, wenn sie transparent arbeiten und eine gewisse Historie vorweisen, ob au.

      Bei meinen Mail Antworten zu den unregulierten Plattformen sind die Rückmeldungen bislang eher verhalten ausgefallen. Vielleicht liegt es an der Ferien- und Feiertagszeit. Ich hoffe, dass sich in den nächsten Wochen mehr tun wird.
      Wir werden sehen…
      Dir ebenfalls einen entspannten Sommer!

      Beste Grüße
      Thomas

      Antworten
  2. Jan

    Danke für die ausführliche Antwort! … und siehe da, schon das nächste Problem, diesmal aber mit einer meines Wissens nach regulierten Plattform: Twino, bei der ich mit immerhin 10000€ dabei bin 😉 Yippie!
    Hoffe die können das beibiegen mit den poln. Behörden, nicht dass das ganze Geschäftsmodell den Bach runter geht. Twino hatte sich nach vielen Schwierigkeiten eigentlich wieder ganz gut gemacht…

    Viele Grüße

    Jan

    Antworten
    1. Thomas Butz Beitragsautor

      Hi
      ich sehe das entspannter und habe auch ein paar Zweitmarktschnäppchen gemacht, war ja keine neue Nachricht (habe das auf meiner Twino Seite auch entsprechend eingeordnet).

      wird schon gut gehen 😉 grüße
      Thomas

      Antworten

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