Welche P2P-Plattform ist der nächste Ventus-Fall? 16 Anbieter im BaFin-Check
Nach dem BaFin-Aus für Ventus Energy fragen sich viele Anleger: Welche unregulierte P2P-Plattform ist die nächste? Und fangen die Anbieter jetzt an, ihre Hausaufgaben zu machen? Der Vorwurf gegen Ventus war ziemlich konkret: unerlaubtes Einlagengeschäft nach § 1 KWG. Ventus hatte auf Basis von Darlehensverträgen Anlegergelder eingesammelt, unbedingt rückzahlbar, jederzeit abrufbar, ohne Banklizenz und ohne getrennte Gelder. Genau diese Konstruktion ist das Muster, an dem sich seither jede unregulierte Plattform messen lassen muss.
Ich habe deshalb eine ganze Reihe dieser Plattformen mit denselben sechs Fragen zu ihrer Rechtsstruktur angeschrieben und um eine zitierfähige Antwort mit Name und Funktion gebeten. 16 haben geantwortet, und ich habe die Rückmeldungen nach einem gewichteten Schema bewertet. Wie es mit Ventus selbst weitergeht, dokumentiere ich auf meiner Ventus-Energy-Seite.
Zuletzt aktualisiert am: 18. Juli 2026
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Und noch ein Wort vorab zur Einordnung. Diese Auswertung ist mit KI-Unterstützung entstanden, und sie ist ausdrücklich keine rechtliche und erst recht keine gerichtsfeste Bewertung, dafür fehlen mir ohnehin die Expertise und die Möglichkeit, die Belege unabhängig zu prüfen. Lass dich da auch nicht von den Scoring Werten täuschen, das sind keine absoluten Zahlen.
Trotzdem hat der Vergleich für mich einen echten Mehrwert: Ich kann für mich selbst herauslesen, wer das Thema ernst nimmt, wer schon konkrete Maßnahmen ergriffen hat und wer eben nicht. Genauso ist der Score gemeint, als transparente Orientierung, nicht als Urteil.
Die drei Wege aus dem Einlagengeschäft
Warum trifft das Ventus-Urteil manche Plattformen und andere nicht? Das Einlagengeschäft nach § 1 KWG greift vor allem bei unbedingt rückzahlbaren Geldern. Es gibt drei gängige Wege, dieser Einstufung zu entgehen, und an ihnen lässt sich das ganze Feld sortieren:
- Forderungskauf (Claim-Assignment): Der Anleger kauft Forderungen und gibt der Plattform kein Darlehen, es gibt also keinen unbedingten Rückzahlungsanspruch gegen die Plattform. So arbeiten zum Beispiel Modena, Bondora, Loanch, Income, Hive5 und Robocash.
- Nachrang / qualifizierter Rangrücktritt: Die Rückzahlung ist im Insolvenzfall nachrangig und vorinsolvenzlich gesperrt, damit verliert das Geld den Einlagencharakter. Diesen Weg gehen Devon, MyPeak und Asterra.
- ECSP- oder MiFID-Regulierung: Getrennte Kundengelder und laufende Aufsicht klammern das Einlagengeschäft aus. Aber Achtung: ECSP-Anlagen sind weder durch Einlagensicherung noch durch Anlegerentschädigung geschützt, und Art. 8 ECSP-VO verbietet, eigene Projekte zu finanzieren, genau das Ventus-Muster. Auf diesem Weg sind unter anderem Triple Dragon (ECSP-Antrag), FF Forest (regulierte Anleihen) und Modena (MiFID-Antrag).
Wer wo steht und wie gut er es belegt, zeigt der Score in der folgenden Tabelle.
Die sechs Fragen an die Plattformen
Das sind die sechs Fragen, die jede Plattform bekommen hat, mit dem Kürzel, das später die Spalten der Tabelle benennt:
- (Q1) Lizenz & Aufsicht:
Ist eine Lizenzierung oder Beaufsichtigung geplant (ECSP, MiFID, Zahlungsinstitut), wenn ja welche und bis wann, wenn nein warum nicht? - (Q2) Vertragsstruktur & § 1 KWG:
Wie ist die Struktur für deutsche Anleger aufgesetzt, besteht ein Einlagengeschäft-Risiko wie bei Ventus, und wurde das rechtlich geprüft? - (Q3) Geldtrennung:
Sind eingezahlte Gelder rechtlich vom Firmenvermögen getrennt, etwa über eine lizenzierte Zahlungsstelle oder eine Treuhand? - (Q4) Bankabhängigkeit:
Wie abhängig ist die Plattform von einzelnen Banken und Zahlungsdienstleistern, und was passiert beim Wegfall einer Bankverbindung? - (Q5) Ventus-Konsequenzen:
Wurden aus dem Fall konkrete Konsequenzen gezogen, bei Verträgen, Strukturen oder der Kommunikation? - (Q6) Botschaft an Anleger:
Gibt es etwas, das die Plattform ihren Anlegern gerade jetzt mitteilen möchte?
Wie die Punkte entstehen
Jede Antwort bekommt pro Frage zwei Noten von 0 bis 3. Die Vollständigkeit misst, ob die Frage inhaltlich beantwortet wurde. Die Güte misst, wie nachprüfbar das Gesagte ist: eine Register- oder Lizenznummer und ein geteiltes Dokument zählen mehr als eine benannte Kanzlei, und die wiederum mehr als eine bloße Eigenangabe.
Die Güte zählt 60 Prozent, die Vollständigkeit 40%. Dazu sind die Fragen unterschiedlich schwer gewichtet, und diese Gewichte sind zugleich die maximal erreichbaren Punkte je Frage: Q2 (Vertragsstruktur) mit 30 am höchsten, dann Q1 mit 20, danach Q3 mit 18, Q4 und Q5 mit je 12 und Q6 mit 8, zusammen 100.
Der Effekt: Eine Frage vollständig, aber ohne Beleg beantwortet, bringt nur 60 Prozent der Punkte. Wichtig zur Einordnung: Diese Analyse genügt keinen wissenschaftlichen Ansprüchen, sie ist als Orientierungshilfe gedacht und nicht als belastbare oder gar gerichtsfeste Tatsache.
Das Ergebnis im Überblick
Auffällig ist vor allem, dass die am schwersten gewichtete Q2, die Vertragsstruktur, das Feld trennt: Genau dort entscheidet sich, ob eine Plattform nur behauptet oder etwas Belastbares vorlegt. (Tipp: Auf dem Desktop zeigt ein Mouseover über die Spaltenköpfe Q1 bis Q6 die jeweilige Frage.)
| Plattform | Q1 (20) | Q2 (30) | Q3 (18) | Q4 (12) | Q5 (12) | Q6 (8) | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Modena | 20 | 24 | 14 | 10 | 10 | 4 | 81 |
| Devon | 12 | 24 | 8 | 7 | 10 | 5 | 66 |
| Triple Dragon | 16 | 24 | 8 | 4 | 4 | 5 | 62 |
| MyPeak | 13 | 18 | 8 | 7 | 7 | 4 | 58 |
| Hive5 | 9 | 14 | 14 | 6 | 6 | 4 | 53 |
| Loanch | 9 | 18 | 11 | 6 | 6 | 4 | 53 |
| Asterra | 7 | 18 | 8 | 6 | 10 | 4 | 52 |
| Revest | 9 | 14 | 8 | 6 | 6 | 4 | 47 |
| FF Forest | 9 | 14 | 8 | 6 | 6 | 4 | 47 |
| Income | 9 | 14 | 12 | 4 | 4 | 4 | 47 |
| Esketit | 9 | 14 | 8 | 4 | 4 | 4 | 43 |
| Fintown | 7 | 14 | 8 | 4 | 6 | 4 | 42 |
| Robocash † | 7 | 14 | 8 | 6 | 4 | 4 | 42 |
| Swaper | 7 | 14 | 8 | 4 | 4 | 3 | 40 |
| Bondora | 9 | 14 | 8 | 4 | 0 | 0 | 36 |
| PeerBerry † | 9 | 10 | 8 | 0 | 0 | 4 | 31 |
| Bondster † | 0 | 14 | 8 | 0 | 4 | 4 | 30 |
| Creditstar / SmartSaver ❌ | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Wie du die Punkte liest, und wie nicht
Zu holen sind 100 Punkte, und die sind sportlich gedacht. Eine für mich belastbare Spitzengruppe bilden nur die vier ab 55 Punkten: Modena, Devon, Triple Dragon und MyPeak. Alles darunter, und erst recht das breite Feld ab 47 abwärts, hat noch einiges zu tun, bevor sich daraus etwas wirklich Positives ablesen lässt.
Am schwersten wiegt die Vertragsfrage Q2 (30 Punkte). Hier will ich mindestens 20 sehen, also einen benannten Beleg statt einer bloßen Behauptung. Das schaffen bisher nur drei Plattformen mit je 24 Punkten (Modena, Devon, Triple Dragon). Die nächste Gruppe steht bei 18, das heißt vollständig beantwortet, aber nur als Eigenangabe, der große Rest hängt bei 14, also nicht einmal das.
Und ganz wichtig: Diese Punkte messen, wie vollständig und wie belegt eine Plattform geantwortet hat, nicht wie sicher ihr Modell ist. Sie sind eine Orientierung, keine Rechts- oder Sicherheitsbewertung und keine Garantie. Für die tatsächliche Sicherheit musst du die Verträge selbst lesen, die habe ich hier bewusst nicht ausgewertet.
† Allgemeines Statement statt Frage-für-Frage-Antwort (Robocash, Bondster). ❌SmartSaver hat trotz mehrfacher † Allgemeines Statement statt Frage-für-Frage-Antwort (Robocash, Bondster, PeerBerry). PeerBerry hat auf die Frage-für-Frage-Beantwortung verzichtet und stattdessen ein Statement zum eigenen Modell geschickt, das hier wie jedes andere Statement gewertet ist; zu Bankabhängigkeit (Q4) und Ventus-Konsequenzen (Q5) enthält es keine Aussage. ❌ Creditstar/SmartSaver hat um mehr Zeit für eine Antwort gebeten, inhaltlich steht sie bis heute aus, daher 0 Punkte. Die je Frage gerundeten Punkte können in der Zeilensumme um bis zu 1 Punkt vom Gesamt-Score abweichen (Rundung). Alle Angaben sind Eigenaussagen der Plattformen, nicht unabhängig geprüft. Offenlegung: Bei den meisten dieser Anbieter bin ich Affiliate-Partner.
Regulierungs-Score: 16 unregulierte P2P-Plattformen nach dem Ventus-Fall
Gewichteter BaFin-Check, 0 bis 100 Punkte. Mit der Maus über einen Balken fahren zeigt Modell, Punkte je Frage und ein Kurzfazit.
Die vier Bestplatzierten im Detail
Die vier Bestplatzierten schreibe ich offen aus, ab dem Mittelfeld habe ich die Einschätzungen eingeklappt, damit der Beitrag nicht ewig scrollt.
Modena – Gesamt-Score 81
Modena arbeitet nach dem Forderungskauf-Modell (Claim-Assignment): Anlegergeld kauft Kreditforderungen, statt der Plattform ein Darlehen zu geben.
Bei § 1 KWG ist die Struktur benannt (G2): Das Geld ist kein unbedingt rückzahlbares Darlehen, der Buyback ist ausdrücklich Kulanz, gestützt auf ein benanntes Memorandum der Kanzlei Widen und zweifachen Regulator-Kontakt, der Gutachtentext selbst ist aber nicht geteilt. Bei der Lizenz ist Modena die einzige mit einem echt belegten Anker (G3): eine bestehende, registrierte estnische Konsumkredit-Lizenz plus terminierter MiFID-Antrag zum Ende des Sommers.
Geldtrennung über die eigene lizenzierte Zahlungsstelle, ein offen benannter Bank-Worst-Case und die klare Ventus-Abgrenzung machen die substanziellste Antwort im Feld, alles aber estnisch reguliert und ohne deutsche BaFin-Einschätzung.
Modena leiht sich kein Geld von den Anlegern, sondern wir verkaufen Vermögenswerte (Kreditforderungen).
Oliver Matt, ModenaAlle sechs Antworten im Wortlaut stehen im Modena-Erfahrungsbericht.
Devon – Gesamt-Score 66
Devon zieht über nachrangige Darlehen Kapital ausschließlich für die eigenen Immobilien-SPVs der MJL Group ein (Eigenfinanzierung, kein Marktplatz).
Bei § 1 KWG ist die Struktur benannt (G2): Nachrang nach § 39 InsO und gestrichene unbedingte Rückzahlung greifen genau das Ventus-Kriterium an. Das bestätigende deutsche Rechtsgutachten ist inzwischen namentlich bei KPMG Deutschland beauftragt, liegt aber noch nicht vor. Beim Fahrplan sind AIFP-Regime und EFSA-vorgeprüfter Prospekt benannt, jedoch ohne Termin, weshalb Q1 als Eigenangabe bleibt.
Geldtrennung (aktuell nur separate Konten, echte Segregation in Prüfung) und mehr als fünf Bankpartner runden die vollständigste Antwort im Feld ab. Die Vertragsänderungen als Ventus-Konsequenz sind inzwischen ausgerollt und von 96 % der Anleger angenommen und liegen bei einem benannten Prüfer, weshalb Q5 von Eigenangabe auf benannt (G2) steigt.
Update Juli 2026: MJL-CEO Janis Lagzdins hat der Community KPMG Deutschland als Gutachter, die 96-prozentige Annahme der neuen Verträge, den AIFP-Fahrplan mit Feeder-Vehikel für Privatanleger und erstmals die Asset-Basis offengelegt (über 40 Mio. € Immobilienportfolio, aktiv seit 1993, zurückgezahlte Darlehen bei Villa Astor und Barona 92). Das hebt Devon von 64 auf 66 Punkte, am Rang ändert es nichts. Offen bleiben Gutachten, Lizenz und Segregation, und das Klumpenrisiko der reinen Eigenfinanzierung bleibt bewusst bestehen.
Das Darlehen ist ausdrücklich nach § 39 InsO nachrangig. Dadurch kann das Instrument nicht als Einlage nach § 1 KWG eingestuft werden.
Toms Bērzkalns, COO DevonAlle sechs Antworten im Wortlaut stehen im Devon-Erfahrungsbericht.
Triple Dragon – Gesamt-Score 62
Triple Dragon operiert auf Assignment-Basis (Forderungskauf); investierte Gelder wandern schnell an die gruppeneigene Lending Company.
Bei § 1 KWG ist die Antwort benannt (G2): ein bereits vorliegendes Rechtsgutachten, das das Einlagengeschäft explizit verneint, jetzt mit benannter Kanzlei (Liberius Legal, Gilles Bropsom), der Gutachtentext selbst bleibt aber unter Verschluss. Beim Fahrplan ist der ECSP-Antrag in Luxemburg benannt (G2): der Regulator-Call ist erfolgt, die Zeitschiene liegt bei sechs bis zwölf Monaten, offiziell eingereicht ist er aber noch nicht.
Die Geldtrennung räumt Triple Dragon selbst als nicht insolvenzfest ein, Q4 und Q5 bleiben sehr knapp, insgesamt eine rechtlich starke, sonst aber dünne Antwort.
Wir haben ein Rechtsgutachten, das genau dieses Risiko ausdrücklich geprüft hat und bestätigt, dass wir kein Einlagengeschäft betreiben.
Vitālijs Zalovs, Triple DragonAlle sechs Antworten im Wortlaut stehen im Triple Dragon-Erfahrungsbericht.
MyPeak – Gesamt-Score 58
MyPeak vergibt Geschäftskredite ausschließlich an Unternehmen der eigenen Amitours-Holding (Eigenfinanzierung im alpinen Reisesektor).
Bei § 1 KWG bleibt es trotz des am saubersten ausformulierten qualifizierten Rangrücktritts nach § 19(2) bei einer Eigenangabe (G1), weil für diese Einordnung kein eigenes Gutachten und keine Kanzlei benannt sind. Beim Fahrplan ist immerhin KPMG als Prüfer benannt (G2), die Lizenzentscheidung fällt aber erst Ende 2026 und ein Antrag liegt nicht vor.
PSD2-Geldtrennung mit namenlosem Anbieter, über 30 Bankkonten und der gestärkte Rangrücktritt als Ventus-Konsequenz vervollständigen eine sehr vollständige, aber überwiegend unbelegte Antwort.
Nach einer umfassenden rechtlichen Prüfung haben wir unseren Standard-Darlehensvertrag um einen präzise formulierten qualifizierten Rangrücktritt ergänzt.
Rihards Sakovics, CEO Mypeak.financeAlle sechs Antworten im Wortlaut stehen im MyPeak-Erfahrungsbericht.
Das Mittelfeld und die hinteren Plätze
Zum Aufklappen: pro Plattform Name und Score, darunter meine Einschätzung mit Zitat und dem Link auf den vollständigen Erfahrungsbericht.
Die beiden Sonderfälle: PeerBerry und Creditstar/SmartSaver
Zwei Anbieter fallen aus dem Raster, weil sie den Fragebogen nicht Frage für Frage beantwortet haben. Der eine hat trotzdem etwas geliefert, der andere bis heute nicht.
PeerBerry hat auf die Frage-für-Frage-Beantwortung verzichtet und stattdessen ein Statement zum eigenen Modell geschickt, gezeichnet von CEO Arūnas Lekavičius: kroatische Aufsicht, ein Modell auf Basis von Forderungsrechten, getrennt gehaltene Kundengelder und die Bereitschaft, sich regulieren zu lassen, sobald Kroatien einen passenden Rahmen schafft. Dieses Statement werte ich wie jedes andere auch, genauso wie bei Robocash und Bondster. Das ergibt 31 von 100 Punkten: alles Eigenangabe ohne Beleg, dazu keine Aussage zur Bankabhängigkeit und zu den Ventus-Konsequenzen. Damit steht PeerBerry am unteren Rand des Feldes, aber im Feld. Den vollständigen Wortlaut und meine Einordnung findest du im PeerBerry-Erfahrungsbericht.
Update Juli 2026: In der ersten Fassung hatte ich PeerBerry als Nicht-Teilnahme mit 0 Punkten geführt. Das war zu streng. PeerBerry hat zwar auf den Fragebogen verzichtet, sich inhaltlich aber sehr wohl geäußert, und dieses Statement gehört nach denselben Regeln gewertet wie die der anderen. Deshalb stehen jetzt 31 Punkte.
Bei Creditstar/SmartSaver habe ich mindestens zwei-, teils dreimal über die üblichen Support-Kanäle nachgefragt. Ende Juni kam die Antwort des Produktverantwortlichen, er wolle sich für eine durchdachte Antwort etwas Zeit nehmen. Inhaltlich kam seitdem nichts. Eine Bitte um mehr Zeit ist eine Antwort, aber keine Auskunft, und Zeit war reichlich. Damit bleibt Creditstar/SmartSaver die einzige Null im Feld, schlicht weil es ohne Antwort weder Vollständigkeit noch Belastbarkeit zu messen gibt. Sobald etwas kommt, trage ich es nach.
Ein Wort zur Vollständigkeit: Plattformen, die hier nicht auftauchen, habe ich für diese Umfrage schlicht nicht angeschrieben. Die Auswertung lebt, und ich ergänze Nachzügler, sobald belastbare Antworten da sind. Wenn du denkst, ich habe eine wichtige vergessen, rein damit in die Kommentare.
Häufige Fragen zu P2P-Plattformen und der BaFin
Was hat die BaFin Ventus Energy vorgeworfen?
Unerlaubtes Einlagengeschäft nach § 1 KWG. Ventus nahm auf Basis von Darlehensverträgen unbedingt rückzahlbare Gelder deutscher Anleger an, ohne den Rückzahlungsanspruch in einer Schuldverschreibung zu verbriefen und ohne die nötige BaFin-Erlaubnis. Die BaFin ordnete am 5. Mai 2026 die Einstellung und Abwicklung an.
Ist Ventus Energy insolvent, bekomme ich mein Geld zurück?
Formal ist es keine Insolvenz: Ventus hat am 11. Juni 2026 ein gerichtlich begleitetes Restrukturierungsverfahren in Estland eingeleitet und den normalen Betrieb eingestellt. Wie viel Anleger zurückbekommen, ist offen, denn die Wallet-Gelder waren mangels Banklizenz nicht getrennt verwahrt, und der größte Teil des Kapitals steckt im nachrangigen Mezzanine-Teil. Den aktuellen Stand halte ich auf meiner Ventus-Energy-Seite fest.
Welche P2P-Plattformen sind vom BaFin-Risiko betroffen?
Das Risiko trifft vor allem Modelle mit unbedingt rückzahlbaren Darlehen an die Plattform selbst. Anbieter mit Forderungskauf-, Nachrang- oder Regulierungsstruktur sind strukturell weiter vom Ventus-Muster entfernt. In diesem BaFin-Check habe ich 16 Plattformen genau danach bewertet, wie weit ihr Modell entfernt ist und wie gut sie das belegen.
Ist eine regulierte P2P-Plattform automatisch sicher?
Nein. Eine Lizenz verbessert Transparenz und Aufsicht, schützt aber nicht vor Verlust. ECSP-Anlagen sind weder durch eine Einlagensicherung noch durch eine Anlegerentschädigung geschützt, und Art. 8 der ECSP-Verordnung verbietet Plattformen, eigene Projekte zu finanzieren.
Welche Plattform hat im BaFin-Check am besten abgeschnitten?
Modena mit 81 von 100 Punkten, als einzige mit einem echt belegten Anker (registrierte estnische Lizenz und ein benanntes Kanzlei-Memorandum). Dahinter folgen Devon (66) und Triple Dragon (62).
Welche Plattformen haben nicht geantwortet?
Nur eine: Creditstar/SmartSaver. Ende Juni kam die Bitte um mehr Zeit für eine durchdachte Antwort, inhaltlich kam seitdem nichts, daher 0 Punkte. PeerBerry hat zwar auf die Frage-für-Frage-Beantwortung verzichtet, aber ein Statement zum eigenen Modell geschickt; das ist wie jedes andere Statement gewertet und ergibt 31 Punkte. Plattformen, die im Beitrag nicht auftauchen, habe ich für diese Umfrage nicht angeschrieben.
Was das Feld insgesamt zeigt
Halten wir fest: Die Plattformen fangen tatsächlich an, ihre Hausaufgaben zu machen, und das ist die eigentlich gute Nachricht dieses Durchgangs. Bevor ich das persönlich einordne, hier die vier Dinge, die ich für mich und für euch aus dem Feld mitnehme.
Was ich daraus mitnehme
- Bewegung ist da.
Mehrere Plattformen haben ihre Verträge strukturell umgebaut, mit Nachrang, Forderungskauf oder Claim-Modellen, also genau an dem Punkt, den die BaFin bei Ventus angegriffen hat. - Offenheit ist noch kein Beleg.
Wer viel und vollständig antwortet, steht nicht automatisch gut da. Die Q2-Spalte zur Vertragsstruktur trennt das Feld, weil dort ein benanntes Gutachten den Unterschied macht. - Belege sind noch die Ausnahme.
Nur Modena kommt mit registrierter Lizenz und benanntem Memorandum über die reine Eigenangabe hinaus, der Rest bewegt sich zwischen „benannt, aber nicht geteilt“ und „plausibel behauptet“. - Schweigen ist auch eine Antwort.
Eine Plattform reagiert trotz mehrfacher Nachfrage bis heute nicht inhaltlich. Das ordne ich für mich anders ein als einen offenen, noch unfertigen Umbau.
Für mich überwiegt am Ende trotzdem das Positive. Es ist Bewegung im Feld, mehrere Anbieter arbeiten erkennbar an sich, und ich schaue der nächsten Runde mit einer gewissen Zuversicht entgegen.
Was dabei nicht aus dem Blick verloren werden darf: Ein sauberer Vertrag auf dem Papier ist noch kein belegtes Gutachten, und genau diese Lücke bleibt der Punkt, den es weiter zu beobachten gilt.
Und auch wenn ein Gutachten vorhanden ist, bedeutet das ebenfalls keine 100% Sicherheit, aber natürlich mehr als komplett ohne. Mehr rechtliche Sicherheiten hat man eben nur mit der Regulierung.
Wie seht ihr das, gebt ihr einer Plattform, die sichtbar umbaut, aber noch kein Gutachten vorlegt, den Vertrauensvorschuss, oder zählt für euch am Ende nur, was schwarz auf weiß belegt ist?
Und welche Plattform fehlt mir noch, die ich anschreiben soll in der Liste?
Zuletzt aktualisiert am: 18. Juli 2026
Haftungsausschluss & Interessenkonflikt
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Ich besitze keine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler nach § 34f GewO und bin nicht von der BaFin zugelassen. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar.
Auf fast allen Plattformen, über die ich berichte, bin ich selbst investiert. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Investitionen in P2P-Kredite und vergleichbare Vermögensanlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalausfall verbunden. Renditen in der Vergangenheit sind keine Garantie für die zukünftige Entwicklung. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich.
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