Meine P2P-Story: Vom Spiel zur Assetklasse

P2P Kredite waren für mich 2017 ein Spiel. Nicht als Floskel, sondern ganz wörtlich. Neben dem langweiligen Buy-and-Hold-Ansatz mit ETFs wollte ich irgendwo noch mit Geld „spielen“, ohne es dabei einfach zu verbrennen wie bei Poker oder Lotto. Daher auch der Name dieses Blogs.

Fast zehn Jahre später liegen knapp 200.000 Euro in P2P Krediten und werfen im Monat gut 1.800 Euro an Zinsen ab, vor Steuern. Absehbar war das 2017 in keiner Weise. Wann genau hört ein Spiel eigentlich auf, eines zu sein? Genau darum geht es hier: um meinen Weg von der Spielwiese zur Assetklasse, mit allem Lehrgeld dazwischen.

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Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Der in Aussicht gestellte Ertrag ist nicht gewährleistet und kann auch niedriger ausfallen.

Der Einstieg 2017: eine Spielwiese, die sich als Geldanlage verkaufen ließ

Der Ausgangspunkt war unspektakulär. Mein ETF-Depot lief fast nach Lehrbuch (frei nach Gerd Kommer), tat brav seinen Dienst und war ungefähr so aufregend wie eine Kontoauszugsrolle. Ich wollte etwas zum Schrauben. Etwas, bei dem ich rechnen, vergleichen und justieren kann, das ich mir aber mit halbwegs gutem Gewissen auch als Geldanlage verkaufen konnte.

Beim Crowdinvesting bin ich dann hängengeblieben, genauer beim Crowdlending. Zweistellige Zinsen, ein Marktplatz voller Kreditgeber aus dem Baltikum, Auto-Invest-Regeln, an denen sich endlos drehen ließ. Für jemand, der sich in der Informatikwelt mit Excel-Affinität bewegt, war das die passende Mischung aus Rechnerei und Spieltrieb. Und anders als beim Lotto stand am Ende wenigstens eine Forderung gegen jemanden, der zurückzahlen sollte.

Gleich zu Beginn des Blogs habe ich mich zu einem Satz hinreißen lassen, der bis heute steht:

P2P ist in meinen Augen ein Spiel mit dem Feuer, sprich Risiko und ich empfehle es wirklich keinem es, als ernsthafte alleinige Geldanlage zu verwenden. Sondern als interessantes Zusatzeinkommen nebenbei zu betreiben, für mich sind ein Anteil von um die 10 % meines Gesamtvermögens das obere Limit!Thomas Butz, p2p-game.com 2017

Heute sehe ich das differenzierter, im Kern hat der Satz aber überwiegend gehalten. Angefangen hatte ich mit weniger als tausend Euro pro Anbieter und rund 5 % vom Gesamtvermögen, einfach um ein Gefühl für die Sache zu bekommen. Der Rest war Neugier und ziemlich viel Naivität.

Kurz zur Abgrenzung: Was P2P Kredite überhaupt sind, wie die Plattformen verdienen und wie ein Einstieg praktisch abläuft, habe ich in den P2P Grundlagen aufgeschrieben. Auf dieser Seite geht es ausschließlich um meine eigene Geschichte.

Die Ernüchterung: als aus dem Spiel Ernst wurde

Die Quittung kam 2019 und 2020. Kuetzal, Envestio, Monecera, Grupeer. Plattformen, die ich teilweise selbst im Portfolio hatte, waren binnen Wochen Geschichte, mitsamt dem Geld der Anleger. Was vorher wie ein Wettbewerb um die besten Zinsen aussah, entpuppte sich in Teilen als Wilder Westen mit sehr gut gemachten Webseiten.

Ich habe dabei Geld verloren. Existenzbedrohend war das nicht, weil meine selbst gesetzte 10-Prozent-Grenze gehalten hat. Weh getan hat es trotzdem, und meine Durchschnittsrendite ist von rund 11 % auf knapp 8 % pro Jahr abgerutscht.

Mehr als der Verlust selbst hat mich etwas anderes beschäftigt. Einzelne Warnzeichen hatte ich durchaus gesehen und mich trotzdem darauf verlassen, dass eine Plattform schon nicht so dreist sein wird. Sie war es. Die komplette Fallchronik mit Namen, Summen und Zeitverläufen stehtauf der P2P Risiko Drehscheibe, hier bleibt es bei meiner persönlichen Sicht darauf.

Ab diesem Punkt war das Spiel vorbei. Nicht das Investieren, aber die Leichtigkeit.

Die Professionalisierung: Kriterien statt Bauchgefühl

Aus dieser Phase ist das entstanden, was heute den größten Teil dieses Blogs ausmacht. Ich habe angefangen, Plattformen nach festen Kriterien zu prüfen, statt nach Zinssatz und Bauchgefühl.

Einer der ersten Schritt war eine Excel-Entscheidungsmatrix mit 37 Kandidaten. Geschäftsmodell, Regulierung, Eigentümerstruktur, Skin in the Game, veröffentlichte Geschäftsberichte, Zahlungsverhalten in Krisenzeiten. Vieles davon steckt heute im P2P Kredite Rating, das ich selbst nutze, wenn ich mir eine Plattform anschaue.

Der zweite Schritt war das Tracking. Bis dahin habe ich meine Renditen aus den Plattform-Dashboards abgelesen. Die rechnen bekanntlich gerne freundlich.

So mache ich das: Jede Einzahlung, jede Auszahlung und jeden Zinseingang buche ich in Portfolio Performance und lasse mir die Rendite als XIRR über alle Plattformen hinweg ausrechnen. Erst seitdem weiß ich, was tatsächlich übrig bleibt, statt was ein Dashboard behauptet. Welche Werkzeuge bei mir sonst noch im Einsatz sind, habe ich im P2P Werkzeugkasten gesammelt.

Der dritte Schritt war der unspektakulärste und hat am meisten gebracht: Zeit vergehen lassen. Plattformen, die 2020 besonders aggressiv geworben haben, gibt es teilweise nicht mehr. Andere haben Jahr für Jahr still ihre Geschäftsberichte veröffentlicht und sind heute die Dickschiffe in meinem Portfolio. Diesen Unterschied sieht man nicht in einer Momentaufnahme, sondern erst über Jahre.

Neun Jahre P2P in sechs Zeilen

ZeitraumWas in meinem Portfolio passiert ist
2017Einstieg mit unter 1.000 Euro pro Plattform, rund 5 % vom Gesamtvermögen. Der Blog bekommt seinen Namen.
2018 bis 2019Ausbau auf ein gutes Dutzend Plattformen, Durchschnittsrendite um die 11 %.
2019 und 2020Kuetzal, Envestio, Monecera, Grupeer. Erste echte Verluste, Rendite fällt auf knapp 8 %.
2020 bis 2022Entscheidungsmatrix, Rating, Tracking mit Portfolio Performance. Kriterien statt Zinsjagd.
2023Die selbst gesetzte 10-Prozent-Grenze fällt, rund 50.000 Euro liegen in P2P Krediten.
heuteKnapp 200.000 Euro investiert, gut 1.800 Euro Zinsen im Monat vor Steuern.

Heute: eine Assetklasse mit Cashflow, die ich so nie geplant hatte

Wenn ich 2017 jemandem erzählt hätte, dass diese Spielwiese über neun Jahre später einen monatlichen Zinseingang im vierstelligen Bereich liefert, hätte ich mich selbst nicht ernst genommen. Es gab keinen Plan dahinter und keinen Zeitpunkt, an dem ich beschlossen hätte, jetzt groß einzusteigen.

Gewachsen ist die Position langsam und immer im gleichen Takt: Erst kam das Wissen über eine Plattform, dann ein kleiner Testbetrag, dann manchmal mehrere Jahre Beobachtung, wie sie sich in schlechten Phasen verhält. Erst danach kam mehr Geld dazu (so die Theorie). Jede Aufstockung war die Folge einer Erfahrung, nicht die Folge eines Zinssatzes, sollte man meinen.

Wo ich aktuell stehe: knapp 200.000 Euro in P2P Krediten, gut 1.800 Euro Zinsen pro Monat (vor Steuern). Die belastbaren Zahlen inklusive XIRR, Plattform-Aufteilung und Ausfällen stehen immer im jeweils aktuellen P2P Portfolio Report, nicht auf dieser Seite. Welche Plattformen ich mir im Einzelnen angeschaut habe, findet ihr in den Erfahrungsberichten.
SO hat sich mein P2P Portfolio entwickelt
Die Entwicklung meines P2P Portfolios

Meine ursprüngliche 10-Prozent-Grenze habe ich 2023 bewusst überschritten. Nicht, weil P2P sicher geworden wäre, sondern weil sich mein Bild von den einzelnen Plattformen nach Jahren mit Geschäftsberichten, Krisen und Zahlungsverhalten deutlich geschärft hat. Allerdings gilt genau hier auch die Gegenrichtung: Je größer die Position, desto teurer wird ein Irrtum. Wer meine Verlustliste von 2020 kennt, weiß, dass ich nicht theoretisch darüber rede.

Was es zu beachten gilt: P2P ist bei mir trotzdem nur ein Baustein und wird auch nicht noch größer mehr werden. Der größere Teil meines Vermögens liegt weiter in ETFs, dazu kommen Depots für andere Zwecke. Ein Totalverlust im P2P-Teil wäre bitter und ein schwerer Rückschlag. Er wäre aber keine Katastrophe für meine Altersvorsorge, und genau das ist die Bedingung, unter der ich diese Position überhaupt halte.

Was sich an meiner Sicht geändert hat, und was nicht

Geändert hat sich vor allem der Markt. Ein Teil der Plattformen ist heute lizenziert und beaufsichtigt, veröffentlicht geprüfte Abschlüsse und legt seine Kreditgeber offen. Das ist eine völlig andere Ausgangslage als 2017, wo ich am Ende einer Webseite und ein paar Forenbeiträgen glauben musste.

Nicht geändert hat sich das Grundrisiko. Ich verleihe unbesichert oder schwach besichert Geld in Länder und an Kreditgeber, die ich nie persönlich prüfen werde. Eine Einlagensicherung gibt es nicht. In einer echten Krise fallen Kreditnehmer, Kreditgeber und Plattform nicht nacheinander aus, sondern gerne gleichzeitig.

Und dann ist da noch die moralische Seite, die ich in den Anfangsjahren viel lauter thematisiert habe als heute. Zinsen jenseits der 100 % beim Endkunden bleiben ein unangenehmer Teil dieses Geschäfts, auch wenn die regulierten Märkte inzwischen deutlich strenger sind. Ich habe darauf keine saubere Antwort gefunden. Ich bin trotzdem investiert, und das gehört zur ehrlichen Version dieser Geschichte mit dazu. Ein besseres Gefühl habe ich immer bei Nichtkonsumentenkrediten.

Mein Fazit nach fast zehn Jahren P2P Kredite

Aus dem P2P Spiel ist die P2P Assetklasse geworden, das steht für mich außer Frage. Nur ist das nicht die Erfolgsgeschichte, als die es sich mit den heutigen Zahlen erzählen ließe. Der eigentliche Ertrag der letzten neun Jahre sind nicht die 1.800 Euro im Monat, sondern die Fähigkeit, eine Plattform anzuschauen und ziemlich schnell zu sehen, was fehlt. Und leider sehe ich bislang nicht auf einen Blick, was alles gut geht und was schiefgehen kann, aber auch da werde ich nach und nach hoffentlich besser.

Und je länger ich das mache, desto weniger neige ich dazu, meinen prozentualen Anteil weiter hochzufahren, auch wenn es mich durchaus bei der ein oder anderen Cashback Aktion dann schon mal juckt. Vielleicht gerade wegen des Erfahrungsschatzes. Man weiß dann eben auch sehr genau, was alles schiefgehen kann… 😉

Zuletzt aktualisiert am: 3. August 2026

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Ich besitze keine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler nach § 34f GewO und bin nicht von der BaFin zugelassen. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar.

Auf fast allen Plattformen, über die ich berichte, bin ich selbst investiert. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Investitionen in P2P-Kredite und vergleichbare Vermögensanlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalausfall verbunden. Renditen in der Vergangenheit sind keine Garantie für die zukünftige Entwicklung. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich.

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3 Kommentare

  1. […] Risikohinweis: Die Informationen auf meinem Kanal dienen immer nur zur Information und ist zur Allgemeinbildung gedacht. Auf keinen Fall stellen sie in irgendeiner Form eine Investitionsempfehlung da. Auch sollten Prämien nie für dich ausschlaggebend für eine Investitionsentscheidung sein! Weiter Informationen zu P2P https://p2p-game.com/p2p […]

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