Ventus Energy Restrukturierung P2P Cafe

Unser größtes P2P-Drama? Ventus Energy im Sanierungsverfahren

Ventus Energy Restrukturierung

Was macht man, wenn die eigene zweitgrößte P2P-Position plötzlich im Sanierungsverfahren steckt? Genau darüber reden Lars Wrobbel und ich in dieser Folge.
Denn bei Ventus Energy verlieren wir beide gerade möglicherweise eine Menge Geld: Lars mit 111.000 Euro, ich mit gut 11.000 Euro, bei mir immerhin rund 6,7 Prozent meines Portfolios bei ihm sogar noch mehr.
Alles ziemlich unschön.

Eins vorweg, wie immer: Das hier ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung. Wir berichten, wie es uns mit dem Ganzen geht und was wir wissen. Wie genau wir mit Ventus verbunden sind, klären wir gleich präzise, weil dazu viel Falsches im Umlauf ist. Und wir rollen den Fall von vorne auf: was Ventus war, was die BaFin festgestellt hat, was die angekündigte Restrukturierung für uns Anleger bedeutet und was wir jetzt mit unseren Positionen machen.

 Zuletzt aktualisiert am: 16. Juni 2026

In den Shownotes findet ihr die Fakten, Zahlen und Links zu allem, was wir besprechen. Die komplette dokumentierte Chronologie und die laufenden Neuigkeiten zum Fall stehen auf der Ventus-Energy-Erfahrungsseite.

Viel Spaß mit der Folge und den Shownotes:

oder gleich direkt anhören:

Noch mehr Details, vor allem die unbequemen Zwischentöne, gibt es wie immer im Podcast!

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Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Der in Aussicht gestellte Ertrag ist nicht gewährleistet und kann auch niedriger ausfallen.

Unsere Beteiligung an Ventus, sauber aufgeschlüsselt

Fangen wir mit dem an, worüber am meisten Unsinn erzählt wird. Wir halten keine Anteile direkt an Ventus, sondern indirekt, über eine Mitarbeiter- und Partnerbeteiligungs-Gesellschaft, die Ventus Employee & Partnership Stock Options OÜ. Die hält ihrerseits 15 Prozent an der Ventus Energy Group. Ich selbst halte 0,67 Prozent an dieser Gesellschaft, durchgerechnet sind das rund 0,1 Prozent an der operativen Firma. Bei Lars sind es 6,67 Prozent, also etwa 1 Prozent durchgerechnet.

Wichtig, und das ist der eigentliche Punkt: Mit diesen Shares sind keinerlei Rechte verbunden. Keine Mitsprache, keine Stimmrechte, kein NDA, nichts unterschrieben. Als Ventus kommuniziert hat, die Shareholder hätten die Sanierung beschlossen, hat das in der Community für Verwirrung gesorgt. Gemeint sind aber die Anteilseigner der operativen Gesellschaft, nicht wir.

Praktisch war das Ganze ein Eintrag ins Firmenregister, für den wir sogar rund einen Euro bezahlt haben. Der einzige denkbare Nutzen wäre eine anteilige Beteiligung an einem möglichen späteren Verkauf der Mutter gewesen, die sich nie realisiert hat und heute wertlos ist. Unser eigenes investiertes Geld ist von der Restrukturierung genauso betroffen wie das von jedem anderen auch.

Die Beteiligung in Kurzform

  • indirekt über die Ventus Employee & Partnership Stock Options OÜ (hält 15 % der Ventus Energy Group)
  • Thomas 0,67 % der OÜ ≈ 0,1 % durchgerechnet, Lars 6,67 % ≈ rund 1 %
  • keine Stimmrechte, keine Mitsprache, kein NDA, nichts unterschrieben
  • reiner Register-Eintrag, rund 1 Euro bezahlt, heute wertlos
  • unser investiertes Geld ist betroffen wie das aller anderen

Was Ventus war und warum wir investiert haben

Rollen wir es von vorne auf. Ventus ist 2024 in Estland gestartet, operativ saß das Team in Riga. Es gab Mezzanine-Kredite mit 16 bis 18 Prozent, am Anfang sogar bis 19, dazu die Senior Loans mit 6 bis 11 Prozent. Eingesammelt wurden über 100 Millionen Euro von mehr als 6.000 Investoren, die meisten aus Deutschland. Im Portfolio lagen mehr als ein Dutzend Projekte, von Wärme und Strom über Solar und Batteriespeicher bis Wind, rund 270 Megawatt waren geplant. Flaggschiff war das Powerhouse Jugla.

Der Reiz für mich, neben Cashflow und Rendite: reale Energieprojekte statt Konsumkredite. Die konnte man sich anschauen, wir waren beide in Riga vor Ort. Die Story, Energieinfrastruktur aufbauen und optimieren, klingt für mich bis heute plausibel. Lars hat zusätzlich das Konzept der täglichen Zinszahlungen gereizt, das es so im Segment vorher nicht gab und das gut zu seiner Cashflow-Strategie passt.

Risiko war bei uns immer Thema, in jedem Artikel und in jedem Video. Wir sind nie müde geworden, darauf hinzuweisen, dass mit 16 bis 18 Prozent Mezzanine ein entsprechend hohes Risiko einhergeht. Und dass CDO Janis Timma zugleich Ex-Crowdestor-Chef ist, also eine „kritische Personalie“, haben wir von Anfang an offen benannt, bei Lars stand das ebenso schon im ersten Artikel.


Was bei Ventus passiert ist

Schauen wir uns an, wie es überhaupt so weit kam. Die ausführliche Fassung mit allen Daten steht auf der Erfahrungsseite, hier die kompakte Linie.

Von kritischen Artikeln zur BaFin-Anordnung

Los ging es im Dezember 2025 mit einer Reihe kritischer Artikel eines Bloggers, die Geschäftsmodell und Struktur öffentlich infrage stellten. Ende Dezember folgte aus dieser Ecke eine Beschwerde bei der BaFin. Den Inhalt der einzelnen Vorwürfe bewerten wir bewusst nicht, dafür fehlt uns der Einblick. Ventus wies die Vorwürfe zurück, beauftragte eine Prüfung und verwies auf das Cobalt-Gutachten.

Am 5. Mai 2026 kam dann der BaFin-Bescheid, veröffentlicht in der Verbrauchermitteilung vom 18.05.2026. Nach Feststellung der BaFin hat Ventus auf Basis der Darlehensverträge mit Anlegern in Deutschland unbedingt rückzahlbare Gelder angenommen, ohne dass der Rückzahlungsanspruch als Inhaber- oder Orderschuldverschreibung verbrieft war. Darin sieht die Behörde ein erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft nach § 1 KWG, für das die nötige Erlaubnis fehlte. Die Anordnung: das Geschäft sofort einstellen und die angenommenen Gelder zurückzahlen.

Die angekündigte Restrukturierung

Gut einen Monat später, am 11. Juni 2026, kündigte Ventus die Restrukturierung an. Als Gründe nennt das Unternehmen, und das ist ausdrücklich dessen Darstellung, drei Dinge: die BaFin-Anordnung, erheblich gestörte Banken- und Zahlungsverbindungen (spürbar vor allem an pausierten Auszahlungen, die Ventus auf Restriktionen seines Zahlungsdienstleisters zurückführt) und nach eigenen Angaben gezielte Störaktionen gegen das Unternehmen, zu denen in Estland strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden sein sollen.

Ventus hat dazu eine eigene, sehr ausführliche Darstellung veröffentlicht, die „Ventus Files“. Was davon stimmt, können wir nicht beurteilen. Wie wir das einordnen und was wir bewusst offenlassen, hört ihr in der Folge.


Was wir zur rechtlichen Einordnung wussten, und was nicht

Eine Frage, die uns oft erreicht: Warum haben wir nie an der rechtlichen Zulässigkeit gezweifelt? Die können wir als Anleger schlicht nicht selbst prüfen. Wir verlassen uns, wie alle anderen auch, auf das, was vorliegt.

Und da gab es einiges: ein Gutachten der Kanzlei Cobalt, meinem Wissen nach eine der renommiertesten im Baltikum, das die Zulässigkeit für das geplante Crowdfunding bestätigte. Die estnische Aufsicht, die Finantsinspektsioon, hatte keine förmliche Feststellung getroffen, dass etwas nicht stimmt. Und früh musste Ventus seine Kreditstruktur sogar auf Bitte des estnischen Regulators anpassen, weg von anleiheähnlichen Konstrukten, was danach abgesegnet war.

Die Lehre daraus ist ein Stück weit ernüchternd: So ein Gutachten deckt immer nur eine ganz bestimmte Rechtsfrage ab. Cobalt hat die estnische Crowdfunding-Frage beantwortet. Die BaFin kam über eine völlig andere Ebene, die deutsche Einlagenfrage, und die war damit nicht abgedeckt.
Bei aller Vorgeschichte: Die BaFin hat aus meiner Sicht einen validen Punkt, daran kann man tatsächlich nicht rütteln.


Was die Restrukturierung für Anleger bedeutet

Kommen wir zum Praktischen. Was hat sich für uns als Investoren sofort geändert?

Was sich sofort geändert hat

  • keine neuen Kredite mehr über die Plattform
  • Zinsauszahlungen ausgesetzt, aufgelaufene Zinsen werden nur noch kapitalisiert
  • Early Exit deaktiviert, laufende Anfragen werden gutgeschrieben, noch nicht angelaufene storniert und ins Projekt zurückgebucht
  • Wallet-Auszahlungen nur vorbehaltlich der Compliance-Anforderungen des Zahlungsinstituts

Wichtig zur Einordnung: Wir stecken aktuell in einem gerichtlich begleiteten Restrukturierungsverfahren, nicht in der Insolvenz. Estland kennt dafür zwei getrennte Wege, die Sanierung nach dem Saneerimisseadus und die Insolvenz nach dem Pankrotiseadus.

Ein paar Termine: Ein Rückzahlungsplan soll den Anteilseignern bis zum 10. Juli 2026 vorgelegt werden, ein detaillierterer Bericht ist für die erste Juliwoche angekündigt.

Bedient werden sollen die Forderungen über den strukturierten Verkauf der Anlagen und einzelnen Portfolio-Segmente, gerichtlich überwacht, die Erlöse über ein Treuhandkonto verteilt. Nach öffentlich zugänglichen Informationen gibt es bei der Restrukturierung, anders als in der klassischen Insolvenz, keine starre Rangfolge. Sicher ist das allerdings nicht.

Der unbequeme Kern
Noch stecken wir in der Restrukturierung, nicht in der Insolvenz, und das ist ein wichtiger Unterschied. In der Restrukturierung entscheidet der Plan, eine feste Rangfolge gibt es hier nicht. Erst wenn dieser Weg scheitert und es zur regulären Insolvenz kommt, greift die strikte Reihenfolge: Dann ist unser Mezzanine-Kapital nachrangig, zuerst werden die besicherten Senior Lender bedient, wir stehen dahinter. Die viel beschworene sogenannte Gruppengarantie wird so oder so zum ersten Mal real getestet. Ein Totalverlust ist möglich, der Ausgang offen. Und Buchwert ist nicht gleich Verkaufspreis: Beim Flaggschiff Jugla wurde der Wert von 17,65 auf 36,7 Millionen Euro angehoben, was unter Zeitdruck tatsächlich reinkommt, kann etwas ganz anderes sein.

Über den Plan stimmen am Ende die Gläubiger ab, gewichtet nach Forderungshöhe. Kommt die nötige Mehrheit zusammen, wird er umgesetzt. Das estnische Gericht kann die Restrukturierung auch dann bestätigen, wenn es darin gegenüber der Insolvenz den besseren Weg sieht.
Scheitert der Antrag, läuft es auf eine ordentliche Insolvenz hinaus.

Sanierung und Insolvenz in Estland, kurz erklärt
Estland trennt zwei Verfahren. Die Sanierung (Saneerimisseadus) ist der Versuch, das Unternehmen über einen vom Gericht bestätigten Plan zu erhalten, hier wird umstrukturiert, gestundet, teils auf Forderungen verzichtet. Die Insolvenz (Pankrotiseadus) ist die geordnete Zerschlagung mit fester Rangfolge. In der Sanierung stimmen die Gläubiger über den Plan ab, gewichtet nach Forderungshöhe, das Gericht prüft und bestätigt ihn. Scheitert der Plan, kann daraus die Insolvenz werden. Wer es genau wissen will:


Was wir jetzt mit unseren Investments machen

Da gehen wir ganz unterschiedlich ran. Lars wartet erst das laufende Jahr ab, bucht die Zinsen nicht mehr mit und schreibt dann je nach Bewegung Monat für Monat ab, eine Restrukturierung kann schließlich locker bis zu fünf Jahre dauern.

Ich tendiere dazu, aggressiver vorzugehen und die Position lieber bald in die Abschreibung zu bringen. Ventus sind bei mir die gut 6 Prozent, deren Höhe mich ohnehin ziemlich ärgert. Vielleicht fange ich schon im nächsten Quartal mit einem festen Monatsbetrag an, vielleicht warte ich aber doch noch den Restrukturierungsplan und die ersten Meilensteine ab und entscheide dann neu. Dreht sich zwischendurch etwas ins Positive, umso besser.

Wie es uns mit dem Ganzen wirklich geht, das nagt schon alles ganz schön an einem, darüber reden wir in der Folge, sparen wir uns hier.

So mache ich das: Unabhängig vom Ausgang sichere ich gerade alle Unterlagen zum Investment, also Verträge, Kontoauszüge, Portfolio-Übersicht, dazu ein paar Screenshots, solange die Plattform noch erreichbar ist.
Ob und wie sich so ein Verlust am Ende steuerlich nutzen lässt, ist eine eigene, ziemlich komplizierte Frage, die sich auch immer wieder ändert. Das klärt ihr am besten mit eurem Steuerberater, wir geben hier ausdrücklich keine Steuertipps.
Dazu die Unterlagen zu sichern ist sicherlich kein Fehler.


Die größere Lehre: Regulierung als Risiko

Das größte Risiko für unser Geld ist am Ende oft nicht der Betrug, sondern die Regulierung.

Für mich bestätigt der Fall vor allem eines: Das größte Risiko für unser Geld ist am Ende oft nicht der Betrug, sondern die Regulierung, die ein Geschäftsmodell von heute auf morgen kippen kann. Die Konsequenz für mich, ganz nüchtern: Unregulierte Plattformen halte ich noch kleiner, 5 Prozent pro Position sind meine Obergrenze, eher weniger. Reguliert sind bei mir schon rund zwei Drittel des Portfolios, das baue ich weiter aus. Auf einzelne „Exoten“ als Beimischung will ich trotzdem nicht ganz verzichten, aber eben mit deutlichem Augenmaß.


Wie es weitergeht und wo ihr Updates findet

Diese Folge ist eine Momentaufnahme. Damit hier nicht zwei Baustellen parallel laufen, sammle ich die laufenden Neuigkeiten zum Fall weiter an einer Stelle.

Updates zum Fall Ventus
Alle weiteren Entwicklungen und neuen Meldungen pflege ich fortlaufend auf der Ventus-Energy-Erfahrungsseite im Abschnitt „Aktuelle Updates zum Fall Ventus“, jeweils das Neueste oben. Dort steht auch die komplette dokumentierte Chronologie.

Nachtrag Zoom-Call: Kurz nach Veröffentlichung stand noch ein Lender-Zoom-Call an. Sobald es daraus etwas Belastbares zu berichten gibt, trage ich es hier. als auch im Ventus Beitrag nach

Mein Fazit bleibt nüchtern: Bei einem High-Risk-Investment geht eben nicht jede Wette auf, und diese hier steht gerade extrem auf der Kippe. Bitter.

Ansonsten gilt:

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Wie immer freuen wir uns über euer Feedback und meldet euch gerne bei uns, wenn ihr auch unser Gast sein möchtet. Und scheut euch nicht, eure Fragen zu stellen!
Lust auf mehr, alle P2P Cafe Folgen im Überblick…

Zuletzt aktualisiert am: 16. Juni 2026

Haftungsausschluss & Interessenkonflikt
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Ich besitze keine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler nach § 34f GewO und bin nicht von der BaFin zugelassen. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar.

Auf fast allen Plattformen, über die ich berichte, bin ich selbst investiert. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Investitionen in P2P-Kredite und vergleichbare Vermögensanlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalausfall verbunden. Renditen in der Vergangenheit sind keine Garantie für die zukünftige Entwicklung. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich.

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