regulierte P2P Kredite

Reguliert oder nicht? Das P2P-Risiko, das ich persönlich unterschätzt habe

Ich schreibe seit Jahren über die Risiken bei P2P-Krediten. Über Plattformpleiten, Buyback, das Klumpenrisiko bei einzelnen Kreditgebern, das ganze Programm. Und trotzdem hat mich ein Vorgang im Frühjahr 2026 daran erinnert, dass ich eine Risikoart persönlich nicht ernst genug genommen habe: das regulatorische Risiko. Nicht im Sinne von „Plattform betrügt“ und auch nicht „Geschäftsmodell funktioniert nicht“. Sondern der Fall, dass eine Aufsichtsbehörde aus rein juristischen Gründen den Geldhahn zudreht. Auch bei einer Plattform, die vermutlich real arbeitet.

Auslöser war ein BaFin-Bescheid gegen die Plattform Ventus Energy. Ich gehe hier bewusst nicht im Detail auf diesen einen Fall ein, denn mir geht es um das Muster dahinter. Aber er hat mich dazu gebracht, mein Portfolio erneut genauer anzuschauen und meine Aufteilung zwischen regulierten und unregulierten Plattformen zu überdenken.

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Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Der in Aussicht gestellte Ertrag ist nicht gewährleistet und kann auch niedriger ausfallen.

Drei Risikoarten, und warum eine davon gerne übersehen wird

Wer regelmäßig mitliest, kennt die ausführliche Risiko-Sammlung von mir. Falls nicht, der Grundlagenartikel „Eine ganze Menge an Risiken, die man sich mit P2P in sein Portfolio holt“ geht alle Ebenen durch, von der Plattform bis zum Anleger selbst. Hier konzentriere ich mich nur auf einen Aspekt, der dort bislang zu kurz kam.

Vereinfacht gibt es bei P2P drei große Risikoarten. Die erste ist das Geschäftsmodellrisiko. Kredite fallen aus, Kreditgeber straucheln, das Marktumfeld dreht sich. Das ist normal und in jedem Quartalsbericht Thema. Die zweite ist das Betrugsrisiko. Eine Plattform war von Anfang an unseriös, Envestio, Kuetzal und Grupeer haben das 2020 schmerzhaft gezeigt. Seitdem schaut die Community deutlich genauer hin.

P2P · Drei Risikoarten

01 Geschäftsmodellrisiko bekannt
Kredite fallen aus, Kreditgeber straucheln, Märkte drehen sich.
Das normale Marktrisiko jedes Kredits. Es lässt sich nicht abschalten, aber abfedern. Schutz: breite Diversifikation
02 Betrugsrisiko bekannt
Eine Plattform war von Anfang an unseriös. Envestio, Kuetzal, Grupeer (2020).
Vorsätzliche Täuschung der Anleger. Seit den Fällen 2020 schaut die Community genauer hin. Schutz: Due Diligence & Track Record
03 Regulatorisches Risiko der blinde Fleck
Die Aufsicht stoppt das Geschäft aus rein juristischen Gründen. BaFin / Ventus (2026).
Trifft auch ehrlich arbeitende Plattformen, wenn eine zwingend nötige Lizenz fehlt. Optisch nicht erkennbar. Schutz: Lizenzstatus prüfen

Zum Aufklappen tippen oder mit der Maus darüberfahren

Die dritte Risikoart wird deutlich seltener besprochen, und genau das ist das regulatorische Risiko. Es bedeutet nicht, dass eine Plattform betrügt. Und auch nicht, dass das Geschäftsmodell nicht trägt. Es bedeutet, dass die Aufsicht eingreift und das Geschäft stoppt, weil eine zwingend nötige Erlaubnis fehlt. Das kann eine Plattform treffen, deren Macher es vollkommen ernst meinen und deren operatives Geschäft läuft.

Wie sich das regulatorische Risiko konkret zeigt

Stellen wir uns eine Plattform vor, die tatsächlich Solarparks baut, Energieinfrastruktur betreibt und Zinsen auszahlt. Greifbares Geschäft, nichts Erfundenes. Die Betreiber würden ehrlich sagen, dass sie nie eine Bank sein wollten. Klingt erstmal nicht nach einem Problem.

Und genau dann kann die Aufsicht zu dem Schluss kommen, dass die Verträge mit den Anlegern rechtlich als erlaubnispflichtiges Geschäft einzustufen sind. In Deutschland greift hier das Kreditwesengesetz, konkret das sogenannte Einlagengeschäft. Die Folge ist eine Anordnung, das Geschäft einzustellen und abzuwickeln. Sofort vollziehbar. Kein neues Geld mehr von deutschen Anlegern, der Bestand wird abgewickelt, und die Anleger warten auf Refinanzierung oder Asset-Verkäufe.

Das ist keine moralische Bewertung der Plattform, sondern eine rein juristische Einordnung. Für uns als Anleger ist der praktische Effekt trotzdem unangenehm. Und das Tückische daran ist: Optisch lässt sich eine regulierte Plattform kaum von einer unregulierten unterscheiden. Beide haben eine professionelle Website, plausible Reports, ein echtes Team auf LinkedIn und einen Businessplan, der schlüssig klingt. Die fehlende Lizenz fällt im laufenden Betrieb schlicht nicht auf. Bis zum Bescheid läuft alles normal. Danach kann es schnell vorbei sein.

An einer Stelle lässt sich aber durchaus hinschauen, und zwar in den Vertragsunterlagen. Viele unregulierte Plattformen konstruieren das Investment über eine sogenannte qualifizierte Nachrangklausel. Vereinfacht gesagt sorgt diese Klausel dafür, dass deine Rückzahlung an Bedingungen geknüpft ist und im Zweifel nachrangig behandelt wird. Genau das ist der juristische Kniff, mit dem das Geschäft formal kein erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft ist und damit ohne Banklizenz auskommt.
Der Haken: Deutsche Gerichte haben solche Klauseln wiederholt kassiert, wenn sie zu intransparent formuliert waren. Fällt die Klausel weg, wird aus dem Investment wieder eine unbedingt rückzahlbare Forderung, und damit landet man genau bei der Einlagengeschäft-Definition, die eine Aufsicht auf den Plan ruft. Wer in den eigenen Unterlagen das Wort Nachrang findet, sollte also wenigstens wissen, was es bedeutet.

Das ist kein Einzelfall: die Warnliste der lettischen Zentralbank

Wer denkt, das betrifft nur eine einzige Plattform, sollte einen Blick nach Lettland werfen. Die lettische Zentralbank, die Latvijas Banka, führt eine öffentliche Liste mit Firmen, die in Lettland Investmentdienstleistungen anbieten, ohne die dafür nötige Lizenz oder Genehmigung zu haben. Stand 31. März 2026 stehen darauf fünfzehn Namen.

Interessant ist die Zusammensetzung. Da stehen nicht nur akute Sorgenkinder drauf. Auch Robocash und Swaper finden sich auf der Liste, zwei Plattformen, die seit Jahren laufen, normal auszahlen und in der Community einen ordentlichen Ruf haben.
Genau das ist der Punkt: Der Lizenzstatus sagt erstmal nichts darüber aus, ob eine Plattform gut oder schlecht arbeitet. Er sagt nur etwas darüber aus, ob im Ernstfall ein rechtlicher Rahmen und eine Aufsicht vorhanden sind.

Die Zentralbank schreibt dazu nüchtern, dass Investitionen, also Geld und Finanzinstrumente, in Firmen ohne entsprechende Lizenz nicht unter den lettischen Anlegerschutz fallen. Wer dort investiert, trägt das Risiko eines unwiederbringlichen Verlusts allein. Die komplette Liste und die Liste der lizenzierten Anbieter gibt es direkt bei der Latvijas Banka.

Ein wichtiger Hinweis zur Einordnung: Die Liste meint „ohne Lizenz für Lettland„. Eine Plattform mit Sitz in Tschechien oder Luxemburg ist damit nicht automatisch überall illegal unterwegs. Es heißt schlicht, dass sie in Lettland keine Erlaubnis für Investmentdienstleistungen hat. Trotzdem ist so eine behördliche Liste ein deutliches Signal, das man im Hinterkopf haben sollte.

Was eine P2P-Lizenz leistet, und was nicht

Hat eine Plattform die passende Lizenz, ist dieses regulatorische Risiko strukturell vom Tisch. Die Aufsicht ist eingebunden, die Erlaubnis ist erteilt und wird laufend überwacht. Da kommt niemand über Nacht und dreht alles ab. In der P2P-Welt sind dabei vier Lizenztypen relevant.

Die vier relevanten Lizenztypen im Überblick

  • ECSP – die EU-Lizenz für Schwarmfinanzierung. Darunter laufen unter anderem Lendermarket, EstateGuru, InSoil (früher HeavyFinance), LANDE, Capitalia, Profitus, Crowdpear und Afranga. EU-weit waren Ende 2024 rund 230 Anbieter zugelassen, davon etwa 180 aktiv, mit einem Crowdfunding-Volumen von 4,25 Milliarden Euro.
  • MiFID II – die schärfere Lizenz als Investmentfirma. Mehr Eigenkapital gefordert, strengere Pflichten beim Anlegerschutz, dazu eine Anlegerentschädigung bis 20.000 Euro. Darunter laufen Mintos, Twino, ViaInvest, Nectaro, Indemo und Debitum.
  • EMI – die E-Geld-Lizenz mit getrennten Kundenkonten, national vergeben. NEO Finance hat die litauische, dazu eine zusätzliche P2P-Lizenz nach litauischem Recht.
  • Estnische Credit Provider Licence – regelt vor allem, wer überhaupt Kredite anbieten darf. Hier laufen unter anderem Bondora und Modena.

Wichtig dabei, und das wird gerne falsch verstanden: Die 20.000 Euro Anlegerentschädigung bei MiFID II greifen nur, wenn die Plattform selbst pleitegeht oder Kundengeld veruntreut. Sie sichern das Guthaben ab, nicht die Kredite. Bei einem normalen Kreditausfall ist diese Entschädigung nicht zuständig. Bei ECSP gibt es einen solchen Entschädigungstopf übrigens gar nicht.

Die vier Lizenztypen im Vergleich

Nur eine bietet eine echte Anlegerentschädigung

ECSP
EU-Schwarmfinanzierung
Entschädigung: Nein
Plattformen
Lendermarket, LANDE, Profitus, InSoil, Capitalia, Afranga
Schützt
Lizenz & laufende Aufsicht, aber kein Entschädigungstopf.
MiFID II
Investmentfirma
bis 20.000 €*
Plattformen
Mintos, Twino, ViaInvest, Nectaro, Indemo, Debitum
Schützt
Mehr Eigenkapital, strengere Pflichten. *Entschädigung nur bei Plattformpleite, nicht bei Kreditausfall.
EMI
E-Geld, national
Entschädigung: Nein
Plattformen
NEO Finance (plus nationale P2P-Lizenz)
Schützt
Getrennte Kundenkonten. Sichert das Guthaben, nicht die Kredite.
Estn. CPL
Credit Provider
Entschädigung: Nein
Plattformen
Bondora, Modena
Schützt
Regelt die Kreditvergabe-Seite. Für den Anleger kein direkter Schutz.

* Nur bei Plattformpleite oder Veruntreuung — nicht bei Kreditausfall · Spalte antippen für Details

Noch ein verbreitetes Missverständnis betrifft die estnische Credit Provider Licence, unter der zum Beispiel Bondora und Modena laufen. Diese Lizenz regelt die Kreditvergabe-Seite, also unter welchen Auflagen ein Unternehmen überhaupt Kredite ausreichen darf. Für uns als Anleger heißt das aber nicht automatisch, dass unser eingesetztes Geld geschützt wäre. Wir bleiben da im Wesentlichen außen vor. Genau hier lohnt sich ein genauer Blick auf die rechtliche Konstruktion. Bei manchen Plattformen leihst du dein Geld der Plattform selbst, dann ist sie deine Schuldnerin. Bei anderen kaufst du eine bereits vergebene Forderung gegen einen Drittschuldner, und die Plattform ist nur Vermittler.
Diese zweite Variante ist genau das Argument, mit dem Anbieter wie Bondora, Income oder Esketit erklären, warum die BaFin-Einordnung als Einlagengeschäft bei ihnen nicht greifen soll. Ob das im Ernstfall hält, ist eine juristische Frage, die im Zweifel ein Gericht klärt. Für die Einschätzung des regulatorischen Risikos ist die Unterscheidung trotzdem zentral.

Was mir wichtig ist: Reguliert anlegen bedeutet keinen Verzicht auf bestimmte Kreditarten. Für so ziemlich jede Form, die man bei P2P kennt, gibt es heute lizenzierte Anbieter. Ein paar Beispiele, mit denen ich selbst Erfahrung gesammelt habe.

KreditformRegulierte BeispieleLizenz
KonsumkrediteTwino, VIAINVESTMiFID II
ImmobilienInRento, ProfitusECSP
AgrarkrediteLANDE, InSoilECSP
GeschäftskrediteCapitalia, DebitumECSP / MiFID II
Kreditverwertung (Spezialfall)IndemoMiFID II
Multi-Plattform (mehrere Kreditarten)Mintos, SavyMiFID II / National

Das ist nur ein Ausschnitt. Welche Plattformen aktuell welchen Lizenzstatus haben, welche Aufsichtsbehörde dahintersteht und ob es eine Anlegerentschädigung gibt, pflege ich (hoffentlich) vollständig in meinem P2P-Plattform-Rating ein. Dort siehst du auf einen Blick, wo eine Plattform einsortiert ist.

Die Grenzen einer Lizenz: kein Renditesiegel

Und damit das Bild nicht kippt: Eine Lizenz ist kein Renditesiegel und schützt nicht vor jedem Ärger. EstateGuru ist ECSP-lizenziert und sitzt trotzdem auf einem hohen dreistelligen Millionenbetrag in Recovery, größtenteils aus dem deutschen Kreditportfolio. InSoil ist lizenziert, trotzdem bleibt bei den Green Loans ein Teil der Rendite aus, weil sie aus CO2-Zertifikaten kommen sollte und das bislang nicht in der erwarteten Höhe funktioniert. Lendermarket hat über zwei Jahre Pending Payments produziert, lange bevor die ECSP-Lizenz kam.

Es lohnt sich, an der Stelle ehrlich auf die Zahlen zu schauen. Nach Erhebungen aus der Community hängt aktuell auf regulierten Plattformen in Summe rund eine Viertelmilliarde Euro in Rückholung fest, allein bei EstateGuru und Mintos jeweils ein dreistelliger Millionenbetrag.
Auf der unregulierten Seite sind die bekannten Problemfälle in Summe bislang deutlich kleiner. Das klingt erstmal nach einem klaren Punkt gegen die Regulierung. Allerdings hinkt der reine Absolutvergleich, denn auf den großen regulierten Plattformen liegt schlicht viel mehr Anlegergeld. Ohne Bezug zum Gesamtvolumen sagt die nackte Zahl wenig aus. Was sie aber sehr deutlich zeigt: Eine Lizenz ist kein Schutz vor festhängendem Geld.

Was eine Lizenz also nicht kann: Kreditausfälle verhindern, Pleiten einzelner Kreditgeber abwenden, Buyback-Versprechen einklagbar machen oder Geschäftsmodelle auf ihre Tragfähigkeit prüfen. Sie räumt eine Risikoart ab, das regulatorische Risiko. Das klassische Geschäftsmodellrisiko bleibt vollständig unsere Sache als Anleger.

Regulierte und unregulierte P2P-Plattformen im Vergleich

Jetzt könnte man meinen, die Sache sei damit klar: reguliert gut, unreguliert schlecht. So einfach ist es nicht, und in der P2P-Szene wurde auch immer wieder diskutiert, ob der Zauber der Regulierung nicht schon wieder verflogen ist. Die Vorteile der unregulierten Welt sind real. Sonst hätte ich dort nicht rund 40 Prozent meines Portfolios liegen.

ReguliertUnreguliert
Regulatorisches Risikostrukturell entschärft, Aufsicht ist eingebundenvorhanden, Aufsicht kann das Geschäft stoppen
Renditeeher niedriger, Lizenz kostet Geldoft höher, Kostenvorteil wird weitergegeben
Geschäftsmodellestandardisiert, EU-weit anschlussfähigauch Nischen, einzelne Bauträger, Spezialprojekte
Anlegerschutzje nach Lizenz, bei MiFID II Entschädigung bis 20.000 Euro (nur Plattformpleite)kein gesetzlicher Auffangmechanismus
Schützt vor Kreditausfall?neinnein
Transparenznicht automatisch besser, manche ruhen sich auf der Lizenz ausmanche Newcomer liefern bessere Statistiken

Drei Dinge bietet der unregulierte Bereich, die im regulierten so kaum zu finden sind. Erstens, und das ist oft am verführerischsten, einen guten Schluck mehr Rendite. Eine ECSP- oder MiFID-Lizenz kostet Geld, Eigenkapital, Compliance, Reporting, lizenzierte Zahlungsdienstleister. Wer das nicht stemmen muss, kann schlicht höhere Zinsen anbieten. Zweitens kürzere Wege, weil zwischen Anleger und Kreditnehmer oft weniger Zwischenstationen sitzen, die jeweils ein Stück vom Kuchen wollen. Und drittens Geschäftsmodelle, die in der regulierten Welt so nicht vorkommen, einzelne Bauträger oder spezielle Energieprojekte, Nischen, die für eine EU-Standard-Lizenz zu klein oder zu speziell sind.

Dazu kommt ein Punkt, der gerne untergeht: Manche unregulierte Newcomer liefern ihren Anlegern bessere und aktuellere Statistiken als regulierte Plattformen, die zehn Jahre und länger am Markt sind. Eine Lizenz allein macht eine Plattform eben nicht automatisch transparenter.
Das alles kann also durchaus für eine unregulierte Plattform sprechen.
Es ist nur mit einem Risikoprofil verbunden, das man kennen und bewusst eingehen sollte. Genau hier liegt für mich der Unterschied zwischen einer durchdachten Beimischung und einem blinden Fleck im Portfolio.

Was ich daraus für mein Portfolio gezogen habe

Zeit für ein bisschen Selbstkritik. Aktuell liegt mein Portfolio bei rund 60 Prozent reguliert und 40 Prozent unreguliert. Mein Ziel ist es, wieder deutlich über zwei Drittel reguliert zu kommen. Ich war bei einer einzelnen unregulierten Plattform mit guten 11.000 Euro dabei, das entspricht etwa 6,5 Prozent meines Portfolios.

regulatorisches Risiko P2P
Verteilung im P2P PortfolioScreenshot

Das war mir ehrlich gesagt schon vor dem Bescheid zu viel. Nicht weil das Geschäftsmodell schlecht gewesen wäre, sondern weil ich die regulatorische Seite unterschätzt und ein Stück weit meine eigene Gier nicht im Griff hatte. Beides zusammen ist eine ungünstige Mischung, und die zeigt sich gerade. Die Lehre ziehe ich jedenfalls schon jetzt.

Wenn der Anleger ganz hinten in der Reihe steht

Wie ungemütlich diese Gemengelage werden kann, sehe ich gerade an meiner eigenen Ventus-Position. Aus dem BaFin-Bescheid ist inzwischen mehr geworden: gestoppte Auszahlungen, eingestellte Zinszahlungen und ein eingeleitetes Restrukturierungsverfahren. Mein Geld ist also vorerst gebunden, und ob und wie viel zurückkommt, hängt jetzt von Verfahren ab, auf die ich als Anleger keinerlei Einfluss habe.
Genau das ist der Kern: Wenn es schiefgeht, steht der Anleger ganz hinten in der Reihe und kann im Wesentlichen nur abwarten. Den konkreten, laufend aktualisierten Stand zu Ventus halte ich getrennt in meinem Ventus-Erfahrungsbericht fest, hier geht es mir nur um die grundsätzliche Lehre.

Daraus habe ich zwei Regeln abgeleitet, an die ich mich jetzt halte.

Meine zwei Regeln nach dem Ventus-Anlass

Regel eins: Keine einzelne Position über zehn Prozent meines Gesamtportfolios. Egal ob reguliert oder nicht. Diese Konzentrationsbremse soll dafür sorgen, dass ein Plattformausfall mich im schlimmsten Fall die Jahresrendite kostet, nicht mehr.

Regel zwei: Für unregulierte Positionen gilt strenger eine Obergrenze von fünf Prozent. Der Grund ist, dass dort mehrere Risiken zusammenkommen, das regulatorische Risiko und oft noch ein Klumpenrisiko obendrauf, weil unregulierte Investments bei mir häufig Einzelwetten auf einen Bauträger oder ein einzelnes Energieprojekt sind.

Warum nicht gleich null Prozent unreguliert? Weil ich die Vorteile aus dem vorherigen Abschnitt nicht komplett aufgeben will. Die paar Punkte mehr Rendite reizen mich, und ich bin durchaus anfällig für eine gute Story. Das darf bleiben, aber eben bewusst kleiner gehalten. Beimischung ja, Fundament nein. Was das praktisch heißt: Bevor ich heute eine neue Plattform ins Portfolio nehme, schaue ich auch auf den Lizenzstatus, und vor allem darauf, wie groß die Position am Ende werden soll.

So lässt sich der Lizenzstatus selbst prüfen

Das Gute am regulatorischen Risiko ist, dass es sich mit überschaubarem Aufwand einschätzen lässt. Anders als beim Geschäftsmodellrisiko musst du keine Bilanzen lesen. Du musst nur wissen, wo du nachschaust.

  • Für ECSP-Lizenzen gibt es ein zentrales Register bei der ESMA, der europäischen Wertpapieraufsicht. Steht eine Plattform dort nicht drin, hat sie auch keine ECSP-Lizenz.
  • Die nationalen Aufsichtsbehörden in Lettland, Litauen und Estland führen eigene Listen der lizenzierten Anbieter, und teils auch Warnlisten wie die der Latvijas Banka.
  • Für unerlaubte Geschäfte mit Bezug zu Deutschland veröffentlicht die BaFin Verbrauchermitteilungen, wenn sie gegen einen Anbieter vorgeht.
  • Ein Blick in die Vertragsunterlagen lohnt sich. Dort steht, welche rechtliche Konstruktion hinter dem Investment steckt, also ob es ein Darlehensvertrag, eine Note oder etwas anderes ist.

Welche der von mir beobachteten Plattformen aktuell welchen Lizenzstatus haben, pflege ich laufend in meinem P2P-Plattform-Rating ein. Das ist meist schneller, als sich durch die einzelnen Register zu klicken.

Mein Fazit

Das regulatorische Risiko ist eine eigene Kategorie, und es trifft auch Plattformen mit einem vermutlich realen, funktionierenden Geschäft. Eine echte Lizenz nimmt genau dieses Risiko vom Tisch. Sie macht aus P2P kein Sparbuch und schützt nicht vor Kreditausfällen, aber eine wesentliche Sorge ist man damit los. Aus meiner Sicht ist der Lizenzstatus deshalb ein sinnvoller erster Filter, gerade wenn man noch wenig Erfahrung mit dem grauen Kapitalmarkt hat. Die unregulierte Welt hat trotzdem ihren Platz und ihre Reize, für mich aber nur als bewusst klein gehaltene Beimischung, nicht als Fundament.

Wie haltet ihr das in euren Portfolios? Achtet ihr aktiv auf den Lizenzstatus, oder zählt für euch am Ende vor allem die Rendite? Und habt ihr eine feste Obergrenze für einzelne Positionen? Schreibt es gern in die Kommentare.

Zuletzt aktualisiert am: 12. Juni 2026

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Ich besitze keine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler nach § 34f GewO und bin nicht von der BaFin zugelassen. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar.

Auf fast allen Plattformen, über die ich berichte, bin ich selbst investiert. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Investitionen in P2P-Kredite und vergleichbare Vermögensanlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalausfall verbunden. Renditen in der Vergangenheit sind keine Garantie für die zukünftige Entwicklung. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich.

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