Die P2P-Szene feiert gerade wieder eine Party, als gäbe es kein Morgen. Wer sich aktuell auf den Marktplätzen umschaut, wird förmlich erschlagen von zweistelligen Renditeversprechen. 14 Prozent hier, 16 Prozent dort – und als Kirsche auf der Torte gibt es oft noch üppige Cashback-Kampagnen, die die Gesamtrendite teils über die 20-Prozent-Marke hieven.
Doch die Ereignisse der letzten Wochen, insbesondere die Unruhe und die Vorwürfe rund um Ventus Energy, haben gezeigt, wie schnell die Stimmung kippen kann. Wenn plötzlich „Short-Seller-Berichte“ (oder eher emotionale Risikoanalysen und die Reaktion von Ventus) die Runde machen, weicht die Gier der nackten Angst. Zeit für die P2P Risiken.
Das ist der perfekte Zeitpunkt, um einmal tief durchzuatmen und die Mechanismen hinter diesen Traumrenditen zu analysieren. Denn eines muss uns allen klar sein: Im aktuellen Zinsumfeld gibt es 18 Prozent nicht geschenkt. Es ist eine Risikoprämie – und die hat ihren Preis.
Zuletzt aktualisiert am: 16. Dezember 2025
⚠️ Werbung | Risikowarnung Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du dich über diese Links registrierst und investierst, erhalte ich eine Provision. Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Der in Aussicht gestellte Ertrag ist nicht gewährleistet und kann auch niedriger ausfallen.
Um welche P2P Risken geht es heute?
Der trügerische Vergleich mit dem Festgeld
Psychologisch tappen wir oft in eine einfache Falle. Wir sehen die mickrigen 1 bis 2 Prozent, die uns Banken aktuell für Festgeld bieten, und vergleichen sie mit den Renditen von FF Forest, Nectaro, Debitum oder eben Ventus Energy. Der Unterschied ist so gewaltig, dass möglicherweise das rationale Denken oftmals aussetzt.
Selbst etablierte Player wie Bondora wirken mit ihren 6% dagegen fast schon unattraktiv.
Der entscheidende Punkt, der oft vergessen wird: Warum zahlt ein Kreditnehmer freiwillig 15, 18 oder mehr Prozent Zinsen an uns Kleinanleger, plus Gebühren an die Plattform oder Cashback an uns? Nicht aus Nächstenliebe. Er tut es, weil er bei klassischen Banken kein Geld bekommt – oder zumindest nicht zu Konditionen, die sein Geschäftsmodell tragen würde. Wir finanzieren hier Projekte, die durch das Risikoraster konventioneller Banken gefallen sind. Das ist per se nicht verwerflich, aber es definiert die Risikoklasse: Wir bewegen uns im grauen Kapitalmarkt, weitab von Einlagensicherung und strenger Regulierung.
Der technische Deep-Dive: Wo dein Geld wirklich liegt
Im Video habe ich es nur kurz angerissen, aber hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Struktur, denn hier liegt oft das Missverständnis. Viele Investoren lassen sich vom Wort „Besichert“ (Secured) beruhigen. Ein Wald, ein Windpark, eine Immobilie – das klingt handfest. Das hat ja alles schließlich einen Wert, wenn etwas schiefgeht, oder nicht?
Doch die rechtliche Konstruktion entscheidet darüber, ob diese Sicherheit für dich überhaupt greifbar ist:
1. Die SPV-Falle (Special Purpose Vehicle)
Zwischen dir und dem eigentlichen Projekt (z.B. dem Windpark) stehen oft Zweckgesellschaften (SPVs). Das hat rechtliche Gründe, aber es bedeutet auch eine zusätzliche Ebene an Komplexität. Wenn die Plattform pleitegeht, sollte das SPV theoretisch isoliert sein. In der Praxis zeigt sich aber oft, dass die rechtliche Durchsetzung über Ländergrenzen hinweg extrem schwierig ist, wenn die Konten der Zweckgesellschaft plötzlich leer sind oder eingefroren werden.
Es fehlt eben ein direkter Anspruch (z.b. Eintrag in der Grundschuld) von dir. Du hast Forderungen gegenüber der SPV und sie die Sicherheiten, vielleicht.
2. Das Wasserfall-Prinzip und Senior Loans
Noch kritischer ist der Rang, den wir einnehmen. Oft sind wir nicht die einzigen Geldgeber. Es gibt häufig Senior Lender (z.B. lokale Banken oder institutionelle Fonds), die im Grundbuch an erster Stelle stehen. Wir P2P-Investoren bedienen meist die Mezzanine-Tranche oder Nachrangdarlehen. Das bedeutet im Klartext: Wenn das Projekt scheitert und die Sicherheiten (Wald, Kraftwerk) zwangsversteigert werden, greift das „Wasserfall-Prinzip“. Zuerst bekommt die Bank ihr Geld (Senior Loan). Erst wenn dann noch etwas übrig ist, kommen wir an die Reihe. Bei einer Zwangsverwertung werden Assets aber oft unter Wert verkauft – was bedeutet, dass für den Nachrang oft der Totalverlust steht, obwohl es eine „Sicherheit“ gab.
Und nicht vergessen: Derjenige, der das managt, der Insolvenzverwalter, will auch Geld sehen! Die Kosten sind nicht unerheblich.
Zeit ist Geld: Die unterschätzten Kosten einer Insolvenz
Ein Aspekt, den ich in meiner Laufbahn schmerzlich lernen musste (Grüße gehen raus an Lenndy), ist der Faktor Zeit. Selbst wenn am Ende einer Pleite noch Geld zu holen ist, sprechen wir oft von Jahren.
In meinem Fall läuft das Verfahren seit über drei Jahren. In dieser Zeit ist dein Kapital nicht nur blockiert („totes Kapital“), es erwirtschaftet keine Zinsen und verliert durch die Inflation an Wert.
Dazu kommen Insolvenzverwalter und Anwälte, die ihre Gebühren aus der Insolvenzmasse ziehen, bevor auch nur ein Cent an die Gläubiger ausgezahlt wird. Eine „Rückkaufgarantie“ (Buyback Obligation) ist in diesem Szenario übrigens wertlos, da sie nur so stark ist wie die Bilanz des Kreditgebers, der sie ausgesprochen hat. Bei Lenndy gabs die auch und das war damals auch einer der Auslöser für die Insolvenz.
Mein Geld bei Lenndy habe ich daher schon lange abgeschrieben, ich denke, da wird nichts mehr zurückkommen.
Diversifikation ist kein Buzzword, sondern minimiert deine P2P Risiken
Warum investiere ich trotz dieser Risiken weiter? Weil die Rendite stimmt – wenn das Positionsmanagement passt. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob ich 11.000 Euro „Spielgeld“ (im Verhältnis zum Gesamt P2P Investmentvermögen bzw. überhaupt Vermögen) riskiere, oder ob ich, wie manche Zocker, 250.000 Euro – womöglich noch kreditgehebelt – auf solche Plattformen werfe.
Die Rechnung „Ich nehme einen Kredit für 8 % auf und kassiere 18 % Zinsen“ ist mathematisch korrekt, aber risikotechnisch Harakiri. Wer mit Hebel im unregulierten Markt unterwegs ist, hat keine Pufferzone. Ein einziger großer Ausfall kann hier die private Insolvenz bedeuten.
Meine Ventus Position ist unter den riskanten neuen Mezzaninen-Buden tatsächlich die größte, aber mit „nur“ 8% doch auch wieder überschaubar im Gesamt P2P Kredite Kontext. Und ich setze eben nicht alles auf eine Karte wie du siehst:

Und natürlich gewichte ich solche Plattformen ganz anders in meinem Portfolio als z.b. Mintos. Dazu kommt noch, dass ich ein Freund, des Gesetzes der frühen, ersten Projekte, von solchen Plattformen bin, und daher gerne auch mal früh dabei bin, um dann zu entscheiden, wie es mit einem Investment dort weitergeht.
Dazu kommt, dass es gerade am Anfang Marketing Cashback gibt, das später immer weniger wird.
Mein Fazit: Nutzt die hohen Zinsen und das Cashback gerne mit – ich tue es auch. Aber seid euch bewusst, dass ihr hier für ein signifikantes Ausfallrisiko bezahlt werdet. Prüft nicht nur die bunten Bilder der Projekte, sondern schaut ins Kleingedruckte: Wer steht im Grundbuch? Welchen Rang hat mein Darlehen? Mach dir bewusst welches Risiko du wirklich eingehst. Wenn du meine Artikel und Videos kennst, wirst du auch da immer wieder den Hinweis darauf finden, die sind nun mal signifikant, genauso wie hoffentlich dann auch deine Rendite!
Und vor allem: Tut es mir richtig, richtig weh, wenn dieses Geld morgen weg ist?
Wenn die Antwort auf die letzte Frage „Ja“ lautet, ist deine Position zu groß.
Zuletzt aktualisiert am: 16. Dezember 2025
Haftungsausschluss & Interessenkonflikt Dieser Artikel ist ein Werbebeitrag. Ich erhalte eine Provision, wenn du dich über die enthaltenen Affiliate-Links registrierst und investierst. Dennoch investiere ich mein eigenes Kapital und habe selbst „Skin-in-the-game". Ich besitze keine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler nach § 34f GewO und bin nicht von der BaFin zugelassen. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar. Auf fast allen Plattformen, über die ich berichte, bin ich selbst investiert. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Investitionen in P2P-Kredite und vergleichbare Vermögensanlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalausfall verbunden. Renditen in der Vergangenheit sind keine Garantie für die zukünftige Entwicklung. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich.
👉 Über meinen Indemo Link gibt es zusätzlich 0,5% reguläres Cashback.
Du kennst die besicherte Forderungsplattform noch nicht? Dann lies meine Indemo Erfahrungen.