[P2P Alternativen] Hochdividenden Rendite mit BDCs statt graue & wacklige Geschäftskredite

Nachdem Luis im letzten P2P Cafe ja schon einige Alternativen oder Ergänzungen zu “klassischen” P2P Investitionen mehr als angerissen hat, wollte ich das Thema noch ein wenig weiter vertiefen. Gerade jetzt wo es doch ordentlich wackelt in der P2P Welt für die Leser relevant die sich vielleicht nun doch überlegen verstärkt auf dem regulierten Markt, ihr Geld renditestark und ausschütten, anzulegen?

Die Alternative für Geschäftskredite

Dazu konnte ich Anton Gneupel gewinnen, der sich, insbesondere im P2P Kontext, ein paar Gedanken zu Anlagealternativen gemacht hat.

Er hat auch ein passendes Wertpapier gefunden, das für uns P2P Investoren interessant sein könnte und es entsprechend analysiert. Selbstverständlich ist dies hier keine Anlageberatung noch Empfehlung in irgend ein Papier zu investieren.

Vorneweg aber noch ein paar grundlegende Informationen zu den verschiedenen angesprochen Anlageklassen.

Das Investment erfolgt über etablierte Anlageformen (Wertpapiere) niemand muss sich auf den grauen Kapitalmarkt begeben wie bei unseren geliebten P2P Plattformen und die Papiere werden (ausschließlich) an der Börse, überwiegend an der New York Stock Exchange, gehandelt. Dazu gibt es auch einige staatliche Regulierungen die, in diesem Fall allerdings, durchaus positiv zu bewerten sind! Um was geht es konkret?

Business Development Companies (BDCs)

Das vorgestellte Papier investiert Hauptsächlich in sogenannte Business Development Companies (BDCs)  die eine eigens vom US Gesetzgeber regulierte Anlageklasse darstellt.  Anton erklärt dies auch noch mal im Video genauer daher nur ganz kurz. Es werden vornehmlich kleine und mittelständische Unternehmen aus den USA von BDCs finanziert aber auch saniert. D.h. sie beschränken sich eben nicht nur darauf reine Geldgeber zu sein, sondern beraten die  Unternehmen auch entsprechend. Das Konstrukt gibt es schon sehr lange, seit nunmehr fast 40 Jahren und bietet einige Vorteile, so müssen die BDC eine mindest Diversifikation aufweisen, ebenso müssen sie mindestens 90% ihres Gewinns ausschütten und dürfen nur bis zum maximalen Verhältnis von 2:1 Fremdkapital aufnehmen. Allerdings auch zwingend, da Kosten verursachend, Beratungsleistung an die Unternehmen in die sie investieren, erbringen.

Es gibt zwar nur um die 50 BDCs aber für die meisten Anleger sind das dann doch ein paar zu viele und es bietet sich gerade bei so einem spezialisierten Segment eine Sammelanlage, wie ETFs oder wie nachfolgend vorgestellt ein weiteres spezielles Konstrukt ein spezialisierter CEF an.

Closed End Fund (CEF)

CEFs kennt man im Gegensatz zu ETFs jetzt noch nicht so, dabei handelt es sich auch hier wieder um ein in der USA reguliertes spezielles Finanzprodukt. Ein CEF wird zu einem bestimmten Zweck aufgelegt und sammelt Kapital ein. Ist er ausreichend kapitalisiert, wird er dann geschlossen. Ab diesem Zeitpunkt können keine Anteile mehr emittieren oder auch zurückgekauft werden. Der Handel erfolgt ab diesem Zeitpunkt nur noch über die Börse (Sekundärhandel). Im Unterschied zu einem ETF wird kein Kurs auf Basis der enthaltenen Aktien (Werte) erstellt, sondern dieser wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Was zur Folge hat  das der CEF gegenüber dem inneren Wert (Net Asset Value (NAV)) ein Agio (Aufschlag) oder Disagio (Abschlag) aufzeigt. Das bedeutet das durchaus immer mal wieder ein Schnäppchen möglich ist.

Zusätzlich ist es auch CEFs erlaubt einen gewissen regulierten Anteil an Fremdkapital einzusetzen um die Rendite zu hebeln – das machen auch gut 70% der CEFs. Der von Anton vorgestellte übrigens auch mit moderaten 25%. Und wie unschwer zu erahnen ist, sind dies aktiv gemanagete Fonds die natürlich auch Geld kosten meist etwas mehr als 1% .

Sehr gute Informationen über CEFs und ihre Kennzahlen erhält man z.B. bei https://www.cefconnect.com/

Und da der besprochene CEF nicht nur BDCs sondern auch eine spezielle Form von Real Estate Investment Trust  REITs enthält schauen wir uns die auch noch kurz an.

Mortgage Real Estate Investment Trusts mREITs

Ein kleiner Teil (~10%) hält der Trust auch in  mREITs  diese investieren in Hypothekendarlehen und Hypotheken-besicherte Wertpapiere (MBS) also das was wir unter Immobilienkredite verstehen und in die wir P2P Investoren gerne über Estaqeguru, Bulkestate oder auch Bergfürst anlegen! Im Gegensatz zu klassischen REITs die Immobilen besitzen und bewirtschaften (vergleichbar mit Exporo Bestand)  geht es hier also rein um die Finanzierung von Immobilien.

Wobei man innerhalb der Gattung noch zwischen  Residential (private Hauskredite vorwiegend als hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS) oft von einem der drei Federal Reserve Institutionen Fannie Mae, Freddie Mac & Ginnie Mae besichert, abgebildet) und  Commercial (kommerzielle Projekte wie Hotels und Gewerbebetriebe über klassische Darlehen oder Commercial MBS die allerdings in aller Regel nicht besichert sind) und der Kombination aus beidem den Hybrid REITs.

Sie investieren nicht nur selbst in Kredite, sondern arbeiten auch selbst noch einmal mit Fremdkapital (also gehebelt) und zählen damit definitiv zu hochspekulativen Investments. Und bei dem ein oder anderen wird es klingeln, genau solche Papiere waren mit ein Auslöser in der letzten Finanzkrise. Sie reagieren nicht nur empfindlich auf Krisen, sondern auch auf jegliche Änderung der Kreditzinsen. Im First Trust Speciality Finance CEF sind drei die überwiegend in residential mit besicherten MBS investieren enthalten.

Antons Beipackzettel zum First Trust Specialty Finance

Zinstragende Investments sind gerade für einkommensorientierte Anleger
interessant, da sie die Möglichkeit von regelmäßigen Barerträgen bieten.

Diese sind Voraussetzung, um Ausgaben des Alltags bestreiten zu können. Zu den
besonders rentierlich verzinsten Anlagen, zählen P2P-Kredite die hohe Zahlungen
ohne sichtbare Volatilität bieten. Da Anleger, die auf regelmäßige Zahlungen
angewiesen sind, möglichst breit diversifizieren sollten, ist es geboten sich auch
am weißen Kapitalmarkt zu engagieren.

Mit börsennotierten Investments lassen sich ebenfalls zweistellige Aufschüttungsrenditen bei gleichzeitig besserer Regulierung und Transparenz erzielen. Zwei als P2P-Ersatz infrage kommende Arten von Hochdividendenwerten, sind zum einen die Business Development
Companies und zum anderen die Mortgage-Reits.

Diese Unternehmen Investieren ebenfalls überwiegend in verzinste Anlagen, wie  Geschäftsdarlehen bzw. Hypotheken-Anleihen und erzielen damit regelmäßig Eigenkapitalrenditen oberhalb der 10 %. Die hohe Ertragskraft kann an die Investoren, in Form  von Dividenden, weitergeleitet werden.

Für eine maximale Diversifikation empfiehlt es sich aber auch hier, nicht auf Einzelwerte zu setzen. Stattdessen sollten private Investoren in eine Sammelanlage wie beispielsweise einen Fonds investieren. Einen geeigneten Fonds, der quartalsweise ausschüttet, habe ich in meinem neuen Videobeitrag analysiert.
Viel Spaß, Euer Anton

Anton von D wie Dividende

Meine Gedanken zu dieser Anlageform

Ich investiere sehr gerne in Geschäftskredite wie sie z.B. Linked Finane oder auch Crowdestor anbietet und fand es sehr interessant das dies auch mindestens so einfach, wenn nicht sogar einfacher da Börsennotiert in ein ganzes Universum in USA über BDCs  möglich ist.  Und als Diversifikation Fürsprecher finde ich es natürlich hervorragend, wenn ich für die ganze Anlageklasse auch noch mehrere Sammelanlagen angeboten bekomme. Allerdings natürlich ist klar das wir hier “nur” Amerikanische Geschäftskredite abdecken – eine vernünftige Länderdiversifikation muss darüber hinaus geschehen.

Über den besprochenen First Trust Specialty Finance hatte ich früher schon einmal in einem

ausführlichen Review gelesen mich aber gegen ihn, zugunsten eines noch breiter streuenden ETFs dem VanEck Vectors BDC Income ETF (WKN: A2AHK2 ISIN: US92189F4110 US-Symbol: BIZD) entschieden. Vor allem die breite Streuung und der fehlende zweite Hebel waren damals ausschlaggebend und natürlich auch der Umstand das ich früher auch nur diesen  über die Comdirect Bank ordern konnte.

Jetzt als Captrader Kunde (hier ist man mit 2$ schon bei einer Order in NYCE mit dabei)  und auch nach einem zweiten Blick spiele ich schon mit dem Gedanken im FIRST TRUST SPECIALTY FINANCE (WKN: A0YDNQ ISIN: US33733G1094)  übrigens mit dem Kürzel FGB leicht zu finden, einzusteigen. Das Verhältnis NAV zu Kurs ist mittlerweile auch wieder fair bewertet, ob die dahinterliegenden BDCs dies auch sind, würde ich mir vielleicht noch mal genauer anschauen.
Die relativ hohe Ausschüttung von 9% würde sich auf jeden Fall fast genauso anfühlen wie meine Business Kredit Rendite bei P2P Plattformen. Allerdings mit einem gänzlich anderen Risikoprofil im Vergleich zum P2P Risiko und natürlich der Chance auf Kurssteigerung. Selbstverständlich auch mit entsprechendem Risiko das sich beides auch negativ entwickelt!

Auf jeden Fall werde ich mich weiter mit dem Thema beschäftigen und das ein oder andere Investment wagen vielleicht auch mal direkt in einen BDC abseits der Schwergewichte die ich aktuell einfach für zu hoch bewertet (Aufpreis zum NAV >5%) halte.

Ist das ein Segment für euch?
Ist das Content der hierher passt oder wollt ihr P2P und nix als P2P?

Feedback erwünscht!

Und da ich dieses Jahr eher keinen Artikel mehr veröffentlichen werden wünsche ich  euch schöne Feiertag und beendet 2019 ordentlich! Und natürlich Danke für eure Zeit und Treue in 2019 – bis nächstes Jahr…!

 

 

9 Gedanken zu „[P2P Alternativen] Hochdividenden Rendite mit BDCs statt graue & wacklige Geschäftskredite

  1. Thomas M.

    Zwei Herzen wohnen, ach, in meiner Brust: Auf der einen Seite finde ich, sollte dieser Blog sich nicht allzu stark verzetteln, auf der anderen Seite, hat mich dieser Beitrag sehr stark interessiert, da ich ein bisschen in weniger zyklische und mehr auf Ertrag ausgerichtete Investitionen diversifizieren will.

    1. p2pAdmin Beitragsautor

      Hallo Thomas
      Danke für deinen Kommentar. Der Schwerpunkt P2P wird sicher bleiben – allein durch das Cafe das ich mit Lars zusammen mache sind schon einige Beiträge gesetzt 🙂
      Ein bisschen mehr über den Tellerrand werde ich wohl 2020 schon schauen allein auch aus eigenem Interesse – bei nur 10% P2P müssen auch 90% Kapital angelegt werden und das nicht nur in ETFs 😉

  2. Andreas

    Ich bin kein Steuerberater, aber ich glaube mit REITs über ausländiche Broker (Captrader = Interactive Brokers) macht man bei der Steuererklärung nochmal ein neues Fass auf (Anlage Kap INV). Dagegen sind in Euro angelegte P2P-Kredite relativ banal zu versteuern (soweit ich das bisher beurteilen kann). Ich finde den Blick über den Tellerrand sehr interessant, würde es aber begrüßen, wenn auch der sich daraus ergebenden Aufwand am Jahresende Beachtung findet. Gerade bei ETF und so kann man sich als deutscher Anleger im Ausland ganz schön Arbeit aufhalsen, die einem von deutschen Banken freundlicherweise angenommen wird. Ob das dann für ein paar Prozente oder ein mehr an Diversifikation lohnt, muss jeder für sich entschieden (können!).

    1. p2pAdmin Beitragsautor

      Hallo Andreas
      Vielen Dank für deinen Kommentar
      Soweit ich es verstehe werden REITs, BDCs und auch CEFs wie Aktien behandelt und auch entsprechend versteuert (Quellensteuer & Dividende) das ist dann auch nicht mehr so weit weg von P2P Krediten vom Aufwand her 😉 Schau mal auf Luis Blog “nur bares ist wahres” der hat dazu mal was geschrieben – kann dir sonst auch mal den link heraussuchen.
      Der VanEck liegt bei Consors also auch entspannt.
      Allerdings habe ich noch andere ETFs bei Captrader – da muss ich mal schauen ob das so schlau war – Danke fürs erinnern 😉

  3. Sebastian A.

    Der VanEck ETF klingt spannend, allerdings sind die Informationen im comdirect Informer doch eher dürftig.
    Auf der VanEck Website wird mir der auch nur angezeigt, wenn ich mich als US Investor ausgebe.
    Sehe ich das richtig, dass der eine TER von 9,62% hat? Falls ja ist das schon ne Ansage.
    Allerdings scheint er ja auch trotz der TER eine Ausschüttungsrendite von 9-10% zu schaffen, von daher vielleicht doch interessant…

    1. p2pAdmin Beitragsautor

      Moin Sebastian
      Danke für deinen Kommentar!
      Über das TER Thema bin ich auch gestolpert und habe dazu aber auch mal ein Kommentar gefunden (Quelle nicht mehr wiedergefunden) das man dies so nicht rechnen kann – keine Ahnung was da alles mit eingerechnet ist und der wohl um die 1% liegt. Auf jeden Fall hat mich damals die Antworten soweit überzeugt, dass die Gebühren angemessen sind (das wären >2% für mich definitiv nicht) und ich habe investiert 😉 Wenn du dazu eine Quelle findest, gib mir ruhig Bescheid …. Grüße Thomas

      1. Sebastian A.

        Moin Thomas,

        danke für deine Antwort.
        Ich finde dazu leider auch nichts genaueres, vielleicht mache ich dazu trotzdem mal ein kleines Testinvest.

        Darf ich fragen wo du den gekauft hast? Bei comdirect über Tradegate?
        Normalerweise tätige ich meine Einzelkäufe bei Degiro, aber da finde ich den nicht in der Suche, kann also keine Order platzieren…

        Viele Grüße und Frohes Neues!

        Sebastian

        1. p2pAdmin Beitragsautor

          Ich habe ihn über Consors gekauft (geht da wohl auch immer noch) bei der Comdirect bekommst du ihn wohl nicht mehr.
          Den CEF dürftest du dagegen bekommen (Ist aber bei beiden zu “teuer” zum ordern vielleicht bei Degiro günstiger?).
          grüße
          Thomas

  4. Sebastian A.

    Stimmt, wenn ich auf ordern klicke sagt er mir, dass das Produkt nicht für den Handel mit Privatkunden zugelassen ist.
    Ärgerlich, dabei bin ich eigentlich VanEck Fan (den VanEck Vectors Global Real Estate kaufe ich immer gratis bei Degiro und alleine für die Tatsache, dass sie einen esport und Gaming ETF aufgelegt haben bekommen sie von mir Pluspunkte, da ich beruflich in der Branche bin).
    Aber extra dafür jetzt noch ein sechstes Depot aufmachen, nur für einen einzigen ETF, ich weiß nicht…

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