Buyback bei P2P Plattformen – Die Rückkaufgarantie Fluch oder Segen?

Vorwort zur Streitschrift Buyback von Andreas & Thomas 

Alle die sich mit P2P Krediten beschäftigen stoßen über kurz oder lang auf das Thema Buyback für viele ein Segen für einige, wie auch mich, eher ein Fluch im Kontext der P2P Risiken. Ich habe zwei Vertreter der konträren Ansichten gebeten sich einen Schlagabtausch dazu zu liefern zum einen Thomas der im letzten P2P Café sich gegen Buyback ausgesprochen hat zum anderen Andreas, der das so nicht stellen lassen wollte!
Wo findet ihr euch wieder?

Der Auftakt – Pro Buyback Andreas

Andreas Hofmeister – Pro BuyBack P2P Investor

Ich möchte meinen Beitrag mit einer Verortung und einer Relativierung beginnen, so dass die Leser meine Argumente besser einschätzen und mit ihrer Investmentstrategie abgleichen können. 

Ziel meines Investments in P2P ist ein Passives Einkommen von mehreren hundert Euro monatlich zu generieren, das recht bald Teil meiner Ruhestandsbezüge werden soll. Ich bin 58 Jahre alt. Insofern bin ich in P2P auch mit nennenswerten Summen investiert, deren Zinsen ich aktuell reinvestiere. Derzeit in vier-einhalb Plattformen: Bondora Go&Grow, EstateGuru, Mintos und Grupeer. Die halbe Plattform ist auxmoney die mir (nur) als Einstiegsdroge gute Dienste geleistet hat. Da jede Plattform ihr eigenes Geschäftsmodell hat, ist vermutlich BuyBack  nicht gleich BuyBack. So habe ich z.B. den BuyBack bei Grupeer bis heute nicht wirklich verstanden. 

Wenn ich im Folgenden also Pro-BuyBack argumentiere, bezieht sich das auf Mintos, das übrigens auch mein mit Abstand größtes Investment darstellt. Auf Mintos bin ich nun zwei Jahre unterwegs. Das ist eine noch recht kurze Erfahrung. Ein P2P-Profi bin ich also eher nicht.

Für mich ist der BuyBack ein unverzichtbares Instrument um als Investor in ruhigen Zeiten auf die Veränderungen im Markt zu reagieren und mein Invest planbar zu halten. Mir ist bewusst, dass der BuyBack im Falle einer finanziellen Schieflage eines Anbahners wenig wert sein wird.

Der BuyBack schützt mich vor einer Anhäufung fauler Kredite

Die Anbahner dürfen einen Kredit zu jeder Zeit zurückkaufen, nicht nur wenn dieser in Verzug ist. Einen Kredit in Verzug oder erst recht einen ausgefallenen Kredit würde ein Anbahner ziemlich sicher nicht freiwillig von mir zurückkaufen. Gute Kredite mit hohen Zinsen von guten Kreditnehmern aber schon und ohne dass ich das verhindern könnte. 

Beispiel: Im vergangenen Spätsommer wurde die Option vorzeitiger Rückkäufe von den Anbahnern reichlich genutzt, um bei deutlich fallenden Zinsen am Markt aus den „teuren“ Krediten raus zu kommen und diese umgehend mit niedrigeren Zinsen neu anzubieten und so ihren Gewinn zu optimieren. 

Vergleichbares Verhalten würde ich ohne BuyBack erwarten: die guten Kredite werde ich tendenziell verlieren, die faulen darf ich behalten. Ohne BuyBack bin ich alleiniger Träger des vollen Risikos. Der Anbahner wird tendenziell weniger Sorgfalt in die Auswahl seiner Kreditnehmer legen, denn er hat nur Vorteile aber keine Nachteile aus diesem Verhalten. Ohne BuyBack würde m.M. die Qualität der Kredite deutlich sinken. Ich sehe den BuyBack daher als eine Art Interessenausgleich zwischen Anbahner und Investor.

 

Ohne BuyBack keine PayDay-Loans und schwieriger Zweitmarkt

Der beliebte Typ der PayDay-Loans, also der Kurzzeit-Kredite im Zeitraum weniger Tage bis zu ein, zwei Monaten wäre für mich ohne BuyBack nicht denkbar. Ein Investor in diese Kreditart würde sich Monat für Monat einer schnell wachsenden Zahl ausgefallener Kredite gegenüber sehen. Es wäre ein Turbo-Staubsauger für faule Kredite. Die Rendite würde ins bodenlose fallen.

Daraus folgt zwangsläufig, dass ich als Investor nicht mehr so flexibel auf Zinsänderungen im Markt reagieren kann. Das “Parken” von frei gewordenem Kapital in Kurzläufer um z.B. eine Niedrigzinsphase zu überbrücken wäre nicht mehr sinnvoll. Das gilt auch für Kapital, das ich in einigen Monaten brauche und mit dem ich bis dahin gerne ein paar Euro Zinsen verdienen möchte. Als Investor ist mir ein schneller Strategiewechsel nur mit BuyBack möglich.  

Bereits mit BuyBack sind bei mir ständig etwa 25% der Kredite in Verzug. Dieser Anteil ist nur deswegen zu halten, weil ich durch BuyBack regelmäßig von Krediten im Verzug befreit werde. 

Ebenso zwangsläufig folgt für mich, dass ohne BuyBack der Zweitmarkt deutlich weniger liquide sein wird. Möchte derzeit jemand einen Teil seines Portfolios rasch “versilbern” kann er darauf hoffen, auch Kredite die nur noch wenige Wochen oder gar Tage laufen, ggf. mit einem kleinen Rabatt an andere Investoren verkauft zu bekommen. Der Käufer weiß ja, dass er in der Regel spätestens nach zwei Monaten zu seinem Geld kommt. Mit Zinsen. 

Die Gegen Rede  – Contra Buyback Thomas Maurer

Warum auf Gewinn verzichten?

Thomas Maurer - Contra Buyback P2P Investor

Thomas Maurer – Contra Buyback P2P Investor

Buyback ist der Wunsch nach ein bisschen Sicherheit in einem unsicheren Business. Es ist aber auch die Illusion derjenigen, die meinen, “inbegriffen” sei “umsonst”. Da der Darlehensanbahner einen Reservepuffer anlegen muss für den Buyback, fährt der Kunde im Durchschnitt schlechter, als wenn es keinen Buyback, dafür aber einen höheren Zins gäbe. Dass die Prämieneinnahmen höher sind, als die Schadenssumme ist bei jeder Versicherung so, sonst würde es gar keine Versicherungsgesellschaften geben, denn sie wären alle pleite. Wann macht für den Kunden eine Versicherung Sinn? Eine Versicherung macht Sinn, wenn ein unwahrscheinliches Ereignis uns existentiell bedroht. Die Chance, dass unser Haus abbrennt, ist sehr gering, aber wenn es passiert, und wir haben keine Versicherung, sind wir ruiniert. Das ist aber bei P2P Krediten nicht der Fall, sofern wir über genügend Kredite verfügen. Wenn die Ausfallrate 5% ist, und wir haben 2000 Kredite, dann werden wohl auch ca. 80-120  Kredite ausfallen, und in einem solchen Fall fahren wir mit der Buyback Versicherung sicher schlechter, da der Anbahner aus Sicherheitsgründen mit 10% Ausfallrate budgetiert.

Buyback macht schlimme Situationen noch schlimmer

Kommt es einmal knüppeldick, und die Ausfallrate ist über längere Zeit bedeutend höher als vom Darlehensanbahner budgetiert, dann sind zwei Szenarien denkbar:

  • Der Anbahner hält sein Versprechen nicht ein, und stellt die Buybackzahlungen ein.
  • Der Anbahner kann die Verpflichtungen nicht einhalten, und geht Konkurs.

Genau dann, wenn wir den Buyback am meisten bräuchten, wird er versagen. Es ist natürlich so, dass der Konkurs eines Anbahners nicht automatisch alle Kredite wertlos macht, aber bis eine Auffanggesellschaft oder sonst ein Rechtsnachfolger etabliert ist, wird viel Zeit ins Land gehen, und die Rückzahlung an uns Kreditgeber wird dadurch nicht schneller oder wahrscheinlicher.

 

Andreas’ Argument No. 1 – Anhäufung fauler Kredite

Dass Anbahner gute Kredite zurückkaufen können, ist ein Fakt, welches sich nicht zu Gunsten des Kreditgebers auswirkt, und die von Andreas gewünschte Planbarkeit schmälert. Mit der Anhäufung von faulen Krediten hat das aber überhaupt nichts zu tun. Haben wir 90% gute Kredite und 10% faule Kredite, spielt es keine Rolle, ob uns der Anbahner die 90% gute Kredite abkauft oder nicht, wir bleiben auf den 10% fauler Kredite sitzen.

Andreas’ Argument No. 2 – Buyback erhöht Sorgfalt der Kreditgeber

Diesem Argument liegt der Irrtum zugrunde, dass bei Personal Loans eine sorgfältige Prüfung stattfindet. Oft ist das Gegenteil der Fall. Die Caritas hat 2017 der Schweizer Finanzmarktaufsicht zwei Banken gemeldet, denen sie vorwirft, Kleinkredite auch an Leute zu vergeben, welche die Bedingungen für eine Krediterteilung nicht erfüllen. Warum macht eine Bank das? Eine sorgfältige Kreditprüfung kostet bei den kleinen Beträgen, die hier im Spiel sind, viel zu viel Geld. Es ist rentabler, 100 Personen ohne große Prüfung einen Kredit zu geben, und 5 zahlen diesen dann nicht zurück. Dass die 5 überschuldeten Personen den Steuerzahler mittels Sozialhilfe etc. viel Geld kosten ist einer Bank egal. 

Abschließen möchte ich mit Andreas’ Satz: “Ohne BuyBack bin ich alleiniger Träger des vollen Risikos.”. Da möchte ich die renommierte deutsche Zeitung FAZ zitieren: “

Man kann die Risikoaversion der Deutschen mittlerweile fast schon pathologisch nennen oder ihr aber zumindest Sprichwortpotential nachsagen.FAZ 2005 - Die Risikoscheu der Deutschen ist fast sprichwörtlich
Hohe Rendite möglichst planbar und risikofrei geht einfach nicht. Vielleicht fällt es mir leichter, damit zu leben, da ich als Selbständiger und Firmengründer seit 27 Jahren kein regelmäßiges Einkommen mehr habe, und damit viel besser gefahren bin als mit einem regelmäßigen Einkommen.

Auf zur zweiten Runde?

Wo positioniert ihr euch?

Was haltete ihr von Andreas Argumenten, zugegeben hat mich sein Punkt Buyback “motiviert” die Kreditanbahner auch das Geld wieder einzutreiben” durchaus ins Grübeln gebracht, seht ihr das ähnlich?

Oder steht ihr eher auf der Seite von Thomas, der sich über die durch Buyback reduzierte Rendite aufregt und die falsche Sicherheit beklagt?

Sollen wir die beiden noch in eine zweite Runde schicken, habt ihr noch mehr Argumente für oder gegen Buyback?

3 Gedanken zu „Buyback bei P2P Plattformen – Die Rückkaufgarantie Fluch oder Segen?

  1. Andreas

    Ich sehe es eigentlich ganz ähnlich wie mein Namensvetter. Mein wichtigster Punkt, warum ich momentan ausschließlich in Buyback Kredite investiert bin, ist, dass ich nicht sehe, dass es bei Krediten und Plattformen ohne Buyback bedeutend höhere Zinssätze für den Investor gäbe. Wenn dem so wäre, würde ich das ganze sicher überdenken und ggf. neu bewerten.

    Zu Thomas Antwort zu Punkt 1: Ich glaube, du argumentierst ein wenig an Andreas vorbei. Das Argument war, dass der Kreditgeber sich nicht wirklich aussuchen kann, nur die guten Kredite zurückzukaufen, sondern auch die verzögerten und ausgefallenen zurückkaufen muss. Auch das finde ich einen sehr beruhigenden Gedanken.

    1. p2pAdmin Beitragsautor

      Hallo Andreas
      Danke für deinen Kommentar, ich aktiver mal meinen Namensvetter Thomas für eine Antwort 😉
      grüße
      Thomas

    2. Thomas Maurer

      Dass aktuell für Kredite ohne Buyback nicht wesentlich höhere Zinssätze angeboten werden, spricht nicht für einen Verzicht auf Buyback. Ich denke aber, dass hier einfach der Markt nicht sauber spielt. Ich selber bin ja in Mintos auch in ganz viele Kredite investiert mit Buyback. Wie ich ja nicht müde werde zu betonen: Buyback ist eine Versicherungsprämie, und wie alle Versicherungsprämien ist sie so berechnet, dass sie für den Anbieter im Regelfall einen Gewinn einbringt.
      Zum zweiten Punkt: Es ist mir nicht bekannt ,dass ein Darlehensanbahner alle Kredite zurückkaufen muss. Wenn das so wäre, dann wäre mein Argument allerdings falsch.

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