Was macht man, wenn die eigene zweitgrößte P2P-Position plötzlich im Sanierungsverfahren steckt? Genau darüber reden Lars Wrobbel und ich in dieser Folge. Denn bei Ventus Energy verlieren wir beide gerade möglicherweise eine Menge Geld: Lars mit 111.000 Euro, ich mit gut 11.000 Euro, bei mir immerhin rund 6,7 Prozent meines Portfolios bei ihm sogar noch mehr. Alles ziemlich unschön.
Eins vorweg, wie immer: Das hier ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung. Wir berichten, wie es uns mit dem Ganzen geht und was wir wissen. Wie genau wir mit Ventus verbunden sind, klären wir gleich präzise, weil dazu viel Falsches im Umlauf ist. Und wir rollen den Fall von vorne auf: was Ventus war, was die BaFin festgestellt hat, was die angekündigte Restrukturierung für uns Anleger bedeutet und was wir jetzt mit unseren Positionen machen.
Zuletzt aktualisiert am: 16. Juni 2026
In den Shownotes findet ihr die Fakten, Zahlen und Links zu allem, was wir besprechen. Die komplette dokumentierte Chronologie und die laufenden Neuigkeiten zum Fall stehen auf der Ventus-Energy-Erfahrungsseite.
Ventus Energy wollte das direkte Investieren in Kraftwerke, Solarparks und Batteriespeicher ermöglichen, beworben mit einer Rendite von bis zu 18 Prozent. Im Mai 2026 hat die BaFin das in Deutschland ohne Erlaubnis betriebene Einlagengeschäft untersagt, im Juni 2026 folgte die Ankündigung einer Restrukturierung nach estnischem Recht. Seitdem ist dieser Beitrag vor allem eine laufende Dokumentation des Falls.
Ganz oben stehen der aktuelle Stand und die jüngsten Meldungen, darunter folgt die Chronologie von den Anfängen, die aus Transparenz- und Dokumentationsgründen unverändert bleibt. Ob daraus eine geordnete Restrukturierung wird oder am Ende die Insolvenz, ist offen. Genau das halte ich hier nach, sobald belastbare Zahlen vorliegen.
Disclosure & Interessenskonflikt: Bin mit >11.000 Euro investiert. Ich halte 0,67% der Anteile an der VENTUS Employee and Partnerships Stock Options OÜ die 15% an der Ventus Energy Group OÜ hält. Meine durchgerechnete wirtschaftliche Beteiligung an der operativen Gesellschaft beträgt ca. 0,1%. Ich habe zudem in der Vergangenheit als Affiliate-Partner über Ventus berichtet und über einen Empfehlungslink verlinkt. Meine dort investierten Gelder sind von den unten beschriebenen Maßnahmen ebenfalls betroffen.
⚠️ Aktueller Hinweis (Stand 11.06.2026): Ventus Energy hat am 11.06.2026 angekündigt, ein gerichtlich begleitetes Restrukturierungsverfahren nach estnischem Recht (Saneerimisseadus bzw. Pankrotiseadus) einzuleiten. Als Gründe nennt das Unternehmen die BaFin-Anordnung vom 05.05.2026 zur Einstellung und Abwicklung des in Deutschland ohne Erlaubnis betriebenen Einlagengeschäfts, erhebliche Störungen der Banken- und Zahlungsverbindungen sowie nach eigenen Angaben gezielte Störaktionen gegen das Unternehmen, zu denen in Estland strafrechtliche Ermittlungen laufen sollen. Konkret bedeutet das nach Angaben von Ventus: keine neuen Investments, Zinsauszahlungen ausgesetzt (aufgelaufene Zinsen werden kapitalisiert) und der Early Exit ist deaktiviert. Ein Rückzahlungsplan soll bis zum 10.07.2026 vorgelegt werden, zentraler Mechanismus soll der strukturierte Verkauf der Energieanlagen sein. Die rechtliche Einordnung des gesamten Vorgangs liegt bei Ventus Energy und den zuständigen Behörden. Die regulatorische Vorgeschichte steht in der BaFin-Verbrauchermitteilung vom 18.05.2026.
📌 Laufende Updates zum Fall: Aktuelle Entwicklungen und neue Meldungen sammle ich fortlaufend im Abschnitt meine laufenden Updates und Einordnungen, die jeweils neueste oben. Der untere Teil des Beitrags dokumentiert den Verlauf von den Anfängen bis zur Restrukturierung und bleibt aus Transparenz- und Dokumentationsgründen unverändert stehen, auch wenn einzelne Aussagen aus der Zeit davor heute anders zu lesen sind.
Ventus Energy: Inhalt
Die wichtigsten Ventus Energy Daten im Steckbrief
Status (11.06.2026)
⚠️ Restrukturierung angekündigt: keine neuen Investments, Zinsauszahlungen ausgesetzt, Early Exit deaktiviert
(Aktuell sind bei Ventus Energy keine neuen Investments möglich. Nach der BaFin-Anordnung vom 05.05.2026 hat das Unternehmen am 11.06.2026 eine Restrukturierung angekündigt, Details im Hinweis oben.)
Restrukturierung oder Insolvenz: der aktuelle Stand
Halten wir den Ablauf chronologisch fest, damit klar wird, wie es zur aktuellen Situation kam. Im Mai 2026 hat die BaFin mit Bescheid vom 05.05.2026 angeordnet, dass die Ventus Energy Group OÜ das in Deutschland ohne Erlaubnis betriebene Einlagengeschäft einstellen und abwickeln muss. Veröffentlicht wurde das in der BaFin-Verbrauchermitteilung vom 18.05.2026. Knapp einen Monat später, am 11.06.2026, hat Ventus Energy dann angekündigt, ein gerichtlich begleitetes Restrukturierungsverfahren einzuleiten. Wie es dazu kam und wie Lars und ich mit dem Fall umgehen, besprechen wir ausführlich in unserer Podcast-Folge zur Restrukturierung.
Aus dem Interview von damals, im Rückblick zentral: Auf meine Frage nach dem Unterschied zwischen Darlehen und Anleihen sagten die Ventus-Gründer, Loans ließen sich deutlich schneller erstellen und seien in den Rahmenbedingungen faktisch identisch zu Anleihen. Genau diese Vertragsstruktur, also ein Darlehen statt einer verbrieften Anleihe, hat die BaFin später als erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft eingestuft. Das vollständige Interview steht weiter unten eingeklappt.
Laut Mitteilung des Unternehmens kamen drei Faktoren zusammen, die den normalen Betrieb nach eigener Darstellung unmöglich gemacht haben:
die BaFin-Anordnung, keine Gelder mehr von Personen mit deutschem Wohnsitz anzunehmen und einen Rückzahlungs- und Abwicklungsrahmen für betroffene Anleger umzusetzen,
erheblich gestörte Banken- und Zahlungsverbindungen, die die Abwicklung von Zahlungen eingeschränkt haben,
nach Angaben von Ventus gezielte Störaktionen gegen das Unternehmen, zu denen in Estland strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden sein sollen.
Wichtig für die Einordnung: Diese Darstellung der Gründe stammt von Ventus Energy selbst. Die rechtliche Bewertung der einzelnen Punkte, insbesondere der erwähnten Ermittlungen, liegt bei den zuständigen Behörden und nicht bei mir.
Die Anteilseigner haben per Beschluss eine Reihe von Sofortmaßnahmen festgelegt. Uns Investoren betreffen vor allem diese Punkte: keine neuen Kredite mehr über die Plattform, Zinsauszahlungen ausgesetzt (alle künftig auflaufenden Zinsen werden kapitalisiert), Early Exit deaktiviert und Auszahlungen aus dem Wallet-Guthaben nur noch so bald wie praktikabel, vorbehaltlich der Compliance-Anforderungen des Zahlungsinstituts. Als zentralen Mechanismus zur Bedienung der Verbindlichkeiten nennt Ventus den strukturierten Verkauf der Anlagen. Ein umfassender Rückzahlungsplan soll bis zum 10. Juli 2026 vorgelegt werden.
Was heißt das konkret? Für mich als Mezzanine-Investor heißt es zunächst: Mein dort gebundenes Kapital ist vorerst nicht verfügbar, Zinsen fließen nicht mehr aus, und ob und in welcher Höhe eine Rückzahlung erfolgt, hängt am Erlös aus den Anlagenverkäufen und an der Rangfolge im Verfahren. In dieser Rangfolge stehen wir Mezzanine-Geber hinter den besicherten Senior Lendern. Die viel beschworene Gruppengarantie wird jetzt das erste Mal real auf die Probe gestellt. Wie belastbar sie ist, lässt sich erst beurteilen, wenn das Verfahren läuft und erste Zahlen auf dem Tisch liegen. Worauf ich achte: die offiziellen Updates zum Verfahrensstand, den Rückzahlungsplan und die Frage, zu welchen Bewertungen die Anlagen tatsächlich verkauft werden. Buchwerte wie die 36,7 Mio. Euro für Powerhouse Jugla sind das eine, ein realer Verkaufspreis unter Zeitdruck kann etwas ganz anderes sein.
Aktuelle Meldungen von Ventus selbst
Die folgenden Meldungen kommen direkt aus dem News-Bereich von Ventus, also vom Unternehmen selbst. Während der Restrukturierung hat Ventus mindestens monatliche Berichte zum Verfahrensstand angekündigt, die jeweils neuesten zwei werden hier automatisch eingebunden:
Ventus 18.06.2026 ARBEITSPLAN WÄHREND DER MITTSOMMERFERIEN Das Ventus Energy Team wird vom 22. bis 24. Juni Mittsommer-Feiertage begehen und der Kundenservice wird begrenzt verfügbar sein. Der normale Betrieb wird am 25. Juni wiederaufgenommen. Das Unternehmen wünscht seinen Partnern einen guten Start in den Sommer. (Quelle)
Ventus 11.05.2026 Ventus Energy / Aprilberichte Ventus Energy hat im April erhebliche Fortschritte in seinen Wind- und Energieprojekten verzeichnet. Der litauische Windpark befindet sich in einer hochaktiven Phase mit abgeschlossener Standortvorbereitung und laufender Installation von Transformatorgründungen. Der Standort PH Jugla erhielt eine bedeutende Kapazitätserweiterung, die die Projektwertung und das Ertragspotenzial erheblich steigert. Ab dem 8. Mai gelten für neue Projekte angepasste Zinssätze.</short>
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Meine laufenden Updates und Einordnungen
Hier sammle ich meine eigenen Updates und Einordnungen zum Fall, die jeweils neueste oben. Anders als die Meldungen oben sind das nicht Ventus-Mitteilungen, sondern meine Beobachtungen.
16.06.2026 – Eigene Podcast-Folge und Lender-Call: Lars und ich haben den Fall, von der BaFin-Anordnung über die Restrukturierung bis zu unseren eigenen Positionen, ausführlich in unserer Podcast-Folge zur Restrukturierung besprochen. Zudem fand die von Ventus angesetzte Lender-Zoom-Runde statt, das Wichtigste daraus weiter unten.
12.06.2026 – Ventus veröffentlicht eigene Darstellung („ventusfiles“): Parallel zur Restrukturierung hat Ventus Energy unter ventusfiles.com eine eigene Darstellung veröffentlicht, in der das Unternehmen die negative Berichterstattung der letzten Monate als koordinierte Kampagne gegen sich rahmt und auf ein in Estland eingeleitetes Strafverfahren verweist. Dabei handelt es sich um eine einseitige, in weiten Teilen unbelegte Selbstdarstellung einer interessierten Partei zu einem laufenden Verfahren, eine unabhängige Überprüfung der dort erhobenen Vorwürfe ist mir nicht möglich. Wer sich die Ventus-Sicht ansehen will, findet sie über den Link, die Einordnung überlasse ich bewusst euch.
16.06.2026 – Ventus-Lender-Call, das Wichtigste (alle Angaben nach Darstellung des Unternehmens):
Verkauf: Die Anlagen sollen segmentweise (Wärme, Solar, Wind, Mining) über die operativen Gesellschaften zu „normalen“ Preisen verkauft werden, nicht die Gruppe selbst. Eine M&A-Beratung und mehrere Kaufinteressenten seien eingebunden.
Kapitalstruktur: erstmals grobe Zahlen, unter 10 Mio. Euro Senior-Darlehen und rund 82 Mio. Euro Mezzanine-Forderungen.
Verfahren: die Unterlagen sollen in zwei Wochen ans estnische Gericht, danach stimmen die Anleger ab. Nötig sind zwei Drittel der Forderungssumme, eine Nicht-Stimme zählt als Nein.
Rückzahlung: für den Insolvenzfall schätzt Ventus selbst grob 40 bis 50 %. Für die Restrukturierung nennt das Unternehmen keine feste Quote, auf einer Folie war von bis zu 100 % die Rede, abhängig von den Verkaufserlösen und dem nachrangigen Mezzanine-Kapital.
Das ist die Sicht einer interessierten Partei zu einem laufenden Verfahren. Eine eigene Einschätzung zur erwartbaren Rückzahlungsquote gebe ich bewusst nicht ab, das hängt vom weiteren Verlauf des Verfahrens und von den tatsächlichen Verkaufserlösen ab. Die oben genannten Prozentzahlen sind ausdrücklich Angaben von Ventus, nicht meine Prognose. Meine ausführlichere Einordnung dazu in unserer Podcast-Folge zur Restrukturierung. Ich aktualisiere diesen Beitrag, sobald belastbare neue Informationen vorliegen.
🔒 Ab hier folgt der dokumentierte Verlauf von den Anfängen bis zur Restrukturierung. Dieser Teil bleibt aus Transparenz- und Dokumentationsgründen unverändert stehen, auch wenn einzelne Aussagen aus der Zeit davor heute anders zu lesen sind. Die Angaben im eingefrorenen Teil geben den damaligen Stand wieder und beschreiben überholte Konditionen, Renditen und Abläufe. Verbindlich sind heute ausschließlich die offizielle Ventus-Anlegerkommunikation und die BaFin-Mitteilung, nicht meine älteren Beschreibungen.
Was war Ventus Energy und wer steckt dahinter?
Ventus Energy war ein 2024 in Estland gegründetes Startup, das aus Riga, Lettland, operierte und sich auf den Energiesektor fokussierte. Das Geschäftsmodell unterschied sich vom üblichen Konsumkredit-Geschäft: Investoren finanzierten Kraftwerke, Solar- und BESS-Parks sowie einen Windpark, die Ventus nicht nur finanzieren, sondern auch besitzen und betreiben wollte. Angeboten wurden Mezzanine-Investments mit 16–18 % und seit 2025 zusätzlich besicherte Senior Loans mit 6–11 %. Das Portfolio umfasste zuletzt über ein Dutzend Projekte mit rund 270 MW geplanter Gesamtleistung, das Flaggschiff Powerhouse Jugla in Riga wurde zuletzt mit 36,7 Mio. Euro bewertet (Erwerbswert 17,65 Mio. Euro). Mit der Restrukturierung ist diese Wachstumsstrategie hinfällig, statt Zukäufen sollen die Anlagen nun verkauft werden.
Wer leitete Ventus Energy?
Geleitet wurde Ventus von Henrijs Jansons als CEO und Mitgründer. Er verantwortete die täglichen Abläufe und die Finanzstrategie der Plattform und hat auch die Restrukturierungs-Mitteilung vom 11.06.2026 an die Investoren kommuniziert. Zuvor war er in leitender Position bei Debitum und DoFinance tätig. Mitgründer und CDO ist Janis Timma, in der lettischen Energiebranche gut vernetzt, Vorsitzender des Kraftwärmekopplerverbandes in Lettland und zugleich als CEO von Crowdestor bekannt. Genau diese Crowdestor-Vorgeschichte habe ich von Anfang an als Schwachpunkt notiert, ohne ihm Vorsatz zu unterstellen. Im damaligen Interview hat er dazu Stellung bezogen, nachzulesen weiter unten.
Die Ventus-Gründer: CEO Henrijs Jansons und CDO Janis Timma
In Zahlen: Über die Jahre wurden mehr als 101 Mio. Euro von über 6.100 Investoren finanziert, davon sind rund 75 Mio. Euro ausstehend. Das Mezzanine-Kapital ist nachrangig, im Verfahren werden die besicherten Senior Lender vorrangig bedient. Es gab durchaus ernst zu nehmende Zweifel am Geschäftsmodell und Firmenkonstrukt. Ventus hat daraufhin einen externen Auditor beauftragt, die damals erhobenen Anschuldigungen konnten im Audit widerlegt werden. Das grundsätzliche Risiko eines unregulierten Mezzanine-Investments blieb davon unberührt, und am Ende schlug ein anderes Risiko durch, nämlich das regulatorische.
Auf Einladung und auf Kosten von Ventus Energy konnte ich seinerzeit das Kraftwerk in Riga vor Ort besichtigen. Die Anlage machte einen sauber geführten, technisch soliden Eindruck und gilt als drittgrößtes privates Kraftwerk in Riga, mit einer durchschnittlichen jährlichen EBITDA von 3,7 Mio. Euro und mehreren Einnahmequellen (Strom, Wärme, staatliche Subventionen). Wie viel der zuletzt kommunizierte Buchwert im Verfahren wert ist, entscheidet sich aber erst am realen Verkaufspreis.
Das Ventus-Interview von damals im Wortlaut
Zur Dokumentation bewahre ich hier unser 10in10-Interview mit CEO Henrijs Jansons und CDO Janis Timma auf. Es entstand vor der Restrukturierung. Beide kannten vorab nur die Hälfte der Fragen und hatten je eine Minute Zeit. Gerade die Antworten zu Risiko, Regulierung und Crowdestor liest man heute mit anderen Augen. Die Aussagen sind die der beiden Gründer von damals, nicht meine Bewertung.
Das komplette Ventus-Interview von damals (CEO Henrijs Jansons & CDO Janis Timma)
Warum werden die Kraftwerke an Ventus Energy verkauft?
Die Projekte, die Ventus gefunden hat, sind nach Darstellung von Ventus unterbewertet und bieten Wachstumspotenzial. Jeder Verkauf habe individuelle Gründe: Einige Eigentümer wollten nach vielen Jahren ihre Investition liquidieren oder in eine andere Branche wechseln. Es gebe auch Banken, die solche Kraftwerke aufgrund gesetzlicher Vorgaben nicht in ihren Büchern halten dürften und daher verkaufen müssten.
Warum glaubt Ventus, die Kraftwerke wirtschaftlicher betreiben zu können?
Janis Timma bringt nach eigenen Angaben 15 Jahre Branchenerfahrung mit und verweist auf frühere Erfolge im Kraftwerksbetrieb. Durch die Analyse der Betriebsabläufe und die Installation neuer Technologien wie Wärmetauscher solle die Rentabilität gesteigert werden. Als erste Maßnahme nach einem Kauf nennt er die Aufrüstung mit Elektrokesseln, was die Auslastung um 10 bis 20 % verbessern solle.
Warum werden rentable Kraftwerke überhaupt verkauft?
Kraftwerke würden aus verschiedenen Gründen verkauft: Oft gingen Eigentümer in den Ruhestand, wie im Fall des Powerhouse in Riga, dessen Eigentümer nach Spanien ziehe. Andere wechselten die Branche oder reagierten auf veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen, wie beim Kraftwerk Daugavpils.
Warum 18 % Rendite, wenn 15 % schon an der Spitze der P2P-Renditen liegen?
Ventus wollte schnell neue Investoren anziehen und hat die Zinsen daher hoch angesetzt. Höhere Renditen ermöglichten es, schneller Kapital einzusammeln, um das erste Kraftwerk zügig zu finanzieren. Mittlerweile seien die Zinsen bei neuen Mezzanine-Projekten bereits auf 16 bis 17 % gesenkt worden, für 2026 war das erklärte Ziel, teure Mezzanine-Finanzierungen schrittweise durch günstigeres Bankkapital zu ersetzen.
Warum gibt es keine professionellen Investoren, wenn das Geschäft so profitabel ist?
Nach Darstellung von Ventus sei das eine falsche Annahme. Viele institutionelle Investoren engagierten sich in Energieprojekten, insbesondere bei den besicherten Senior Loans. Mezzanine sei seltener, aber auch hier gebe es staatliche Fonds. Seit Juli 2025 war zudem der Ventus Energy Fund unter estnischer Aufsicht registriert, was die Zusammenarbeit mit institutionellen Investoren erleichtern sollte.
Investieren wir in ein Kraftwerk oder in die Ventus Gruppe?
Die Investition erfolge direkt ins Kraftwerk, im Default-Fall stehe aber die gesamte Ventus Gruppe hinter dem Projekt. Das biete eine zusätzliche Sicherheitsschicht gegenüber einem reinen SPV-Modell. Wie gut die Gruppengarantie wirklich ist, zeigt sich allerdings erst im Problemfall. Wichtig: Im Insolvenzfall werden Senior Lender vorrangig bedient, als Mezzanine-Investoren stehen wir in der Rangfolge dahinter.
Unterschied zwischen Darlehen und Anleihen bei Ventus?
Der Hauptunterschied liege in den rechtlichen Bestimmungen: Anleihen müssten von Regulierungsbehörden genehmigt werden, Loans ließen sich deutlich schneller erstellen. Obwohl sich die Form unterscheide, bleibe das zugrunde liegende Geschäftsmodell gleich, die Rahmenbedingungen von Notes und Loans seien faktisch identisch. (Anmerkung im Rückblick: Genau diese Darlehensstruktur hat die BaFin später als erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft eingestuft.)
Was sind die Risiken bei den hohen Renditen?
Janis Timma nennt vor allem die Volatilität der Rohstoffpreise, besonders Gaspreisschwankungen, dazu mögliche technische Ausfälle und politische Risiken durch neue Gesetze. Diese Risiken seien durch sorgfältiges Management kontrollierbar. Was im Interview damals nicht auf dem Schirm war, ist das regulatorische Risiko, das später durch die BaFin-Anordnung schlagend wurde. Genau dieser dritte Risikoblock, neben Geschäftsmodell- und Betrugsrisiko, hat sich am Ende als der entscheidende erwiesen.
Warum sollte man Janis Timma nach der Crowdestor-Erfahrung vertrauen?
Dazu führen die beiden vier Punkte an: Timmas 15 Jahre Erfahrung und sein Netzwerk in der lettischen Energiebranche; ein anderes Geschäftsmodell als bei Crowdestor, da Ventus eigene Projekte besitze und verwalte statt externe zu finanzieren; ein neues, spezialisiertes Team unter CEO Jansons; und die Zusage, Crowdestor ordentlich abzuwickeln und die dortigen Probleme zu lösen. Wie tragfähig diese Argumente sind, muss am Ende jeder selbst gewichten.
Die komplette 10in10-Folge mit allen Antworten und unseren Einschätzungen gibt es hier zum Anhören:
Wie wir investiert haben und unser damaliges Fazit
Aus damaliger Sicht war das unsere Einschätzung, und auf dieser Basis haben Lars und ich selbst investiert. Wir haben Ventus von Anfang an als risikoreiches, unbewiesenes Investment eingeordnet, das anders war als das übliche Konsumkredit-Geschäft. Die Aussicht auf 16 bis 18 % war verlockend, das Risiko entsprechend hoch. Mit der Restrukturierung hat sich genau dieses Risiko materialisiert.
Lars ist mit 10.000 Euro gestartet und hat seine Position später auf über 111.000 Euro ausgebaut, zudem hält er ebenso eine Beteiligung an der VENTUS Employee and Partnerships Stock Options OÜ. Seine Strategie war, die Zinsen monatlich abzuziehen, um bei einem Scheitern wenigstens einen Teil gesichert zu haben. Genau dieser Mechanismus greift jetzt: Was bereits ausgezahlt wurde, ist dem Verfahren entzogen. Das war seine persönliche Entscheidung auf Basis seines individuellen Risikoprofils und ausdrücklich keine Empfehlung.
Ich habe Ventus immer als das gesehen, was es war: ein risikoreiches Investment in teils real bestehende, produktive Anlagen, das gut in mein sonst eher konservatives Gesamtportfolio passte. Bei den Zahlen war ich vorsichtig, weil ich mich auf das Management verlassen musste und nie selbst verifizieren konnte. Die Crowdestor-Historie von Janis Timma habe ich von Beginn an als Schwachpunkt notiert. Mit der Restrukturierung ist genau der Fall eingetreten, der bei einem solchen Profil immer im Raum stand. Mein dort gebundenes Kapital ist vorerst nicht verfügbar, und ich rechne mit einer langen Aufarbeitung. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist nach wie vor möglich, und wie schnell ein solches Risiko schlagend werden kann, sehen wir gerade. Mein eigenes Investment garantiert keinen Anlageerfolg, die Information dient nur der Transparenz. Ich dokumentiere den Fall hier weiter, sobald belastbare Zahlen vorliegen.
Wer selbst von Ventus betroffen ist, sollte sich an die offiziellen Kanäle von Ventus und der BaFin halten und im Zweifel eigenständig rechtlichen oder steuerlichen Rat einholen.