P2P und Alternative Finanzierungen in Europa – Expanding Horizons Report unter der ­čöŹ

Die Vorstellung des Expanding Horizons Reports

Leider bin ich erst die Tage auf die ├╝beraus interessanten (zumindest f├╝r so Zahlenfreaks wie mich)┬á Studie, die schon Anfang des Jahres der Universit├Ąt von Cambridge „Expanding Horizons“ ver├Âffentlicht wurde, gesto├čen.
Dies ist bereits der┬á dritte┬á Branchenreport f├╝r alternative Finanzierungen in Europa und bietet somit auch viel Material zu den Themen P2P mit den Facetten┬á P2B / P2C – Real Estate etc. voll gespickt mit sch├Ânen Statistiken und Zahlen.

Methodik

Die Studie wurde 2017 von Mitarbeitern des Cambrider Insttitutes f├╝r Alternative Finanzen durchgef├╝hrt und ausgewertet, ver├Âffentlicht wurde diese bereits Anfang 2018 .

Es wurde eine Umfrage unter 344 Plattformen aus dem Crowdfunding und P2P Kredit Umfeld und „andere Alternative“┬á Anlageplattformen durchgef├╝hrt, d.h. die Plattformbetreiber selbst wurden gefragt. Ausser den Premium Partner erf├Ąhrt man keine Namen der vertretenen Plattformen.

Das Ergebnis umfasst immerhin mehr als 100 Seiten.

┬áIch habe versucht das herauszuarbeiten was ich als relevant auch f├╝r mich als privater Anleger bei P2P Plattformen erachte. Und dies dann anschlie├čen auch f├╝r mich zu interpretieren.

Nat├╝rlich kann jeder gerne seinen Kommentar dazu abgeben und seine Meinung und Interpretationen ich bin gespannt!

Kennzahlen und Einordnung der Plattformen

Beeindruckende Wachstumsraten bei allen alternativen Investment Typen

Wenig ├╝berraschend, auch ├╝ber diverse andere Kan├Ąle bekommt man mit, das viel frisches Geld in diesen relativ jungen Markt flie├čt und ein extremes Wachstum herrscht. Das sieht man auch daran das immer noch neue Plattformen dazu kommen und der Verdr├Ąngungswettbewerb noch nicht eingesetzt hat.

Exemplarisch dazu habe ich die absoluten Volumenzahlen die investiert wurden heraus gesucht die Milliarde ist schon lange geknackt:

Expanding Horizons 2018, S.30

Expanding Horizons 2018, S.30

Aufgefallen ist mir das hier zwischen Real Estate Crowdfunding und P2P Property Lending unterschieden wird. Sind damit zum einen z.B.:┬á Crowdestate┬á┬á und zum andern Estateguru gemeint – f├╝r mich war das (bisher) immer ein und das selbe (ganz abgesehen von den Nachrangigen deutschen Portalen Zinsland usw.) oder kann das jemand differenzieren?
Auch spannend sind die mir v├Âllig unbekannten Gebiete wie Bilanzzierungs Kredite?

Relevanter ist das hier unglaublich hohe Wachstumsraten im Spiel sind, 90% bei den klassischen P2C Krediten in 2017 hier wird dieses Jahr sicher alleine in diesem Segment die Milliarde geknackt werden und wieder ein hohes Wachstum in Summe dazu kommen.

Klar ist so ein hohes Wachstum bietet gute Chancen f├╝r Anleger da die Mitbewerber auf Kosten ihrer Gewinne erst einmal wachsen m├╝ssen und dies in der Regel ├╝ber den Preis (d.h. gute Konditionen ) passiert. Allerdings auch mit dem Risiko einer entsprechend laxe Pr├╝fung bei der Auswahl der Kreditnehmer um „liquide“ zu bleiben. Zu weitern daraus resultierenden Risiken kommen wir sp├Ąter noch einmal.

Den L├Ąnderteil lass ich mal raus – interessant war f├╝r mich nur das der deutsche Markt einer der f├╝hrenden ist – dieser Markt ist f├╝r mich als Anleger jetzt, soweit ich mich informiert habe Aufgrund der Ausf├Ąlle, Zinsen oder Investitionsstrukturen (z.B.: Nachrangdarlehn) bisher uninteressant.

Welche Sektoren nutzen welche Alternativen Investments

Interessant wiederum fand ich die Aussage der Plattformen ├╝ber die Anziehungskraft auf bestimmte Sektoren was Alternative Investments angeht. Wenig ├╝berraschend sehr Technologie lastig aber auch sehr h├Ąufig „Essen und Trinken“ – wenn ich so an Flender oder Linked Finance denke passt das hier schon auch ins Bild

. Auch keine ├ťberraschung bei den zwei Immo Investtypen sind >80% auch tats├Ąchlich „Real Estate“ – alles andere w├Ąre auch irritierend.

Expanding Horizons 2018, S.34

Expanding Horizons 2018, S.34

Ich interpretiere das mal so, neue und damit riskantere Unternehmen finden die alternative Anlageformen interessant vor allem auch weil sie auf konventionellen Weg ├╝berhaupt nicht in der Lage sind sich Geldmittel zu beschaffen – andere Branchen findet man dagegen selten bis ├╝berhaupt nicht, schlecht f├╝r die Diversifikation, gut f├╝r die Rendite.

 

Kredite und Kreditnehmer

Schauen wir uns an was die Studie zu den konkreten Krediten und ihren Kreditnehmern zu berichten hat.

Die Kreditgr├Â├če

Das durchschnittliche Volumen eines Kredites ist bei den meisten Sparten gewachsen bis auf das klassische Consumer Gesch├Ąft hier sank der Durchschnitts Kredibetragt deutlich von 10.000ÔéČ auf rund 6.000 ÔéČ. Das zeigt das zum einen die gro├čen Projekte zunehmend auch ├╝ber P2B Plattformen finanziert werden und auch das die Masse an Klein Krediten zunimmt bzw. auch die payday loan Finanzierung ├╝ber P2P zugenommen hat..

Expanding Horizons 2018, S.35

Expanding Horizons 2018, S.35

 Annahme und Finanzierung von Kreditnehmer bzw. Projekten

Spannender finde ich die folgende Grafik die zeigt wie viele Kredite angenommen und schlu├čendlich auch finanziert wurden. Das w├Ąre eine der Statistiken die ich gerne auch wieder wenigstens f├╝r das Baltikum und idealerweise pro Plattform gerne h├Ątte.

Expanding Horizons 2018, S.36

Expanding Horizons 2018, S.36

Ich finde es beruhigend hier kleine Zahlen bei der Kreditannahme zu sehen – das sagt nat├╝rlich trotzdem nichts ├╝ber die Qualit├Ąt der Kreditauswahl der Plattformen aus. Jedoch zeigen mir hohe Zahlen, dass hier entweder die H├╝rden kleiner sind oder aber der Druck auf Plattformseiten so gro├č ist die Verf├╝gbarkeit von Krediten zu erh├Âhen das diese bereit sind h├Âhere Risiken einzugehen. In der Regel zu Lasten des Investors der dann – idealerweise das in der Rendite eingepreist erh├Âhte Risiko schlu├čendlich erst einmal (mit) tr├Ągt. Interessant wird die Statistik vor allem in Zukunft wenn aus dem Wachstumssektor ein Verdr├Ąngungssektor wird und dies eventuell auf Kosten der Eingangspr├╝fungen geht.

Institutionalisierung steigt deutlich in 2016

Ein Wachstum von bis zu 70% an institutionellen Anlegern (also Banken,Versicherungen etc.) l├Ąsst sich beobachten. Allerdings ist dies sicherlich sehr L├Ąnder und vermutlich auch noch einmal erschwerend Plattformabh├Ąngig. So ist wohl bei Minotos der Anteil der institutionellen Anleger eher gering) – leider gibt es keine weitere Differenzierung┬á (vor allem auf Plattform Basis w├Ąre das spannend) und man kann dies nur als europ├Ąischen Trend ableiten.

Expanding Horizons 2018, S.38

Expanding Horizons 2018, S.38

In wieweit sich dies auf die Rendite auswirkt muss sich noch zeigen, Fakt ist das durch Institutionen viel Geld ins System gesp├╝lt wird und der Markt regelt nun mal bekanntlich Angebot und Nachfrage selbst….. Auch dar├╝ber, das damit unterschiedliche Konditionen f├╝r private oder institutionelle Anleger existieren, sind nur Spekulation m├Âglich dazu gibt die Studie nichts her.

Die Hoffnung die ich hege ist, dass durch die vermehrt kommende Institutionalisierung die Plattformen transparenter werden und sich ein St├╝ck weit professionalisieren, idealerweise auch f├╝r Privatanleger.

Kredit und Plattform Risiken

Eine der spannendsten Teile der Studie. Nat├╝rlich muss man sich auch vor Augen halten das die Einsch├Ątzung von Seitens der Plattformbetreiber selbst kommt. Eine Studie der Plattformnutzer (damit meine ich jetzt keine Facebook Umfrage ­čśë ) w├Ąre sicherlich auch noch mal spannend gerade auch im Vergleich zu den Betreibern.

In der Breite der Studie ein wenig ├╝berraschen f├╝r mich, sehen die Plattformbetreiber als h├Âchstes Risiko den Ausfall (collapse) einer namhaften etablierten Plattform oder aber ein entsprechender Fall von „CyberSecurity“ sowie ein gro├č angelegten Betrug (Fraud z.B. von einem gro├čen einzelnen Projekt) und erst dann nachgelagert das Problem von steigenden Kreditausf├Ąllen (notable increase).

Eigentlich h├Ątte ich erwartet das Cybercrime nicht ├Ąquivalent zu dem Collaps ist – andereseits sind das beides Themen die die Plattformen selbst in der Hand haben. Ich interpretiere das f├╝r mich so das die Plattformen sich bzw. andere als nicht ausreichend professionell aufgestellt ansehen und ihnen den Eintritt der beiden Risiken vermehrt zutrauen.

Und auch hier sieht man sch├Ân – noch sind wir im Wachstumsmarkt unterwegs die Angst vor einer Verdr├Ąngung (crwoding out) ist auch eher gering, ebenso wie die einer ├ťberregulierung (Reg).

Risikofaktoren differenziert nach Plattformtyp:

Expanding Horizons 2018, S.49

Expanding Horizons 2018, S.49

Und schlie├člich der Lending Plattformen:

Expanding Horizons 2018, S.50

Expanding Horizons 2018, S.50

Aufgefallen ist mir hier das die Angst vor Betrugsf├Ąllen im Umfeld von Invoice (Rechnungs Finanzierung) am h├Âchsten eingesch├Ątzt wird. Ob man nun daraus ziehen kann das Invoiceanbahner wie z.b. bei Mintos┬á capitalia, debifo, invipay oder bei Lenndy first finance dadurch ein erh├Âhtes Risiko unterliegen das auch wir Investoren mittragen halte ich f├╝r Spekulation das m├╝sste man mit dem Akquise Prozess der Anbahner korrelieren d.h. wie sorgf├Ąltig werden Kreditnehmer gepr├╝ft, gerade beim┬á Invoice Gesch├Ąft sehe ich ├Âfters den Vermerk auf wiederkehrende Kunden was das Risiko in meinen Augen auch noch einmal deutlich senken sollte. An der Stelle geht es ja auch nicht um die Ausfallraten von Invoice sondern eher um das Betrugsrisiko das im Invoice Umfeld wohl vermehrt existiert – hat dazu jemand eine Erkl├Ąrung?

Die Studie bietet weiterhin auch L├Ąnder bzw. L├Ąndercluster spezifische Auswertungen an. In der f├╝r mich interessanten Auswertung der baltischen Plattformen ist das Bild ├Ąhnlich wenn auch mit noch einem h├Âheren Fokus auf Cyberkriminalit├Ąt und sogar mit l├Ąnderspezifischen Unterschieden, so hat man in Lettland deutlich weniger Angst vor steigenden Ausfallraten als in Litauen!

Expanding Horizons 2018, S.104

Expanding Horizons 2018, S.104

Auch interessant – die unterschiedliche Angst vor Regulierungsma├čnahmen des eigenen Landes bzw. der EU ist auch ziemlich L├Ąnderspezifisch, in Lettland und Litttauen ist man hier deutlich entspannter als in Estland.

Leider konnte ich nirgendwo die Information finden wie viele Plattformen im Baltikum je Land gefragt wurden. Nach den Prozentwerten zu urteilen, w├╝rde ich zwischen 2-10 pro Land vermuten.

Die Studie bietet über den von mir gezeigten kleinen Ausschnitt noch reichlich mehr an Zahlenmaterial . So findet man noch einiges an Korrelationen , geographische Verteilung der Anlagen, Infos zur Features, existierende Entwicklungspotential oder auch  zu dem Geschlecht der Investoren und noch einiges mehr

Auch zu den einzelnen L├Ąndern bzw. L├Ąndercluster bietet die Studie noch weiteres Material an – dann nicht mehr ganz so detailiert jedoch noch mit L├Ąnderspezifischen Zusammenfassungen und sogenannten „INSIGHTS FROM THE FIELD“ die mehr oder weniger lesenswert sind.

Ein Zitat zur Deutschen Marktsituation Jamal El Mallouki, CEO┬á CrowdDesk „Increasingly, Financial Institutions are entering the market as platform provider. […]“

Wer also jetzt immer noch nicht genug hat schaue einfach selbst hinein:┬á „Expanding Horizons

Und aktuell sch├Ân dazu passend die Pr├Ąsentation der Ergebnisse einer Facebookgruppen ┬á Investorenumfrage┬á – Crowdinvesting und P2P vom Juni 2018, hier kommt quasi die andere Seite zu Wort.

 

 

Disclaimer
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