P2P Plattformen bewerten: So entsteht mein Rating

Warum steht InRento in meinem Rating bei 80 Punkten und EstateGuru nur bei 48, obwohl beide Immobilienkredite vermitteln und beide eine europäische Crowdfunding-Lizenz haben? Eine berechtigte Frage. Wer ein Rating veröffentlicht, sollte auch zeigen, wie es entsteht.

Wer P2P Plattformen bewerten will, braucht feste Kriterien. Hier sind meine, mit zwei Rechenbeispielen und den Grenzen des Modells.

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P2P Plattformen bewerten: das Grundprinzip

Jede Plattform bekommt in 14 Kriterien eine Stufe von 0 bis 4. Jedes Kriterium hat ein Gewicht, die Punkte ergeben sich aus Gewicht × Stufe ÷ 4. Beispiel Regulierung (Gewicht 15): Eine ECSP-Lizenz ist Stufe 3 und bringt 11,25 Punkte, eine Wertpapierfirma unter MiFID-Aufsicht Stufe 4 und damit 15 Punkte.

Die Summe liegt bei maximal 100. Davon gehen Abzüge für akute Probleme ab, das ergibt den Beleg-Score. Dazu kommt meine persönliche Einschätzung von höchstens ±4 Punkten. Gerundet wird auf ganze Punkte.

Grundlage ist für jede Plattform ein Dossier mit Quellen und Stichtag: Aufsichts- und Handelsregister, Jahresabschlüsse, Statistikseiten, Vertragsunterlagen. Ohne Beleg gibt es keine Stufe.

Die 14 Kriterien

Bereich Kriterium Gewicht Volle Punktzahl, wenn …
Aufsicht und Anlegerschutz (30) Regulierung 15 Wertpapieraufsicht (MiFID oder Prospekt), ECSP-Lizenz = Stufe 3
Geldtrennung und Rechtsstellung 8 Anlegergeld getrennt, direkter Anspruch, Plan für die Insolvenz der Plattform
Sicherung 7 erstrangige Sicherheit mit unabhängigem Treuhänder oder Rückkauf durch einen Garanten mit geprüfter, starker Bilanz
Finanzen (25) Geprüfter Jahresabschluss 8 aktueller Abschluss, uneingeschränktes Testat, renommierter Prüfer
Profitabilität 8 drei von drei Jahren Gewinn
Kapitalausstattung 9 Eigenkapitalquote mindestens 25 %
Track Record (25) Alter 6 mindestens fünf Jahre Anlegergeschäft (ein Relaunch zählt nicht als Neustart)
Größe 3 mindestens 50.000 Anleger
Zahlungs- und Krisenhistorie 11 nie Auszahlungsprobleme, 2020 oder 2022 ohne Einschränkung überstanden
Konzentration und Länder 5 größter Schuldner unter 25 %, mindestens 75 % in Ländern mit Investment Grade
Transparenz (12) Daten und Dokumente 6 aktuelle Zahlen zu Verzug, Ausfall und Recovery, Verträge öffentlich
Governance und Kommunikation 6 Eigentümer und Management offen, Interessenkonflikte offengelegt, kaum AGB-Änderungen
Anlegerpraxis (8) Funktionen und Ausstieg 5 vier von fünf: Auto-Invest, Zweitmarkt, Steuerreport, Deutsch, App
Eigene Erfahrung 3 mehrere Jahre investiert, Auszahlungen immer problemlos

Bei den Finanzen bewerte ich die Gesellschaft, die das Geld am Ende zurückzahlen muss: bei Marktplätzen wie Mintos die großen Kreditgeber, bei Konzernplattformen den Kreditgeber dahinter, bei Immobilienplattformen die Plattform selbst. Fehlt ein Abschluss, gibt es null Punkte. Eigene Zahlen der Plattform zählen als Beleg, solange keine andere Quelle widerspricht.

Abzüge und Red Flags

Auslöser Abzug
Auszahlungssperre, Restrukturierung oder Insolvenz −25
Pflichtabschluss mehr als sechs Monate überfällig −5
Negatives Eigenkapital und kein geprüfter Abschluss −4
Mindestens 10 % des Volumens in Ausfall oder Recovery (bei Kreditgeber-Marktplätzen strenger als bei Immobilien und klassischem P2P) −2 bis −8
Red Flags: Warnung einer Finanzaufsicht, falsche Aussagen zur eigenen Regulierung, veränderte Dokumente −5 oder −10, höchstens −20

Meine persönliche Einschätzung

Manches weiß ich als Anleger, belegen kann ich es nicht: wie eine Plattform in einer Krise kommuniziert oder ob sie Altlasten sauber abwickelt. Dafür gibt es höchstens ±4 Punkte, jeweils mit kurzer Begründung. Bondora bekommt +4, weil Go & Grow bei mir seit Jahren ohne Probleme läuft. EstateGuru bekommt −4, weil mich das Deutschland-Portfolio viel Vertrauen gekostet hat. Im aktuellen Rating verschiebt das keine Plattform um mehr als drei Plätze.

Nicht im Score: die Rendite (sie steht separat auf jeder Karte), Boni und Cashback und meine Partnerprogramme. Ich verdiene an Partnerlinks, einzelne Inhalte sind gesponsert. Auf Kriterien, Gewichte und Stufen hat das keinen Einfluss.

Zum aktuellen P2P Plattform-Rating

Zwei Beispiele: InRento und EstateGuru

Stand der Daten: 26.09.2026.

Kriterium (Gewicht) InRento Stufe InRento Punkte EstateGuru Stufe EstateGuru Punkte
Regulierung (15) 3 11,25 3 11,25
Geldtrennung und Rechtsstellung (8) 3 6,00 3 6,00
Sicherung (7) 3 5,25 3 5,25
Geprüfter Jahresabschluss (8) 3 6,00 2 4,00
Profitabilität (8) 4 8,00 1 2,00
Kapitalausstattung (9) 4 9,00 0 0,00
Alter (6) 4 6,00 4 6,00
Größe (3) 2 1,50 4 3,00
Zahlungs- und Krisenhistorie (11) 3 8,25 1 2,75
Konzentration und Länder (5) 4 5,00 3 3,75
Daten und Dokumente (6) 3 4,50 3 4,50
Governance und Kommunikation (6) 2 3,00 1 1,50
Funktionen und Ausstieg (5) 2 2,50 4 5,00
Eigene Erfahrung (3) 3 2,25 2 1,50
Summe 78,50 56,50
Abzug Ausfall/Recovery 0 −5
Persönliche Einschätzung +1 −4
Score 80 48

InRento: 80 Punkte

InRento ist seit November 2023 von der litauischen Zentralbank als ECSP zugelassen. Bei 368 von 370 Projekten gibt es eine erstrangige Hypothek, der gewichtete Beleihungswert liegt bei rund 51 %. Einen unabhängigen Treuhänder gibt es nicht, deshalb Stufe 3 bei der Sicherung. Bei Gewinn und Kapital gibt es volle Punkte: Gewinn in allen drei Jahren, Eigenkapitalquote rund 81 %. Bislang ist keines der 197 Projekte ausgefallen, die verspäteten Zinszahlungen nehmen 2026 allerdings zu.

Punkte verliert InRento bei der Größe (rund 5.500 aktive Anleger), bei der Offenlegung der Eigentümer und bei den Funktionen: kein Auto-Invest, keine deutsche Oberfläche. Meine Einschätzung: +1.

EstateGuru: 48 Punkte

Bei Aufsicht und Anlegerschutz liegt EstateGuru gleichauf mit InRento. Der Abschluss 2025 ist nur eingeschränkt testiert, mit Hinweis zur Fortführung. 2025 gab es einen Verlust. Die Eigenkapitalquote liegt formal bei 68 %, der größte Bilanzposten ist aber aktivierte Software, deren Wert der Prüfer nicht bestätigen konnte. Ohne diesen Posten wäre das Eigenkapital negativ, deshalb null Punkte.

Alter (seit 2014) und Größe (über 160.000 Anleger) bringen volle Punkte. Laut Statistik der Plattform sind aber 68 % des ausstehenden Volumens in Recovery, die Portfolios in Deutschland und Finnland komplett. Das kostet bei der Krisenhistorie und zusätzlich 5 Punkte Abzug. Bei den Funktionen gibt es volle Punkte. Meine Einschätzung: −4.

Was hier auffällt: Gleiche Lizenz, gleiche Punkte bei der Aufsicht. Von den 32 Punkten Unterschied kommen 17 aus den Finanzen und gut 10 aus Krisenhistorie und Abzug. Eine Lizenz sagt wenig darüber, wie eine Plattform wirtschaftlich dasteht.

So lese ich den Score

Zwischen 78 und 76 Punkten liegt kein echter Unterschied. Aussagekräftig sind für mich die Gruppen:

Score Einordnung
ab 70 reguliert, geprüfte Zahlen, keine akuten Probleme
50 bis 69 mindestens eine klare Schwäche, etwa Konzernklumpen, dünnes Kapital oder hoher Recovery-Bestand
30 bis 49 meist unreguliert, Zahlen nur teilweise geprüft oder deutliche Probleme in der Vergangenheit
unter 30 fehlende Abschlüsse, Nachrang, Aufsichtswarnungen oder laufende Zahlungsprobleme
Alle Erfahrungsberichte im Überblick

Die Grenzen meines Ratings

  • Die Gewichte habe ich festgelegt. Sie sind nicht statistisch hergeleitet, andere würden anders gewichten.
  • Stufen sind Einschätzungen, keine Messwerte. Grenzfälle gibt es bei fast jeder Plattform.
  • Ich prüfe keine Bücher. Ich werte aus, was öffentlich oder im Register steht. Wer wenig veröffentlicht, verliert Punkte.
  • Die Daten haben einen Stichtag. Zwischen zwei Aktualisierungen kann sich viel ändern.
  • Der Score kann nichts über künftige Ausfälle oder Renditen aussagen. Eine Lizenz schützt selbstverständlich nicht vor Verlusten.

Ausfallquoten, Aufsichtsstatus und Zahlungsprobleme prüfe ich quartalsweise, die Finanzen nach der Abschluss-Saison im Sommer. Bei einem Auszahlungsstopp oder einer Warnung der Aufsicht rechne ich sofort neu. Du hast eine neuere Quelle oder einen Fehler gefunden? Schick mir den Beleg.

Mein Fazit

Für mich ist das Rating ein Filter, der zeigt, wo ich genauer hinschauen muss. Ein Gütesiegel ist es nicht.

Zuletzt aktualisiert am: 28. September 2026

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Ich besitze keine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler nach § 34f GewO und bin nicht von der BaFin zugelassen. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar.

Auf fast allen Plattformen, über die ich berichte, bin ich selbst investiert. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Investitionen in P2P-Kredite und vergleichbare Vermögensanlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalausfall verbunden. Renditen in der Vergangenheit sind keine Garantie für die zukünftige Entwicklung. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich.

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