Dividenden-ETF vs. P2P-Kredite: Was nach Steuern und Ausfällen übrig bleibt

2,4 Prozent Ausschüttung beim Welt-Dividenden-ETF, über 12 Prozent Zins bei Afranga. Diese beiden Zahlen stellt man gerne provokativ nebeneinander, und der Vergleich ist natürlich ziemlich daneben, wie wir noch sehen werden. Denn die 2,4% sind nur Ausschüttung, die 12% dagegen eine komplette Renditeerwartung. Trotzdem lohnt sich der Blick auf das Thema Dividenden-ETF vs. P2P-Kredite. Schließlich spülen uns beide Bausteine regelmäßig Geld aufs Konto, ohne dass wir dafür Anteile verkaufen müssen.

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Was im Video nur angerissen wurde, wollen wir hier noch ein wenig vertiefen: die Jahreszahlen beider Bausteine im Einzelnen und die Steuer. Was bleibt übrig, wenn Ausfälle und Finanzamt abgezogen sind?

Dividenden-ETF oder P2P? 2.349 Firmen gegen 6 Kreditgeber – mein Afranga-Depot im Realitätscheck

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Wo du mehr über die P2P Kredite Plattform Afranga findest

Hier geht es um den Vergleich zweier Anlageklassen, nicht um eine Plattform. Der Auslöser, mich mit dem Thema zu beschäftigen, war ja ein Video des P2P Kreditgebers Afranga, einer Plattform, auf der ich ja selbst investiert bin.

Alles zu Afranga selbst, also Kreditgeber, Konditionen, Anmeldung und meine laufenden Zahlen, steht im Afranga Erfahrungsbericht. Wie schnell wir bei P2P im Ernstfall wieder an unser Geld kommen, steht im Artikel zur Liquidität bei P2P-Krediten. Aber nun mal los mit dem eigentlichen Thema.

Die 2,4 Prozent sind nicht die Rendite

Starten wir mit dem Baustein, über den in dem Vergleich gerne eben nur die kleinste Zahl, die Ausschüttung, genannt wird.
Der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield (WKN A1T8FV, ISIN IE00B8GKDB10) verwaltet 9,8 Milliarden Euro, hält 2.349 Einzelwerte aus 25 Industrie- und 24 Schwellenländern und kostet 0,29 Prozent im Jahr. Ausgeschüttet wird quartalsweise, im März, Juni, September und Dezember. Die Fondsseite bei Vanguard listet die Positionen im Detail und ist vor einem Investment defintiv ein Besuch wert.

Die Ausschüttung je Anteil lag 2024 bei 1,94 Euro, 2025 bei 1,96 Euro, für 2026 sind 1,98 Euro prognostiziert. Bei einem Kurs um 82 Euro sind das die vielzitierten 2,4 Prozent. Die Ausschüttung wächst also kaum. Die eigentliche Musik spielt beim Kurs, und die Diskussion darum taucht in der Vergleichs-Diskussion praktisch nie auf.

Jahr Dividenden-ETF (A1T8FV) Euro-Hochzinsanleihen (A1C3NE)
2021 +26,82 % +2,96 %
2022 +0,45 % −9,72 %
2023 +7,75 % +11,33 %
2024 +16,69 % +6,65 %
2025 +11,44 % +4,82 %
fünf Jahre kumuliert +78,5 % (12,3 % p. a.) +15,7 % (3,0 % p. a.)
seit Auflage +222 % (9,2 % p. a., seit 2013) +96,5 % (4,3 % p. a., seit 2010)

Machen wir daraus eine Rechnung mit runden Zahlen. Aus 10.000 Euro im Dividenden-ETF wurden von Anfang 2021 bis Ende 2025 rund 17.850 Euro. Ausgeschüttet wurden davon über die fünf Jahre nur etwa 1.200 Euro, der Rest steckt im Kurs.
Dieselben 10.000 Euro bei durchgängig 12 Prozent P2P-Zins, ohne einen einzigen Ausfall und mit vollständiger Wiederanlage, hätten 17.623 Euro ergeben.
Im Hochzinsanleihen-ETF wären es 11.569 Euro gewesen, zu dem kommen wir später noch detaillierter.

Der Dividenden-ETF hat den perfekten P2P-Verlauf (also in der Annahme, dass auch wirklich nichts passiert) über fünf Jahre also knapp geschlagen. Bezahlt wurde das allerdings mit Schwankungen: 11 Prozent Volatilität über fünf Jahre und in der Spitze ein Rückgang von 35,3 Prozent seit Auflage.
Wer im März 2020 verkauft hat, hat diese 17.850 Euro natürlich komplett verpasst.

Weitere beliebte Dividenden-ETFs im Vergleich

Der Vanguard ist nicht der einzige Dividenden-ETF, der in deutschen Depots liegt. Drei weitere tauchen in der Diskussion regelmäßig auf, und sie unterscheiden sich allerdings deutlicher, als die Namen vermuten lassen. Zum Einordnen habe ich meine eigene P2P-Rendite von 10,13 Prozent pro Jahr danebengestellt, die ich seit rund zehn Jahren über alle Plattformen hinweg erreiche (im Durchschnitt auf alle Jahre).

Baustein Ausschüttung Kosten p. a. Rendite 5 Jahre p. a. Rendite 10 Jahre p. a.
Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield
A1T8FV · 2.349 Werte · 9,9 Mrd. €
2,42 % 0,29 % 12,49 % 9,72 %
iShares STOXX Global Select Dividend 100
A0F5UH · 100 Werte · 5,2 Mrd. €
3,76 % 0,46 % 12,35 % 9,14 %
VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders
A2JAHJ · 100 Werte · 9,6 Mrd. €
3,04 % 0,38 % 19,02 % 12,40 %
SPDR S&P Global Dividend Aristocrats
A1T8GD · 94 Werte · 1,5 Mrd. €
3,84 % 0,45 % 7,96 % 6,24 %
Mein P2P-Portfolio
über 30 Plattformen · nach Ausfällen
10,13 % keine 10,13 % 10,13 %

Beim P2P-Portfolio stehen in allen drei Spalten dieselben 10,13 Prozent, weil der Zins gleichzeitig Ausschüttung und Gesamtrendite ist. Gut, auch da hatte ich unterschiedliche Jahre, lassen wir es mal als Vereinfachung so stehen.
Mir geht es an der Stelle ja um den Unterschied Ausschüttung und Gesamtrendite was dies auch so verdeutlichen sollte

Zwei Dinge fallen hier nun auf. Erstens hat die höchste Ausschüttung nichts mit der höchsten Rendite zu tun:
Der SPDR schüttet mit 3,84 Prozent am meisten aus und liegt über zehn Jahre mit 6,24 Prozent pro Jahr am weitesten hinten. Der Vanguard schüttet am wenigsten aus und liegt vorn. Zweitens hat der VanEck mit 12,40 Prozent pro Jahr über zehn Jahre mein P2P-Portfolio geschlagen, über fünf Jahre mit 19,02 Prozent sogar deutlich. Bezahlt wird das mit Konzentration: Seine zehn größten Positionen machen 34,8 Prozent des Fonds aus, beim Vanguard sind es 11,5 Prozent.

Quelle: extraETF, Stand 3. bis 4. September 2026, Wertentwicklung inklusive Ausschüttungen in Euro. Die Ausschüttungsrendite ist die Prognose für 2026. Historische Renditen sind kein Indikator für die künftige Entwicklung.

Macht der Insolvenzrang wirklich hier den Unterschied?

Das stärkste Argument für Fremdkapital kommt von den P2P Plattformen selbst: Ein Zins ist eine Verpflichtung, eine Dividende ist eine Entscheidung des Vorstands. Wird ein Unternehmen liquidiert, werden Gläubiger vor Eigentümern bedient. Das gilt in praktisch jeder für uns relevanten Rechtsordnung und ist unstrittig. Eins der stärksten Pro-Argumente für P2P-Kredite, oder?

Allerdings sagt der Rang nur, wann jemand drankommt. Nicht, wie viel dann noch da ist. Und er gilt bei Afranga gegenüber den Eigentümern des Kreditgebers, nicht gegenüber besicherten Gläubigern. Praktisch bin ich ungesicherter Gläubiger eines kleinen bulgarischen Konsumkreditgebers und nicht Gläubiger der Endkreditnehmer.

Und noch schwerer wiegt die Zahl der Schuldner. Im Vanguard verteilt sich das Geld auf 2.349 Einzelwerte, die größte Position (JPMorgan) liegt bei 2,15 Prozent, die zehn größten zusammen bei 11,4 Prozent. Eine Insolvenz kostet dort rund 0,04 Prozent des Fondsvermögens. Bei Afranga verteilt sich mein Geld auf sechs Kreditgeber, und der Großteil liegt bei einem davon.

Investment Grade gegen gibt kein Rating

Im Dividenden-ETF stehen JPMorgan, Johnson & Johnson, Cisco, AbbVie, Bank of America und Chevron. Johnson & Johnson hält als eines von nur zwei US-Unternehmen weltweit noch ein AAA bei S&P. Anfang der 1990er waren es über 60.
Der US-Staat selbst liegt seit 2011 bei AA+, also eine Stufe unter Johnson & Johnson.

Stikcredit, der größte Kreditgeber auf Afranga, hat gar kein Rating. Das ist zunächst mal keine schlechte Note, es ist überhaupt keine. Geprüft heißt nicht bewertet: Ein Wirtschaftsprüfer bestätigt, dass die Zahlen der Vergangenheit stimmen, eine Ratingagentur schätzt ein, ob die Firma ihre Schulden künftig bedient.

Die wenigen Konsumkreditgeber unserer Branche, die bewertet werden, liegen weit unten: die Eleving Group bei Fitch auf B mit positivem Ausblick, die Iute Group auf B minus. Das sind fünf bis sechs Stufen unterhalb der Investment-Grade-Grenze bei BBB minus. Zur Einordnung: Bulgarien als Staat liegt bei BBB+ und damit knapp darüber.

Stufe Bedeutung Ausfall 1 Jahr Ausfall 10 Jahre Staat, dann Unternehmen
AAA höchste Bonität 0,00 % 0,67 % Deutschland, Niederlande, Luxemburg · Microsoft, Johnson & Johnson
AA sehr hohe Bonität 0,02 % 0,65 % USA, Österreich, Finnland, Irland (AA+), Belgien (AA) · Walmart, Chevron
A hohe Bonität, etwas konjunkturanfällig 0,05 % 1,03 % Frankreich (A+), Estland, Litauen, Kroatien (A−) · JPMorgan, Bank of America, Home Depot
BBB angemessene Bonität 0,14 % 2,86 % Italien und Bulgarien (BBB+), Griechenland (BBB) · Kroger
BBB− letzte Stufe im Investment Grade 0,21 % 4,50 % Rumänien · Dollar General, Dollar Tree
⎯ ab hier spekulativ, also High Yield ⎯
BB kurzfristig tragfähig, langfristig unsicher 0,56 % 10,44 % Türkei (BB−) · Macy’s, Nordstrom, Wendy’s
B hochspekulativ, anfällig für jede Eintrübung 2,93 % 22,02 % Eleving Group (B: 21,04 %), Iute Group (B−: 27,90 %), Hertz
CCC bis C akute Ausfallgefahr, S&P führt die drei Stufen als eine Klasse 26,12 % 50,43 % Unternehmen in Restrukturierung oder Insolvenzverfahren
D (bei Staaten SD) ausgefallen, Zahlung nicht geleistet Endpunkt, keine Prognose mehr 2024 unter anderem Atos (Frankreich), Adler Group (Luxemburg), Samhallsbyggnadsbolaget (Schweden), Joann und Big Lots (USA)
ohne Rating nicht bewertet, keine Datenbasis — — Stikcredit und praktisch alle P2P-Kreditgeber

Ausfallquoten: S&P Global Ratings, Default, Transition and Recovery Study 2024, Tabellen 24 und 26, Datenreihe 1981 bis 2024. Durchschnittliche kumulierte Ausfallquoten, Static-Pool-Methode, weltweit über alle Branchen. Länder- und Unternehmensratings von S&P mit Stand 2026, Eleving und Iute sind Fitch-Ratings auf identischer Skala.

Zwei Zeilen sind für uns entscheidend. Zwischen BBB und BB vervierfacht sich die Ausfallquote über zehn Jahre, von 2,86 auf 10,44 Prozent. Das ist die Stufe, an der institutionelles Geld aussteigen muss. Und in der B-Klasse, in der Eleving und Iute stehen, fällt über zehn Jahre gut jeder fünfte Schuldner aus. Bei Iute mit B minus ist es sogar mehr als jeder vierte.

Für Europa sieht es etwas besser aus. S&P weist die Quoten auch regional aus, und dort kommen europäische B-Schuldner über zehn Jahre auf 16,8 statt 22,0 Prozent. Das ist die passendere Zahl für Kreditgeber aus Bulgarien und dem Baltikum, ändert an der Größenordnung aber nichts.

Der Ländervergleich macht es greifbar. Bulgarien als Staat steht bei BBB+, drei Stufen über der Grenze und auf einer Höhe mit Italien. Die Konsumkreditgeber im selben Land liegen fünf bis sechs Stufen darunter.

Die letzte Zeile hat bewusst keine Zahlen. Für Schuldner ohne Rating gibt es keine solche Statistik, weil sie niemand erhebt. Das macht sie nicht schlechter als B, aber es heißt, dass wir bei P2P-Krediten ohne statistischen Anker arbeiten und uns auf Jahresabschlüsse verlassen müssen, die nach hinten schauen und nicht nach vorn. Du hast also keinen Anhaltspunkt, wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeit da ist

Der ETF, der P2P-Krediten tatsächlich ähnelt

Ein Dividenden-ETF und ein P2P-Kredit haben genau eine Gemeinsamkeit: Beide zahlen laufend aus. Sonst ja eigentlich nichts, schließlich sind das eben Aktien vs. Kredite.
Beim ETF bin ich Miteigentümer, beim P2P-Kredit Gläubiger. Wer P2P vergleichen will, braucht deshalb ein Instrument mit den drei für ihn typischen Merkmalen: Fremdkapital statt Eigenkapital, Euro statt Fremdwährung, Bonität unterhalb Investment-Grade. Diese Kombination liefern Euro-Hochzinsanleihen, und dort gibt es soweit ich weiß nur einen Fonds, der den Markt abbildet.

Der Kandidat im Profil

Der iShares € High Yield Corp Bond bildet den Markit iBoxx EUR Liquid High Yield ab, also die größten liquiden Euro-Unternehmensanleihen unterhalb Investment Grade. Er ist der größte Fonds dieser Klasse in Europa und läuft seit 2010, deckt damit die Zinswende 2022, die Corona-Panik und die Niedrigzinsjahre davor ab.

iShares € High Yield Corp Bond UCITS ETF
WKN / ISIN A1C3NE / IE00B66F4759
Index Markit iBoxx EUR Liquid High Yield
Aufgelegt 3. September 2010
Fondsvolumen 5,4 Mrd. Euro
Positionen 667 Anleihen
Fondswährung Euro, keine Absicherung nötig
Ertragsverwendung ausschüttend
Laufende Kosten 0,50 % p. a.
Ausschüttungsrendite 6,49 %
Erwartete Rendite (Yield to Worst) 5,53 %
Rendite 5 Jahre 2,7 % p. a.
Rendite seit Auflage 4,3 % p. a.
Schwächstes Jahr 2022 mit −9,72 %
Volatilität 5 Jahre 3,83 %
Größter Rückgang 5 Jahre −14,92 %

Warum er besser passt als der Dividenden-ETF

Merkmal iShares € High Yield Corp Bond Vanguard Dividenden-ETF
Anlageklasse Fremdkapital Eigenkapital
Rang bei Insolvenz Gläubiger Eigentümer, also zuletzt
Bonität der Schuldner unterhalb Investment Grade überwiegend Investment Grade
Ertragsart Kupon, vertraglich zugesagt Dividende, Beschluss der Firma
Währung Euro US-Dollar als Fondswährung
Ertrag nach oben gedeckelt durch den Kupon offen über Kursgewinne
Volatilität 5 Jahre 3,83 % 10,53 %

Fünf der sieben Merkmale stimmen mit P2P-Krediten überein, beim Dividenden-ETF ist es keine einzige. Deshalb rechne ich ab hier gegen den Anleihen-ETF und nicht gegen Welt-Aktien, eben keine Äpfel mit Birnen mehr vergleichen.

Die Bonitätsaufteilung im Detail

Der Index nimmt ausschließlich Anleihen unterhalb Investment Grade auf. Die Produktseite bei iShares weist die Verteilung unter Portfolioallokation aus.

Ratingklasse Anteil am Fonds Einordnung
BBB und besser 0,00 % Investment Grade, hier nicht vertreten
BB 53,46 % oberes Ende des spekulativen Bereichs
B 41,07 % Klasse von Eleving (B) und Iute (B−)
CCC 3,55 % akute Ausfallgefahr
CC 0,49 % Ausfall wahrscheinlich
ohne Rating 0,03 % bei P2P-Kreditgebern der Regelfall
Barmittel und Derivate 1,40 % —

94 Prozent des Fonds stecken in BB und B. Genau dort liegen die beiden P2P-Kreditgeber, die überhaupt eine Note haben. Die Risikoklasse stimmt also überein. Der Unterschied steht in der vorletzten Zeile: Ohne Rating sind hier 0,03 Prozent. Bei unseren P2P-Kreditgebern ist es umgekehrt, dort ist die Ausnahme, dass überhaupt einer bewertet wurde.

Was vom Zinssatz übrig bleibt

Und jetzt die Zahl, wegen der ich diesen ETF überhaupt heranziehe. Die Ausschüttungsrendite liegt bei 6,49 Prozent, die erwartete Rendite bei 5,53 Prozent. Angekommen sind seit Auflage 2010 aber nur 4,3 Prozent pro Jahr, über die letzten fünf Jahre sogar nur 2,7 Prozent. Die Differenz haben Ausfälle und Kursbewegungen gefressen, über einen Zeitraum von 16 Jahren mit zwei Zinswenden.

Genau diese Lücke zwischen Kupon und Ankunft gibt es bei P2P auch, sie steht bei uns nur nirgends. Meine über 12 Prozent bei Afranga stammen aus einer Phase ohne Ausfälle. Über mein gesamtes P2P-Portfolio seit 2017, inklusive Grupeer und Viventor, komme ich nach Ausfällen auf rund 10 Prozent. Die Ventus-Abschreibung ist darin noch nicht enthalten.

Zur Größenordnung: Moody’s beziffert die Ausfallrate europäischer Schuldner unterhalb Investment Grade für Oktober 2025 auf 3,8 Prozent und erwartet für Oktober 2026 einen Rückgang auf 2,4 Prozent. Das ist der Anteil, der in einem einzigen Jahr ausfällt, nicht über die gesamte Laufzeit.

Denselben Index gibt es übrigens günstiger. Der Xtrackers EUR High Yield Corporate Bond 1D (WKN DBX0PR) kostet 0,20 statt 0,50 Prozent im Jahr, schüttet ebenfalls aus und läuft seit Januar 2015. Mit 1,1 Milliarden Euro ist er kleiner, bildet aber dieselben Anleihen ab. Für die Zahlen in diesem Artikel bleibe ich beim iShares, weil er die längere Historie hat und die Bonitätsaufteilung öffentlich ausweist.

Die Steuer, warum ETFs damit die Nase vorne haben

Bis hierhin liegt P2P mit rund 10 Prozent gegen 9,2 Prozent noch knapp vorn. Das dreht sich beim Blick aufs Finanzamt, und dieser Punkt fehlt in praktisch jedem Vergleich, den ich zu dem Thema bislang kenne. Wobei ich natürlich dazusagen muss, dass ich auf keinen Fall Steuerberatung hier leiste und das nur meine Annahmen sind und du deinen Steuerberater fragen solltest, bevor du irgendetwas entscheidest.

Aktien-ETFs bekommen 30 Prozent Teilfreistellung. Von der Abgeltungsteuer mit Soli (26,375 Prozent) bleiben damit effektiv 18,46 Prozent. P2P-Zinsen sind dagegen voll steuerpflichtig, bei Afranga kommt bulgarische Quellensteuer dazu, von der sich nur ein Teil anrechnen lässt.

Baustein brutto p. a. effektive Steuerlast nach Steuern aus 10.000 € in 10 Jahren
Welt-Dividenden-ETF (seit Auflage 2013) 9,2 % 18,46 % 7,50 % 20.613 €
Mein P2P-Portfolio seit 2017, nach Ausfällen 10,0 % 26,38 % 7,36 % 20.348 €
P2P mit 12,2 % Zins, ohne Quellensteuer oder bei voller Anrechnung 12,2 % 26,38 % 8,98 % 23.635 €
Afranga isoliert, bulgarische Quellensteuer nur teilweise anrechenbar 12,2 % 31,4 % 8,37 % 22.345 €
Euro-Hochzinsanleihen (seit Auflage 2010) 4,3 % 26,38 % 3,17 % 13.657 €

Die Quellensteuer ist allerdings nicht überall gegeben. Bei Plattformen ohne Quellensteuerabzug oder dort, wo sich der einbehaltene Satz vollständig auf die deutsche Abgeltungsteuer anrechnen lässt, bleiben aus 12,2 Prozent Zins 8,98 Prozent statt 8,37 Prozent. Über zehn Jahre sind das bei 10.000 Euro rund 1.290 Euro Unterschied, allein durch die Anrechnungsfrage. Wer im P2P-Bereich zweistellig unterwegs ist, sollte diese Zeile je Plattform prüfen.

Der Vorsprung meines gesamten P2P-Portfolios schmilzt damit auf 0,14 Prozentpunkte. Über zehn Jahre sind das bei 10.000 Euro Einsatz 260 Euro Unterschied. Und die Rechnung ist für den ETF noch zu streng, denn dort wird nur die Ausschüttung sofort besteuert. Der Kursanteil wird erst beim Verkauf fällig und zwischenzeitlich über die Vorabpauschale angerechnet. Diese Steuerstundung über zehn oder zwanzig Jahre bietet keine Zinszahlung.

Was es zu beachten gilt: Die Zahlen oben sind meine eigenen und gelten für meine Situation. Teilfreistellung und Quellensteuerbehandlung hängen von Fondsart, Depotstandort und persönlicher Steuersituation ab. Wer das für sich durchrechnen will, kommt um den eigenen Steuerbescheid oder den Steuerberater nicht herum.

Anleihen-ETF gegen Afranga

Bleibt die Frage, was die sechs Prozentpunkte Abstand zwischen dem Anleihen-ETF und meinem Afranga-Zins eigentlich bezahlen. Die Antwort findest du in der Tabelle.

Kriterium Euro-Hochzinsanleihen-ETF Afranga
Schuldner 667 Emittenten 6 Kreditgeber
Bonität 94 % in BB und B, 0,03 % ohne Rating ohne Rating
Erwartete Rendite 5,53 % 12 bis 16 % Zinssatz
Realisiert 4,3 % p. a. seit 2010 bei mir bislang ohne Ausfall
Kosten 0,50 % TER keine Gebühren für Anleger
Handelbarkeit börsentäglich Zweitmarkt seit August 2026
Preisbildung täglicher Kurs keine laufende Bewertung
Währungsrisiko keines keines (Bulgarien seit 01.01.2026 im Euro)
Verwahrung Sondervermögen Gelder getrennt bei Lemonway, Forderungen nicht

Afranga zahlt den Aufschlag nicht aus Nettigkeit. Bezahlt wird damit, dass ich das Klumpenrisiko trage, das der ETF auf 667 Schuldner verteilt, dass ich nicht börsentäglich verkaufen kann und niemand eine Bonitätsnote vergibt.
Der Zweitmarkt seit August 2026 verkleinert den Liquiditätsteil dieses Aufschlags, hebt ihn aber nicht auf. Ein Zweitmarkt braucht Käufer, eine Börse braucht im Zweifel nur einen Market Maker.

Wie ich beides einsetze

Bei mir liegen über 9.000 Euro bei Afranga, das sind 4,7 Prozent meines P2P-Investments und gut ein Prozent des Gesamtportfolios. Privatkredite insgesamt machen rund 22 Prozent aus, davon 62 Prozent auf regulierten Plattformen. Das Fundament sind und bleiben Aktien.

Kontoübersicht meines Afranga-Depots mit investiertem Betrag, laufenden Zinsen und Rendite
Meine Afranga-Kontoübersicht mit dem investierten Betrag und den laufenden Zinsen.
So mache ich das: P2P ist bei mir ein Rendite- und vor allem ein Cashflow-Baustein. Das Geld kommt in Euro, monatlich und planbar, ohne dass ich auf einen Kurs schauen muss. Dafür halte ich die Position, nicht als Ersatz für den Aktienteil. Und weil Verstehen das Risiko nicht senkt, sondern nur die Angst davor, bleibt die Gewichtung, wo sie ist.

Halten wir fest: Nach Steuern liegen der Welt-Dividenden-ETF und mein P2P-Portfolio praktisch gleichauf, über fünf Jahre lag der ETF sogar knapp vorn.
Wer daraus schließt, P2P sei überflüssig, greift zu kurz, denn der Cashflow ist planbar und kursunabhängig. Wer daraus schließt, P2P sei die bessere Geldanlage, greift genauso zu kurz. Die Risiken sind greifbar und die Assetklasse ist im Vergleich weiterhin noch jung.

Wie rechnet ihr das für euch? Zieht ihr die Steuer in den Vergleich mit ein, oder schaut ihr auf die Bruttozahlen?

Zuletzt aktualisiert am: 13. September 2026

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