Breite Diversifikation als Lösung für SCAM? Kritische Antwort aufs letzte P2P Cafe!

Das letzten P2P Cafe Podcasts von mir und Lars das wir mit Simon geführt haben hat einen Hörer ziemlich beschäftigt, das ging so weit das Thomas aus Zürich sich genötigt sah in die Tasten zu greifen und eine längere Erwiderung zu schreiben.
Da er damit ein wichtiges Thema anspricht, das durchaus Diskussionswürdig ist gibt es diese nun in voller Länge. Meine Meinung dazu dann im Nachgang seines Beitrags.
Hier nochmal der Podcast solltet ihr ihn noch nicht gehört haben:

Bin gespannt welche Sicht ihr teilt, hier zuerst einmal die von Thomas:

Diversifikation, aber wo?

Die Diskussionen um Envestio und Kuetzal gehen gerade hoch, und sie erschüttern das Vertrauen einiger Leute in die Investitionsform P2P Kredite. In der neuen Folge des P2P Café Podcasts empfiehlt der Gast Simon, der schon viele Jahre in P2P Kredite investiert, möglichst zu diversifizieren. Ich finde diese Aussage in ihrer Pauschalität nicht gerechtfertigt. Diversifizieren ganz klar ja, aber auf welcher Ebene? Bei den Aktien bin ich nur noch über ETFs investiert. Diversifiziere ich bei ETFs über die Fondsgesellschaften? Schaue ich, dass ich nicht zu viele ETFs von Blackrock, UBS, Vanguard etc. kaufe? Das klingt grotesk, wird aber bei den P2P Anbietern empfohlen.

In Sachen Risiko verweise ich einmal mehr auf den exzellenten Artikel auf dieser Webseite : Grundlagen P2P Risiken [Danke für das Lob!].
Das Risiko findet auf verschiedenen Ebenen statt und ich finde, die verschiedenen Risikoebenen verdienen eine separate Betrachtung.

Bei der Kreditauswahl genügen meiner Meinung nach die groben Kriterien, die man bei den Autoinvestoren einstellen kann. Der Rest wird durch die große Zahl erledigt. Eine gewisse Anzahl Kredite wird ausfallen, der Rest wird bezahlt, und unter dem Strich sollte sich eine vernünftige Rendite einstellen. Hier ist Diversifikation Pflicht und unter 100 Kredite würde ich nicht gehen.

Bei den P2P Anbietern jedoch finde ich eine blinde Streuung nicht hilfreich. Wir kommen da nicht darum herum, diese im Einzelnen zu prüfen. Bei Fondsanbietern wie zum Beispiel Blackrock mit 7000 Milliarden USD verwaltetem Fondsvermögen schaut die ganze Finanzwelt auf deren Finger und wir müssen deren Seriosität nicht selber prüfen. Bei den P2P Anbietern sind wir jedoch auf eigene Recherchen angewiesen.

Wir können uns z.B. die Finanzberichte dieser Plattformen anschauen. Bei seriösen Plattformen wie Mintos, Bondora oder Estateguru findet man diese Berichte ohne großes Suchen. Findet man keinen Finanzbericht, ist das bereits ein schlechtes Zeichen. Hat man den Bericht gefunden, so kann nicht jeder eine Bilanz lesen, aber jeder sieht, wer die Bilanz geprüft hat. Dies steht meist am Schluss eines Finanzberichtes. Bei Mintos und Estateguru waren das Ernst&Young und bei Bondora KPMG, d.h. weltweit tätige Revisionsgesellschaften mit einem exzellenten Ruf.

Hier die Links zu den Finanzberichten:

Meist gibt es zu Beginn des Finanzberichtes eine Zusammenfassung, die man auch versteht, wenn man keine Bilanzen und Erfolgsrechnungen lesen kann. Wir sehen da, dass Mintos, Estateguru und Bondora alle profitabel sind. Was passiert jedoch, wenn das Geschäft nicht so gut läuft? Ich habe bei Mintos einmal die Bilanz/Erfolgsrechnung ein bisschen genauer angeschaut. Extrem viel Luft ist nicht da, aber ich schätze 6-12 Monate könnte man wohl auch bei schlechtem Geschäftsgang durchhalten.

Das P2P Portfolio von Thomas

Man kann sich zusätzlich ein Bild auf der subjektiven Ebene machen. Verschiedene Blogger haben P2P Anbieter besucht, bzw. mit deren Repräsentanten gesprochen. Hierzu gibt es sehr viele Blogs, Podcasts und YouTube Videos. Diese Informationen sind eher fürs Bauchgefühl, aber das muss halt auch stimmen.

Was sich für mich schlecht abschätzen lässt in den baltischen Staaten ist, ob allenfalls neue Regulierungen und/oder Gesetze in Kraft treten, welche sich negativ auf die P2P Anbieter auswirken könnten. Die Mitgliedschaft in der EU und die große Zahl der ausländischen Investoren werden wohl verhindern, dass allzu willkürliche neue Regeln aufgestellt werden.

Was sind meine Schlussfolgerungen? Das wilde Investieren in viele verschiedene Plattformen ist oft getrieben von der Gier nach dem letzten Prozent Zins und vom Glauben, dass über viele Plattformen zu diversifizieren besser sei. Wenn Mintos die Zinsen reduziert, wird das als Zeichen der Krise gesehen und nicht als Zeichen der Stabilität und Seriosität. Ich habe mich selber zu Beginn verzettelt, fokussiere mich jetzt aber nur noch auf Mintos, Estateguru und Linked Finance plus Bondora Go&Grow als Puffer. Diese Anbieter habe ich geprüft und halte das Plattformrisiko für klein.
Ich spreche hier von aktuell €85’000, die ich im Laufe des Jahres 2020 auf €120’000 ausbauen möchte. Meine Zielrendite im Bereich P2P beträgt 7-8%, und somit gerate ich auch nicht in Panik, wenn es Ausfälle gibt. Was darüber liegt, betrachte ich als Geschenk.

NACHTRAG

Es besteht ein Unterschied zwischen Mintos einerseits und vielen anderen Plattformen andererseits. Mintos arbeitet mit Darlehensanbahnern zusammen, d.h. externalisiert das Kreditausfallrisiko. Die von mir erwähnten Estateguru, Linked Finance und Bondora vergeben die Kredite selber. Was ist nun besser? Wenn man sich überlegt, worin das Anbahnerrisiko besteht, dann liegt es größtenteils im Buyback, d.h. wer trägt das Ausfallrisiko? Keine der genannten Plattformen trägt das Ausfallrisiko selber, also gibt es hier auch kein wesentliches Anbahnerrisiko. Klar versuchen seriöse Plattformen das Geld von säumigen Zahlern einzutreiben, aber wenn nichts zu holen ist, dann geht das zu Lasten des Kunden. Für diesen Artikel sollen diese Ausführungen reichen. Zu Fluch und Segen von Buyback-Garantien werde ich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mehr schreiben.

Mein Standpunkt

Danke Thomas für deine Ausführungen. Als Diversifikationsverfechter kann ich das natürlich so nicht stehen lassen 🙂

Wobei ich natürlich den Ansatz von Thomas, was die Auswahlkriterien bei einer Plattform angeht, voll unterstütze. Wobei man allerdings durchaus auch noch einige Punkte mehr berücksichtigen sollte, das wurde  ja schon mal im Artikel “Stehen P2P-Plattformen auf einem starken Fundament” weiter ausgeführt. Und selbstverständlich bin ich der letzte der das Argument der Verblendung vieler durch die Gier nach immer höheren Zinsen abstreitet, da nehme ich mich auch gar nicht raus. Das ist natürlich ein starker Anreiz, den man kontrollieren muss, um eben nicht in so ein Desaster wie jetzt bei Kuetzal passiert ist, mit hohem Einsatz zu geraten.

Trotzdem bin ich der Meinung das mit mehr Plattformen das Impactrisiko also das Schadenspotential eines Ausfalls deutlich geringer wird als, wenn ich mich auf 3-4 große konzertiere, auch wenn da das Risiko eines Ausfalls vermutlich geringer ist als bei einer kleineren ist dann der Schaden für den Anleger einfach deutlich größer (im Fall von Thomas wäre dann ja auch mal schnell der Gegenwert eines kleinen Autos verbrannt).

Daher ist meine Strategie eben die, zusätzlich auch die Plattform Anzahl groß zu halten. Wobei ich durchaus differenziere und eine dem erwarteten Ausfallrisiko entsprechendem Modell fahre und dabei auch noch schaue, ob es nicht wie bei Mintos, Peerberry und Viventor eh schon Anbahner Überschneidungen gibt.
D.h. ich klassifiziere die Plattformen grob in drei Schubladen (Groß, Mittel, Klein).

Mein 10:3:1 Modell

Mein P2P Portfolio (aktuell ein wenig balanciert)

Will ich in meinen Großen Plattformen 5000 € anlegen so werden es bei den Mittleren eben maximal 1500 € und bei den Kleinen  und in der Regel auch riskanteren und wie bei Kuetzal eben auch im Zweifel mal betrügerischen kommt erst einmal nur 500 € ins Spiel.
Da ich nicht dogmatisch bin und das als Richtlinie betrachte, kann das auch schon mal abweichen. Bei den Jungen eher nach unten, als nach oben dabei ist, das Modell schon die Richtschnur die mir eben hilft nicht der Gier aufzusitzen und in riskante viel Zuviel zu investieren und im Gegenzug allerdings auch dafür zu sorgt, das ich mir eben kein Klumpenrisiko ins Portfolio hole.

Aber klar ist auch, wenn mich das P2P Thema als Blogger und durch meinen Spieltrieb getrieben  nicht so interessieren würde und ich dazu auch möglichst passiv anlegen wollte würde ich mich auch eher auf die Großen und vielleicht noch ein paar wenige Mittlere konzentrieren und die risikoreichen herauslassen und auf den letzten Renditekick  (oder gar ganz auf P2P) verzichten. Das muss ja auch alles zum Gesamtbild (-portfolio) passen und da will ich P2P auch nie mit mehr als 10% sehen.

Ach und meine Strategie setze ich so lange um bis es den FTSE P2P Baltikum Index und den passenden ETF darauf gibt 😉
Und ja Aggregationen wie durch  Evoestate, die ja schon mal mehrere Plattformen (vor allem Immobilien) bündeln, geht natürlich in die Richtung einer Diversifikation auf Plattform Ebene. Hat aber andere Risikoaspekte und ist einen eigenen Artikel wert – wenn ich mich mal durchringe auch da noch anzulegen!

Aber ich sehe schon, das ist ein schönes Thema das ich mit Thomas und Lars mal in einem eigene P2P Cafe diskutieren sollte!

Und wie seht ihr das, Klasse statt Masse oder doch eher differenzierter?

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